Was ist Multiple Sklerose?

Redaktion PraxisVITA

Multiple Sklerose ist eine chronische Krankheit des Nervensystems, die die Hülle der Nervenzellen schädigt und damit Lähmungen, Sehstörungen, Spasmen und mehr auslösen kann. Doch nicht jeder MS-Patient landet im Rollstuhl – etwa ein Drittel der Betroffenen hat auch nach einem längeren Krankheitsverlauf keine wesentlichen Behinderungen.

Multiple Sklerose
Bei einer Multiplen Sklerose können sich vor allem Arme und Beine schwer und kraftlos anfühlen © istock/spukkato
Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Therapie
  6. 6. Multiple Sklerose – Experteninterview

Multiple Sklerose ist auch als „Krankheit der vielen Gesichter“ bekannt. Die Erkrankung ist eine der häufigsten des Nervensystems. Multiple Sklerose verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich. Einige stellt der Alltag – ein Butterbrot schmieren oder einfach nur duschen – bereits vor große Herausforderungen. Multiple Sklerose ist nicht heilbar. Mit Medikamenten lässt sich der Verlauf der Erkrankung jedoch positiv beeinflussen.

Multiple Sklerose – Definition

Multiple Sklerose (kurz: MS) ist eine abrupt oder schleichend einsetzende, oft in Schüben verlaufende, chronische Erkrankung, bei der sich bestimmte Teile von Nervenfasern (Myelin- oder Markschicht) im zentralen Nervensystem – also dem Gehirn und Rückenmark – entzünden.

Diese Entzündungen breiten sich immer weiter aus (Dissemination) und führen zu Entzündungsherden an verschiedenen Nervenfasern des zentralen Nervensystems. Diese Herde können nur etwa so klein wie der Kopf einer Stecknadel sein oder auch den Durchmesser eines Euro-Stücks haben. Doch um die Frage „Was ist Multiple Sklerose?“ wirklich beantworten zu können, muss man sich ansehen, was die Krankheit im Nervensystem genau auslöst.

MS Ursache Zentrales Nervensystem
Bei Multipler Sklerose (MS) wird das Zentrale Nervensystem (ZNS) vom Immunsystem des eigenen Körpers beschädigt © istock/Eraxion

Die Facherklärung: Die Myelinschicht besteht aus Fetten, Eiweißen und Wasser. Sie umhüllt die Nerven und verbessert die Reizweiterleitung. Die ständigen (chronischen) Entzündungen bei Multiple Sklerose führen dazu, dass die Myelinschicht zurückgeht und irgendwann komplett fehlt („Entmarkung“). In der Folge funktioniert die Reizweiterleitung immer schlechter, was vielfältige Beschwerden hervorrufen kann. Andere medizinische Namen für die Multiple Sklerose lauten Encephalomyelitis disseminata und Polysklerose.

 

Welche Symptome können bei einer Multipen Sklerose auftreten?

Die Ausprägung der Symptome ist individuell verschieden und abhängig davon, welche Bereiche des zentralen Nervensystems betroffen sind.

Multiple Sklerose – Leitbeschwerden
  • Taubheitsgefühl
  • Kribbeln
  • Sehstörungen
  • Lähmungen
  • Schwächegefühl
  • Sprachstörungen
 

Wie wird eigentlich die Diagnose Multiple Sklerose gestellt? Welcher Arzt ist meine erste Anlaufstelle, wenn ich Symptome verspüre?

Die meisten Menschen mit Verdacht auf Multiple Sklerose haben ganz unterschiedliche Symptome, die neben einer MS-Erkrankung auch diverse andere Ursachen haben können. Die erste Anlaufstelle ist immer der Hausarzt. Durch die Messung des Blutdrucks, ein umfangreiches Blutbild oder auch ein MRT (Magnetresonanztomographie), das mögliche Entzündungsherde im Körper zeigt, kann der Hausarzt einen ersten Überblick über das Krankheitsbild erhalten. Erhärtet sich der Verdacht auf Multiple Sklerose, dann wird der Patient für die Diagnosestellung an einen Neurologen überwiesen.

Multiple Sklerose-Diagnose
Krankheiten & Symptome  

MS: Diagnose erfordert verschiedene Untersuchungen

 

Endet eine MS zwangsläufig im Rollstuhl?

In der heutigen Zeit gibt es viele individuelle Therapien, die helfen können, die Behinderungsprogression bei Multipler Sklerose zu verlangsamen. Wenn die MS so verläuft, dass ein Patient auf einen Rollstuhl angewiesen ist, ist dies inzwischen häufig in einem späteren Stadium der Erkrankung der Fall. Regelmäßige Kontrollen beim Neurologen und gegebenenfalls die Anpassung der Medikation können die Verlangsamung der Behinderungsprogression begünstigen.

 

Wie oft tritt Multiple Sklerose auf?

In Deutschland gibt es Schätzungen zufolge etwa 200.000 Multiple Sklerose Kranke. Frauen erkranken häufiger als Männer. Die Patienten sind meist zwischen 20 und 40 Jahre alt, wenn die Multiple Sklerose Symptome hervorruft und festgestellt wird. Multiple Sklerose kann aber auch schon in der Pubertät auftreten. Erkrankungen mit neurologischen Symptomen vor dem zehnten Lebensjahr sind selten, denn vermutlich dauert es etwa zehn Jahre, bis nach den ersten Veränderungen im zentralen Nervensystem spürbare Symptome auftreten. Nach dem 45. Lebensjahr sinkt das Risiko, eine Encephalomyelitis disseminata zu entwickeln, deutlich. In den letzten Jahren wird Multiple Sklerose jedoch immer häufiger bei Kindern und Jugendlichen sowie bei über 45-Jährigen festgestellt.

Quelle

Dr. med. Arne Schäfler (2008): Gesundheit heute: Krankheit - Diagnose - Therapie: das Handbuch für Schulmedizin, Naturheilkunde und Selbsthilfe, München, Knaur Ratgeber Verlag

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