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Was ist eine Windeldermatitis?

Redaktion PraxisVITA

Die Windeldermatitis („wunder Po“) ist ein charakteristischer Hautausschlag, den Säuglinge und Kleinkinder bekommen können. Aber auch ältere Menschen, die etwa wegen einer Blasenschwäche Windeln tragen müssen, können eine Windeldermatitis bekommen. Durch adäquate Behandlung klingen die Beschwerden gut ab.

Ein gut bestückter Wickeltisch
Babys, Kleinkinder und auch Erwachsene können unter WIndeldermatitis leiden Foto:  StockPlanets/iStock
Inhalt
  1. Wunder Po bei Babys, Kleinkindern und Erwachsenen mit Inkontinenz
  2. Windeldermatitis heilt bei richtigem Umgang folgenlos ab
  3. Welche Symptome treten auf?
  4. Was sind die Ursachen und Risikofaktoren?
  5. Risiken bei Windeldermatitis durch Grunderkrankungen
  6. Wie wird bei einer Windeldermatitis die Diagnose gestellt?
  7. Wie sieht bei einer Windeldermatitis die Therapie aus?
  8. Kann man einer Windeldermatitis vorbeugen?

Eine Windeldermatitis ist ein Ausschlag in der Windelregion, der häufig bei Babys und Kleinkindern vorkommt. Sie tritt aber auch bei älteren Menschen auf, die zum Beispiel aufgrund einer Blasenschwäche gezwungen sind, eine Windel zu tragen. Der Begriff „Dermatitis“ bezeichnet ganz allgemein eine entzündliche Reaktion der Haut, die vor allem eine bestimmte Hautschicht, die Dermis oder Lederhaut, betrifft.

 

Windeldermatitis: Wunder Po bei Babys, Kleinkindern und Erwachsenen mit Inkontinenz

Die Windeldermatitis bei Babys, Kleinkindern oder Menschen mit Inkontinenz definiert das, was umgangssprachlich als „wunder Po“ bezeichnet wird. Ganz allgemein handelt es sich um einen Hautausschlag im Intim- und Gesäßbereich. Bei vielen Fällen von Windeldermatitis treten begleitend Bakterien- und Pilzinfektionen auf, da es die Keime durch die entzündete Haut leichter haben, sich anzusiedeln. Außerdem fühlen sie sich im feucht-warmen Windelbereich besonders wohl und vermehren sich entsprechend. In drei Viertel aller Infektionen besiedeln Hefepilze der Gattung Candida die Haut. Bakterielle Infektionen sind seltener. Eine Pilzinfektion in der Windelregion wird medizinisch als Candidosis genito-glutealis bezeichnet.

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Service Kokosöl gegen Pilzinfektionen

Manchmal breitet sich die Windeldermatitis auch in Richtung Oberschenkel, Rücken und/oder Unterbauch aus. Diese Verbreitung in benachbarte Areale bezeichnet der Arzt als Streuherde. Rund zwei Drittel aller Kinder bekommen während der Windelzeit mindestens eine Windeldermatitis, also einen geröteten, wunden Po. Hierbei handelt es sich um eine Windeldermatitis vom Typ I, die sich oft in den ersten Säuglingsmonaten entwickelt. Ältere Menschen mit einer Harn- oder Stuhlinkontinenz müssen oft Windelhosen tragen, wenn sie aus unterschiedlichen Gründen ihren Urin oder Stuhl nicht oder nur noch teilweise kontrollieren können. Die bei ihnen auftretende Hautentzündung im Windelbereich wird als Windeldermatitis Typ II bezeichnet. 

 

Windeldermatitis heilt bei richtigem Umgang folgenlos ab

Die Windeldermatitis ist grundsätzlich eine harmlose Hautkrankheit, die normalerweise binnen weniger Tage ohne Folgen wieder abheilt. Dazu gilt es, mögliche Infektionen sorgfältig zu behandeln, mögliche Risikofaktoren zu umgehen und durch einfache Verhaltensregeln einer erneuten Windeldermatitis vorzubeugen. Eine mögliche Folge tritt weniger aufgrund der Windeldermatitis, sondern mehr wegen falscher Behandlung auf: Bei der sogenannten Granuloma gluteale infantum bilden sich durch zu häufiges Eincremen mit Kortison-haltigen Salben derbe, bläulich-rote und schmerzhafte Knötchen entlang einer Hautlinie im Intimbereich. Auch sie bilden sich oftmals folgenlos zurück, manchmal können sie aber auch Narben hinterlassen.

