Was ist Rheuma (Rheumatoide Arthritis)?

Redaktion PraxisVITA

Bei Rheuma (rheumatoide Arthritis) handelt es sich um die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Für Betroffene sind die chronischen Gelenkschmerzen häufig eine starke Belastung und wirken sich mindernd auf die Lebensqualität aus. Medikamente, Physiotherapie und eine Ernährungsumstellung helfen Rheuma-Patienten, die Beschwerden zu lindern.

Inhalt
  1. Was ist Rheuma?
  2. Was sind die Rheuma-Symptome?
  3. Wie läuft die Rheuma-Diagnose ab?
  4. Worin besteht die Rheuma-Behandlung?
  5. Rheuma: Ursachen und Risikofaktoren
 

Was ist Rheuma?

Rheuma ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen am Bewegungsapparat. Meist ist die sogenannte rheumatoide Arthritis gemeint: Eine schubweise verlaufende entzündliche Erkrankung mit chronischen Gelenkschmerzen.

Unter Rheuma leiden weltweit rund 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung. Frauen sind etwa doppelt so häufig von Rheuma betroffen wie Männer. Pro 100.000 Menschen erkranken jährlich schätzungsweise zwischen 34 bis 83 Menschen neu an Rheuma. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten, am häufigsten aber zwischen dem 55. und 64. Lebensjahr bei Frauen und zwischen 65 und 75 Jahren bei Männern. Auch Rheuma bei Kindern kommt vor, tritt aber deutlich seltener auf.

Werden die immer wiederkehrenden Gelenkentzündungen nicht behandelt, greifen sie im weiteren Verlauf den Gelenkknorpel und die Knochen an. Die Gelenkstrukturen werden zunehmend abgebaut und die Beweglichkeit nimmt immer weiter ab – ohne Therapie werden die Gelenkknorpel vollkommen zerstört. Dies kann in der Folge zu einem Verlust der Arbeitsfähigkeit und einer massiven Einschränkung der Lebensqualität führen.

Bei schweren Rheumaverläufen können außerdem andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden, wie zum Beispiel Augen, Herz, Lungen, Nerven und Blutgefäße. In diesen Fällen kann die Lebenserwartung Betroffener um bis zu 13 Jahre gegenüber Gesunden reduziert sein. Mit einer adäquaten, frühzeitig begonnenen Behandlung zeigt sich jedoch kein Unterschied in der Lebenserwartung mehr.

 

Was sind die Rheuma-Symptome?

Zu den ersten Rheuma-Symptomen gehört eine Entzündung der kleinen Finger- und Zehengelenke. Meist kommt es plötzlich zu Schmerzen und angeschwollenen Gelenken. Ein charakteristisches Rheuma-Anzeichen ist eine Unbeweglichkeit direkt nach dem Aufwachen, die sogenannte Morgensteifigkeit. Sie kann bis zu mehrere Stunden anhalten.

Seltener sind zu Beginn die großen Gelenke des Körpers wie z. B. die Hüft-, Knie- oder die Schultergelenke betroffen. Typisch für Rheuma-Symptome ist, dass ein gleiches Verteilungsmuster der betroffenen Gelenke auf der linken und rechten Körperseite auftritt.
Im Laufe der Zeit erkranken immer mehr Gelenke – gleichzeitig entzünden sich auch die Sehnenscheiden und schwellen an (z. B. die Fingerstrecksehnen auf dem Handrücken). Auch die Wirbelsäule, vor allem die Halswirbelsäule, und Schleimbeutel können betroffen sein. Charakteristische Rheuma-Symptome sind die sogenannten Rheumaknoten. Diese bilden sich bei bis zu 20 Prozent der Betroffenen vor allem am Ellenbogen und den Fingergelenken.

Weitere Rheuma-Anzeichen:

  • Müdigkeit
  • Leistungsschwäche
  • Fieber
  • Nachtschweiß
  • Gewichtsabnahme

In den meisten Fällen verläuft Rheuma in Schüben, das heißt dass sich Episoden starker Gelenkschmerzen mit Phasen weniger ausgeprägter Symptome abwechseln. Insgesamt ist der Verlauf der rheumatoiden Arthritis sehr unterschiedlich; bei etwa zehn Prozent der Betroffenen kann es sogar ohne Behandlung zu einem spontanen Stillstand kommen.

 

Wie läuft die Rheuma-Diagnose ab?

Bei der Diagnosestellung orientiert sich der Arzt an Klassifikationskriterien für die Rheuma-Diagnose, die von der europäischen (European League Against Rheumatism) und der amerikanischen Rheumagesellschaft (American College of Rheumatology) gemeinsam verfasst wurden. Die Rheuma-Diagnose gilt als gesichert, wenn der Patient mindestens sechs von zehn möglichen Punkten in der Diagnoseskala erreicht. 

Die Kriterien umfassen etwa die Anzahl und Verortung der entzündeten Gelenke – dabei erreichen kleine Gelenke eine höhere Punktzahl auf der Skala als große. Zudem gehören verschiedene Blutwerte zu den Diagnosekriterien: Neben erhöhten Entzündungswerten spielen dabei zwei verschiedene Antikörper eine Rolle. 

Zum einen ist das der sogenannte Rheumafaktor (RF), ein Antikörper gegen den körpereigenen Stoff Immunglobulin G. Er galt lange Zeit als wichtigster Indikator einer rheumatoiden Arthritis. Inzwischen gilt er allerdings als weniger zuverlässig, weil er nicht bei allen Rheumapatienten, dafür aber auch bei einigen Gesunden nachgewiesen werden kann. Als zuverlässiger gelten die sogenannten CCP-Antikörper (cyclisch citrullinierte Peptide).

