Was ist Social Freezing?

Michelle Kröger

Die biologische Uhr austricksen? Durchaus möglich. Zum Beispiel durch das Einfrieren der weiblichen Eizellen, auch Social Freezing genannt. Immer mehr Frauen entscheiden sich dazu, ihre Eizellen vorsorglich einfrieren und einlagern zu lassen. Die Gründe für eine zeitliche Verschiebung der Familienplanung können unterschiedlicher Natur sein. Wir erklären Ihnen alles, was Sie über das Thema Social Freezing wissen müssen.

Frau schaut auf Ultraschallbild
Beim Social Freezing werden Eizellen entnommen und eingefroren, so dass ein später Kinderwunsch erfüllt werden kann Foto:  RyanJLane/iStock
Inhalt
  1. Was ist Social Freezing?
  2. Behandlung: Wie funktioniert Social Freezing?
  3. In welchem Alter sollten Eizellen eingefroren werden?
  4. Wie viele Eizellen sollte ich einfrieren lassen?
  5. Wie hoch sind die Chancen, dass daraus ein Kind entsteht?
  6. Was kostet Social Freezing?
 

Was ist Social Freezing?

Der Begriff Social Freezing beschreibt eine Methode, bei der sich Frauen unbefruchtete Eizellen entnehmen und aus nicht-medizinischen Gründen einfrieren lassen. Warum genau? Die Gründe können variieren. Zum Beispiel entscheiden sich einige Frauen dazu, weil sie noch keinen geeigneten Partner gefunden haben oder weil sie sich erstmal auf ihre Karriere konzentrieren möchten. Das Gute: Die Eizellen können auch noch viele Jahre später wieder aufgetaut, befruchtet und in die Gebärmutter eingesetzt werden.

 

Behandlung: Wie funktioniert Social Freezing?

Zunächst einmal sollten Sie sich über das Thema Social Freezing umfassend beraten lassen und auch selbst informieren. Außerdem bedarf es im Vorwege auch einiger Untersuchungen, um herauszufinden, ob Sie sich für eine solche Behandlung eignen. Ist dies der Fall, so folgt eine Hormontherapie, die in der Regel zehn bis 14 Tage lang andauert. Dabei spritzt sich die Frau Hormone, die ihre Eierstöcke anregen und dafür sorgen, dass mehrere Eizellen in einem Monatszyklus produziert werden. Ist die Hormontherapie abgeschlossen, werden die Eizellen unter einer leichten Narkose vaginal entnommen. Die entnommenen Eibläschen werden unter einem Ultraschallgerät eingestellt und nachdem mit einer Nadel hineingestochen wurde, wird Flüssigkeit abgesaugt und so Eizellen gewonnen. Nach der Entnahme werden die Eizellen in flüssigem Stickstoff schockgefrostet und zur Kühlung bei ca. minus 196 Grad eingelagert.

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Wann kann Social Freezing sinnvoll sein?

Durch das Einfrieren der Eizellen können Frauen Ihre biologische Uhr austricksen. Denn auch, wenn sich eine Frau im optimalen Alter befindet, heißt das noch nicht, dass ihre Lebenssituation die richtige ist: Möglicherweise hat sich der geeignete Lebenspartner noch nicht gefunden, die Karriereziele sind noch nicht erreicht oder sie fühlt sich dem Thema Kinderwunsch noch nicht nah genug. Auch wenn eine Frau medizinisch gesehen schwanger werden kann und noch Eisprünge und Monatsblutungen aufweist, sinken die Chancen ab dem 30. Lebensjahr. Zunächst nur langsam, später dann immer schneller. Je älter eine Frau wird, desto häufiger können ihre gebildeten Eizellen Störungen des Erbmaterials aufweisen. Die Chancen einer Schwangerschaft werden dadurch gesenkt.

 

In welchem Alter sollten Eizellen eingefroren werden?

Ein später Kinderwunsch ist erfüllbar. Jedoch nur, wenn dieser rechtzeitig geplant wurde. Manchmal zeichnen sich Lebenssituationen ab, die eine Schwangerschaft langfristig unwahrscheinlich machen. Dann ist es möglich, frühzeitig Eizellen einfrieren zu lassen. Wie hoch der Nutzen des Social Freezing bei einer Frau ist, hängt von ihrem Alter zum Zeitpunkt der Zellentnahme ab. Und von der Anzahl der eingefrorenen Eizellen. Im Idealfall entscheidet sich die betreffende Frau zwischen dem 35. und dem 40. Lebensjahr für das Einfrieren ihrer Eizellen. Je jünger, desto höher die Qualität der Eizellen.

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Wie viele Eizellen sollte ich einfrieren lassen?

Die Medizin hat es ermöglicht, dass die Überlebensrate der Eizellen nach dem Auftauen bei rund 90 Prozent liegt. Durchschnittlich lassen sich bis zu 70 Prozent der Eizellen durch die Injektion eines Spermiums (ICSI) außerhalb des weiblichen Körpers befruchten. Doch nachdem die befruchteten Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt werden, gibt es keine Garantie dafür, dass auch jede anwächst. Experten raten dazu, mindestens zehn bis 15 Eizellen einfrieren zu lassen.

 

Wie hoch sind die Chancen, dass daraus ein Kind entsteht?

Den Auftauprozess überleben durchschnittlich acht bis neun von zehn Eizellen. Hinterher müssen diese Zellen direkt mit männlichem Spermium befruchtet werden. Das gelingt im Durchschnitt bei etwa 60 bis 70 Prozent. Werden die befruchteten Eizellen in die Gebärmutter der Frau eingesetzt, liegt die Wahrscheinlichkeit einer Einnistung bei ca. acht bis zehn Prozent.

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Was kostet Social Freezing?

Da es sich beim Social Freezing nicht um eine Leistung der gesetzlichen und privaten Krankenkassen handelt, müssen die Kosten vom Patienten selbst getragen werden. Je nachdem, wie viele Medikamente und Untersuchungen benötigt werden, müssen Sie mit Kosten zwischen 3.500 und 4.000 Euro rechnen, inklusive Einfrieren und Einlagern. Nach Ablauf von sechs Monaten kostet die Lagerung rund 200 Euro für jedes weitere halbe Jahr.

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