Was ist HPV? Nur zwei von zehn wissen Bescheid

Die Mehrheit der Jugendlichen kennen Humane Papillomviren (HPV) nicht – das ergab kürzlich eine viel beachtete österreichische Umfrage. Doch wie gut wissen die Deutschen Bescheid? Praxisvita hat nachgeforscht.

Humane Papillomviren (HPV) zählen zu den häufigsten Auslösern sexuell übertragbarer Krankheiten. Besonders oft sind sexuell aktive Menschen unter 25 Jahren davon betroffen. Doch genau in dieser Risikogruppe weiß die Mehrheit nicht über HP-Viren Bescheid – so lautet das Ergebnis einer österreichischen Umfrage.

Durchgeführt hat sie der 18-jährige Alexander Schäppi. Der angehende Medizinstudent kam vor etwa drei Jahren mit dem Thema in Berührung: „Mein Papa legte mir eine Broschüre auf den Tisch und meinte nur kurz: nächste Woche wirst du geimpft!“

Fortan beschäftigte ihn das Thema HPV. In Gesprächen mit seinen Mitschülern stellte er fest, dass es diesen weitgehend unbekannt war. Im Rahmen einer vorwissenschaftlichen Arbeit verteilte er 600 Fragebögen zum Thema an seiner Schule. Das Ergebnis schockierte den Schüler: 63 Prozent der Befragten hatten noch nie von HPV gehört.

 

Stichprobe – wie gut wissen die Deutschen Bescheid?

Wie steht es um das HPV-Wissen der Deutschen? Wir haben uns in der Bevölkerung umgehört. Das Ergebnis ist erschreckend: Von zehn Befragten konnten nur zwei etwas mit dem Begriff HPV verbinden. Die Frage nach der Personengruppe, für die eine HPV-Impfung besonders wichtig ist, konnte sogar nur eine Person richtig beantworten. Wir haben für Sie die wichtigsten Fakten über HPV zusammengestellt.

 

Was ist HPV?

Ein Mann überlegt
HP was? Die Mehrheit kann sich unter dem Begriff "HPV" nichts vorstellen – dabei gehören die HP-Viren zu den häufigsten Auslösern sexuell übertragbarer Krankheiten© Fotolia

70-80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen stecken sich im Laufe ihres Lebens mit HP-Viren an. In rund 80 Prozent der Fälle verläuft die Infektion ohne Symptome und heilt von alleine wieder ab. Bislang sind rund 150 unterschiedliche Humane Papillomviren bekannt. Einige davon können harmlose Hautwarzen (Papillome) hervorrufen. Andere HP-Viren befallen die Schleimhäute, hauptsächlich an den Geschlechtsorganen oder am After. Diese Viren sind in Hoch- und Niedrigrisiko-Viren unterteilt. Niedrigrisiko-Viren können ungefährliche Genitalwarzen (Feigwarzen) auslösen.

Hochrisiko-Viren verursachen Gewebeveränderungen in verschiedenen Körperbereichen (Gebärmutterhals, Schamlippen, Scheide, Penis, After, Mund-Rachen-Bereich), aus denen sich Krebs entwickeln kann. Den meisten Fällen von Gebärmutterhalskrebs liegt eine Infektion mit HPV zugrunde. Doch auch bösartige Tumoren im Anal- oder Rachenbereich können durch HPV verursacht werden.

 

Wer sollte sich impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren. Die Impfung sollte vor dem ersten sexuellen Kontakt durchgeführt werden, da das Virus schon beim ersten Geschlechtsverkehr übertragen werden kann. Die Impfrate ist hierzulande jedoch niedrig: Obwohl zahlreiche Studien Sicherheit und Wirksamkeit der HPV-Impfung belegen, sind in Deutschland nur rund 40 Prozent der 14- bis 17-jährigen Mädchen geimpft.

Doch nicht nur für junge Frauen ist eine Impfung sinnvoll. Auch Männer kann sie vor Krebs schützen – speziell im Anal- sowie im Mund- und Rachenbereich. Darum ist eine Impfempfehlung für Jungen bei Medizinern zunehmend in der Diskussion. Kanadische Wissenschaftler untersuchten in einer Studie, ob eine flächendeckende Impfung bei Jungen sich wirtschaftlich lohnen und sich positiv auf Lebenserwartung und Lebensqualität auswirken würde. Unter der Annahme, dass sich gut zwei Drittel der 12-jährigen Jungen impfen ließen und der Impfschutz 99 Prozent betrüge, ergab ihre Rechnung eine Pro-Kopf-Ersparnis von umgerechnet 109 Euro (insgesamt 21 Millionen Euro) und eine minimal erhöhte Lebenserwartung und -qualität. Bei einem deutlich schlechteren Impfschutz und einer Impfrate von 50 Prozent ergab sich immer noch eine leicht erhöhte Lebenswerwartung und- qualität sowie eine Kostenersparnis von insgesamt rund sechs Millionen Euro. Experten reichen diese Ergebnisse jedoch noch nicht aus, um generell eine HPV-Impfung bei Jungen zu empfehlen – auch das Robert-Koch-Institut spricht sich weder für noch gegen die Impfung von Jungen aus.

Hamburg, 2. September 2015

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