Frau trägt Cortison-Salbe auf
Medikamente & Wirkstoffe Cortison: Wirkung hängt von Darreichungsform ab

Wiederholtes Auftreten von Windeldermatitis

Tritt eine Windeldermatitis mehrfach auf, kommt es also zu Rückfällen, so empfiehlt sich der Besuch beim Kinder- oder Hautarzt. Möglicherweise sind bestimmte Grunderkrankungen bei den Kindern oder Säuglingen für das erneute Auftreten verantwortlich. Mögliche Ursachen können hier Allergien oder eine Immunschwäche sein. Breitet sich die Windeldermatitis über die Windelregion hinaus auf weitere Körperareale aus, so kann das ein Warnsignal dafür sein, dass sich die Hautentzündung auf den gesamten Körper ausbreiten könnte. Hier gilt es, umgehend den Arzt aufzusuchen. Bei frühzeitiger Therapie lassen sich schwere Komplikationen vermeiden, vor allem wenn begleitende Bakterien- oder Pilzinfektionen auftreten, was als infizierte Windeldermatitis bezeichnet wird.

 

Windeldermatitis: Welche Symptome treten auf?

Die Windeldermatitis-Symptome sind unscharf abgegrenzte Rötungen der Haut. Die betroffenen Hautareale nässen oft, was viele Menschen als das eigentliche „Wundsein“ deuten. Am Rand des entzündeten Hautbereichs können sich kleine Eiterbläschen oder Knötchen bilden. Die Pusteln breiten sich manchmal bis zu Oberflächeninnenseite sowie zum unteren Rücken und Bauch aus.  

Die Windeldermatitis (umgangssprachlich „wunder Po“) ist gekennzeichnet durch die Kombination verschiedener Symptome, die ausschließlich im Windelbereich, manchmal auch in den angrenzenden Körperbereichen auftritt. So ist die entzündete Haut unscharf gerötet, was Ärzte als flächiges Erythem bezeichnen. In den meisten Fällen nässt das Erythem, was für viele Menschen das „Wundsein“ ausmacht. Am Rand des entzündeten Hautareals bilden sich mitunter kleine Eiterbläschen oder Hautknötchen. Unter Umständen breiten sich die Pusteln bin zum unteren Rücken sowie in den unteren Bauchbereich aus. Auch die Oberschenkelinnenseiten können betroffen sein.

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Infizierte Windeldermatitis: Starker Juckreiz als zusätzliches Symptom

Ist Windeldermatitis infiziert, siedeln sich also Pilze oder Bakterien im wunden Bereich an, so verstärkt das die Symptome und es können sich neue Beschwerden hinzugesellen. Su juckt die infizierte Haut teilweise sehr stark und auch Schmerzen können auftreten. Eine Pilzinfektion ist von außen daran zu erkennen, dass infizierten Hautbereiche stärker gerötet sind, als das bei einer einfachen Windeldermatitis ohne Infektion durch Keime der Fall wäre. Zudem sind die Ränder der befallenen Hautbereiche scharf abgegrenzt und bilden feine Schuppen. Schwere Verläufe entwickelt sich dann, wenn die Haut zusätzlich mit Bakterien wie Staphylo- oder Streptokokken infiziert wird. In Folge der Infektion können sich größere Hautblasen entwickeln. Die Haut kann sich lösen und es kann zu Gewebeschäden kommen, sogenannten Erosionen oder Ulzera. Selten tritt bei der infizierten Windeldermatitis als zusätzliches Symptom Fieber auf. Auch im Gesicht, am Oberkörper und auf dem Kopf können sich in Folge der Bakterieninfektion Hautveränderungen entwickeln. So kommt es zusammen mit der bakteriellen Windeldermatitis häufiger zur sogenannten Borkenflechte.

Die Borkenflechte, auch als Grindflechte oder Impetigo contagiosa bezeichnet ist eine oberflächliche Hautinfektion, die juckt und schmerzt vor allem bei kleinen Kindern häufig vorkommt. Sie wird durch Bakterien ausgelöst und ist hochgradig ansteckend. Kinder mit einer Borkenflechte dürfen erst wieder in die Kita oder zur Schule gehen, wenn sie nicht mehr ansteckend sind. Da ist etwa 24 Stunden nach Beginn der Antibiotika-Therapie der Fall. Ohne Behandlung kann eine Borkenflechte mehrere Wochen hinweg ansteckend bleiben. Weil der wunde Po Babys juckt und schmerzt, weinen sie häufiger und schlafen schlechter.

 

Windeldermatitis: Was sind die Ursachen und Risikofaktoren?