Neben den Blutanalysen gilt es, das Ausmaß möglicher Gelenk- und Knochenschäden zu erfassen. Dies geschieht mittels Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen. In einigen Fällen kommen bei der Rheuma-Diagnose weitere Untersuchungen wie beispielsweise eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) oder Szintigrafie (bildgebendes Verfahren zur Darstellung der Organfunktion) zum Einsatz.

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Worin besteht die Rheuma-Behandlung?

Die Rheuma-Behandlung besteht meist aus verschiedenen unterschiedlichen Bausteinen. Die möglichen Therapieoptionen werden durch einen Rheumatologen individuell für jeden Betroffenen zusammengestellt und individuell abgestimmt:

  1. Medikamentöse Therapie
  2. Physiotherapie und Ergotherapie
  3. Ernährungsumstellung

Welche Rheuma-Medikamente gibt es?

Die medikamentöse Therapie bei der rheumatoiden Arthritis besteht zunächst aus sogenannten Basismedikamente, die ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern sollen, indem sie langfristig gegen die Entzündung und Zerstörung der Gelenke vorgehen. Bei akuten Entzündungsschüben werden Glukokortikosteroide (Kortison) verabreicht – diese sollten allerdings nicht langfristig eingenommen werden. 

Gegen die Gelenkschmerzen werden spezielle Rheumaschmerzmittel, die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), wie beispielsweise Ibuprofen oder Diclofenac, eingesetzt. Zudem gibt es Biologika zur Rheuma-Behandlung: Diese Medikamentengruppe richtet sich gezielt gegen Entzündungsbotenstoffe (Zytokine) oder entzündungsfördernde Zellen des Immunsystems. Sie kommen nach sechs Monaten Basismedikation ohne Besserung zum Einsatz.

Für Homöopathie-Interessierte: Als homöopathisches Mittel kann Rhus toxicodendron in Form von Globuli gegen Schmerzen des Bewegungsapparates eingesetzt werden und eignet sich somit auch zur Rheuma-Behandlung. Gewonnen wird der Wirkstoff aus frischen Blättern des Strauches „Giftsumach“. Bisher sind keine Nebenwirkungen von Rhus toxicodendron bekannt.

Physiotherapie bei Rheuma

Zusätzlich können Physiotherapie hilft Rheumapatienten, die Gelenkfunktion, die Muskelkraft und die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke zu erhalten. Zudem fördert die Bewegung die Versorgung der Gelenke mit Nährstoffen. Verschiedene Anwendungen der physikalischen Therapie, wie z. B. die Kälte- oder Elektrotherapie, Ultraschall oder Infrarotbestrahlung, dienen vor allem der Schmerzlinderung. In der Ergotherapie lernen Betroffene, wie sie ihre Gelenke entlasten können oder welche Hilfsmittel ihnen für den Alltag zur Verfügung stehen.

Die richtige Ernährung bei Rheuma

Verschiedene Stoffe in unserer Ernährung können Entzündungen entgegenwirken oder sie begünstigen – die richtige Ernährung bei Rheuma spielt darum eine wichtige Rolle bei der Therapie. So können beispielsweise bestimmte Pflanzenstoffe in der Kirsche Rheumabeschwerden lindern. Auch andere Obst- und Gemüsesorten wirken lindernd – Fleisch, vor allem Schweinefleisch, wirkt dagegen entzündungsfördernd. So zeigen Studien, dass etwa die mediterrane Ernährung einen positiven Einfluss auf den Verlauf der rheumatoiden Arthritis haben kann.

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Rheuma: Ursachen und Risikofaktoren

Die Rheuma-Ursachen sind bisher nicht eindeutig bekannt. Wissenschaftler gehen derzeit von einer Fehlregulation des Immunsystems aus: Die Zellen des Immunsystems greifen fälschlicherweise körpereigene Substanzen an, wie z. B. den Gelenkknorpel. Eine solche Erkrankung wird auch als Autoimmunerkrankung bezeichnet.

Wie es zu dieser Fehlregulation kommt, ist allerdings nicht geklärt. Wahrscheinlich spielt eine erbliche Veranlagung eine wichtige Rolle. Außerdem könnten den Organismus schädigende, krankheitserzeugende Gifte – sogenannte Noxen – in Kombination mit der genetischen Veranlagung für die Entstehung von Rheuma verantwortlich sein. Noxen entstehen z.B. durch erhöhte Säurebildung aufgrund von falscher Nahrung. Zu den Hauptübeltätern gehören raffinierter Zucker, Weißmehl, Fleisch und Eiweiß.

Ein mittlerweile bekannter Risikofaktor für rheumatische Erkrankungen ist Rauchen. Je nach genetischer Belastung spielt der Nikotinkonsum in bis zur Hälfte der Erkrankungsfälle eine Rolle. Bei Rauchern kommt es auch zu schwereren Verläufen des Rheumas und Therapien zeigen eine schlechtere Wirkung. Weitere bekannte Risikofaktoren sind:

  • Stress
  • Bewegungsmangel
  • chronische Erschöpfung
  • Übergewicht
  • Hormonelle Störungen
  • Psychische Störungen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Quellen:
Huppertz, H-I. (2011): Neue Kriterien zur Klassifikation der rheumatoiden Arthritis.

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (2011): Frühe rheumatoide Arthritis, Management.
Anmerkung: Leitlinie wird zurzeit überarbeitet.

Sköldstam, Lars, Linda Hagfors, and Gunnar Johansson (2003): An experimental study of a Mediterranean diet intervention for patients with rheumatoid arthritis. In: Annals of the rheumatic diseases.

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