Was ist Reizhusten (trockener Husten)?

Redaktion PraxisVITA

Reizhusten ist ein sicherer Begleiter jeder Erkältung. Mehr noch: Ein kräftezehrender Reizhusten bleibt häufig auch dann noch bestehen, wenn die Erkrankung längst überstanden ist. Wer glaubt, er könne dieses Symptom einfach aussitzen, irrt sich. Denn trockener Reizhusten kann die empfindlichen Atemwegsschleimhäute nachhaltig schädigen, da kaum abgehustet wird. Doch der pausenlose Hustenreiz lässt sich lindern. Erfahren Sie jetzt, wie.

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Behandlung
Was ist Reizhusten?

Unter Reizhusten versteht man einen trockenen, häufig lauten Husten ohne Auswurf. Medizinisch wird der Reizhusten auch als unproduktiver Husten bezeichnet. Dabei handelt es sich nicht um eine Erkrankung, sondern um ein Symptom, das bei vielen verschiedenen Krankheiten auftreten kann.

Reizhusten
Reizhusten tritt auf, wenn der hintere Bereich des Halses oder Rachens gereizt ist oder sich entzündet. Manchmal kann Reizhusten allerdings auch tiefer in der Brust entstehen © istock/yodiyim
Reizhusten wird oft von diesen Symptomen begleitet:
  • Halsschmerzen
  • Heiserkeit
  • Kehlkopfentzündung
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Stimmverlust
  • produktiver Husten im späteren Verlauf
 

Welche Ursachen kann Reizhusten haben?

Husten ist eine Schutzreaktion des Körpers, um Fremdkörper oder Schleim aus den Atemwegen auszustoßen. Normalerweise besitzt der menschliche Körper ein sehr effektives Reinigungssystem seiner Atemwege. Auf den Schleimhäuten sitzen Millionen von Flimmerhärchen, auf denen sich eine dünne Schleimschicht befindet.

In dieser bleiben Krankheitserreger (z.B. Bakterien, Viren, Pilze), Staub, Pollen und andere kleine Fremdkörper hängen. Anschließend werden sie über Bewegungen der Flimmerhärchen mit dem Schleim in Richtung Rachen transportiert und dort verschluckt oder ausgehustet. Auch verschiedene Entzündungen oder allergische Reaktionen können Reizhusten auslösen.

Husten oder Bronchitis
Natürlich gesund  

Nur Husten oder schon Bronchitis?

Wer glaubt, man könne seinen Husten aussitzen oder nur mit Tees heilen, irrt sich. Denn: Reizhusten kann die empfindlichen Atemwegsschleimhäute nachhaltig schädigen, da kein Schleim abgehustet wird und die Schleimhäute ungebremst aufeinanderschlagen. Regelmäßiger, verschleimter Husten hingegen kann ein erster Hinweis auf eine Bronchitis oder sogar auf eine chronische Erkrankung wie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) sein.

 

Wie kann man Reizhusten schnell stoppen?

Reizhusten tritt bevorzugt in den unpassendsten Momenten wie nachts oder in Konzerten auf. Zwei Experten geben Auskunft, wie Sie am besten in solchen Situationen reagieren.

Dorothea Pfeiffer-Kascha, Physiotherapeutin, Schwerpunkt Atemphysiotherapie: Bei Reizhusten empfehle ich unter anderem die Lippenbremse: Blähen Sie die Wangen auf und lassen Sie dann die Luft durch die locker aufeinanderliegenden Lippen strömen. Sie können auch einen Strohhalm dazu verwenden. So werden die Rezeptoren im Hals weniger gereizt, der Hustenreiz wird abgeblockt. Alternativ können Sie einen Nasenflügel unauffällig verschließen und eine Weile durch das andere Nasenloch ruhig ein- und ausatmen.

Prof. Stefan Gottschlich, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, HNO med. Nord, Rendsburg: In solchen Situationen, also etwa bei Konzerten, sind zuckerfreie Hustenbonbons bei Reizhusten die einfachste Lösung.

Sie regen den Speichelfluss an, der kurzfristig den Hustenreiz blockiert. Aber Hustenbonbons unterstützen den Körper nicht dabei, die Atemwege zu befreien. Denn die Keime müssen ja zügig zusammen mit dem Sekret abtransportiert werden, damit sie sich nicht noch weiter ausbreiten.

Reizhusten nachts? Das hilft!

 

Reizhusten – welche Heilpflanzen bringen Linderung?

1 Thymian gegen Reizhusten

Thymian punktet mit seinem hohen Gehalt an ätherischen Ölen. Das macht ihn zum idealen Mittel bei Reizhusten.

Anwendung: Einen Teelöffel getrocknete Blätter mit ¼ Liter Wasser überbrühen, fünf Minuten ziehen lassen. Drei Tassen täglich trinken.

2 Eibisch gegen Reizhusten

Für effektive Linderung bei Reizhusten sorgt Eibisch – dafür sind die in der Wurzel und in den Blättern enthaltenen Schleimstoffe verantwortlich. Die Inhaltsstoffe haften auf der Schleimhaut in Mund, Rachen sowie Hals, bilden dort eine Schutzschicht und beruhigen so den quälenden Hustenreiz.

Anwendung: In einer Tasse zwei Teelöffel des Blätter-Blüten-Gemischs (sechs Gramm) mit kochendem Wasser aufgießen, 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Drei Tassen täglich.

Eibisch-Tee lindert Reizhusten
Als Tee oder Saft lindert Eibisch Reizhusten © istock/Sergeeva

3 Efeu gegen Reizhusten

Die Kletterpflanze ist eine uraltes Heilmittel bei Reizhusten. Ihr Inhaltsstoff alpha-Hederin verflüssigt Schleim in den Atemwegen und macht die Bronchien flexibler. Das erleichtert das Abhusten.

Tipp: Am wirksamsten ist der sogenannte Efeublätter-Gesamtextrakt. Der Wirkstoff-Mix tötet auch verschiedene Bakterien ab, die eine Erkältung verschlimmern können. Den Extrakt gibt es z. B. als Hustensaft in der Apotheke.

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Prof. Markus Hess ist HNO-Arzt und Phoniater. In 2014 hat er die DEUTSCHE STIMMKLINIK in Hamburg mitgegründet.

Quellen

Leitlinien zum Thema Husten auf der Seite von AWMF online – das Portal der wissenschaftlichen Medizin

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