Windeldermatitis entsteht in der Regel aus dem Zusammenspiel verschiedener Ursachen. Durch den regelmäßigen Stuhl- und Urinkontakt ist die Haut gereizt. Feuchtigkeit und Wärm in der Windel tun ihr Übriges. Kommen weitere Risikofaktoren wie die falschen Pflegeprodukte, mangelnde Hygiene und/oder Krankheitskeime hinzu, so kann sich eine Windeldermatitis. Die Windeldermatitis entwickelt sich in der Regel aus dem Zusammenspiel von verschiedenen Ursachen mit bestimmten Reiz- und Risikofaktoren, die das „Wundsein“ fördern. Voraussetzung für die Entstehung einer Windeldermatitis ist die Reizung der genitalen Haut durch wiederholten, längeren Stuhl- und Urinkontakt, wie er in Windeln nicht vermeidbar ist. Hinzu kommt, dass sich in der nahezu wasser- und luftdichten Windel Feuchtigkeit und Wärme stauen und eine feuchte Kammer bilden. Durch die Gegebenheiten quillt die oberste Hautschicht auf und verliert in der Folge ihre Schutzfunktion.

Vater beim Baby Wickeln entdeckt Blut in der Windel
Kindergesundheit Blut in der Windel

Risikofaktor Ammoniak

Der Verlust des Schutzeffekts wird durch den im Urin vorkommenden Stoff Ammoniak verstärkt. Dabei handelt es sich um eine chemische Substanz, bestehend aus Wasser- und Stickstoff, die durch die Spaltung von Harnstoff entsteht. Ammoniak hat folgende Effekte: Zum einen reizt es die Haut im Windelbereich zusätzlich. Zum anderen wird der pH-Wert der Haut durch Ammoniak leicht angehoben. Dadurch verliert sie den natürlichen Säureschutzmantel, der normalerweise das Wachstum von Krankheitskeimen bremst.

Windeldermatitis: Pilze oder Bakterien als Ursachen

Das feucht-warme Klima in der Windel ist in Kombination mit dem gestörten Säureschutzmantel und der Reizung der Haut ein idealer Brutplatz für viele Keime, die bei einer Windeldermatitis ebenfalls zu den Ursachen zählen. Besonders wohl fühlt sich hier der Hefepilz Candida albicans. Er vermehrt sich leicht und kann in die Haut eindringen. In der Haut löst der Pilz weitere Entzündungen aus, so dass die Haut stärker gerötet ist, als dies bei einer Windeldermatitis ohne Infektion der Fall wäre. Insbesondere Neugeborene bekommen in den ersten drei Monaten eine Windeldermatitis, auch weil ihr Immunsystem noch angreifbar ist, da es noch nicht vollständig ausgereift ist.

Falsche Wickel- und Pflegeprodukte begünstigen Windeldermatitis

Verschiedene weitere Risikofaktoren tragen dazu, eine Windeldermatitis zu begünstigen oder zu verstärken. Manchmal sind sie auch die Ursache. Nachteilhaft sind enge Windeln, da diese auf der Haut scheuern können und so zu kleinen Hautschäden führen. Die Haut ist gereizt und leichter angreifbar. Manche Babys, aber auch ältere Menschen reagieren allergisch auf bestimmte Inhaltsstoffe. Diese Form der Allergie bezeichnet der Arzt als Kontaktekzem. Hinzu kommt, dass Kinder wie Erwachsene allergisch auf bestimmte Duft- oder Konservierungsstoffe reagieren, die in Hautpflegeprodukten oder Waschmitteln vorkommen. In Folge dessen können sie eine Windeldermatitis bekommen.

Schlechte Hygiene als Ursache für Windeldermatitis

Zu seltenes und/oder nur oberflächliches Waschen und/oder nicht ausreichendes Abtrocknen gehört bei Babys und Erwachsenen, die Windelhosen tragen, zu den häufigen Ursachen für eine Windeldermatitis. Schlechte Hygiene trägt entscheidend zu einem deutlich erhöhten Windeldermatitis-Risiko bei.

 

Risiken bei Windeldermatitis durch Grunderkrankungen

Babys oder Erwachsene bekommen zudem eher eine Windeldermatitis, wenn sie etwa eine Darmpilzerkrankung, eine sogenannte Darmcandidose, haben. Die Infektion erfolgt sogar bei intakter, nicht geschädigter Haut. Das feuchte Klima in der Windel reicht aus, um die Vermehrung und Besiedlung der Haut im Anal- und Genitalbereich auszulösen. Wenn ein Baby einen wunden Po hat, so können auch Durchfallerkrankungen zu den Windeldermatitis-Ursachen gehören. Der Grund: Häufiger und flüssiger Stuhlgang reizt die Haut noch stärker als normaler, fester Stuhlgang.

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Verschiedene Krankheiten zählen ebenfalls zu den Risikofaktoren und Ursachen einer Windeldermatitis. Sie erleichtern die Infektion der Haut mit krankheitsauslösenden Erregern. Hierzu gehören Hauterkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis (atopisches Ekzem), Schuppenflechte (Psoriasis), seborrhoisches Ekzem beim Säugling oder ganz allgemein trockene Haut. Zudem erhöht ein geschwächtes Abwehrsystem das Risiko für eine Windeldermatitis.

Risikofaktor Vitaminmangel

Vor allem ein Mangel an Biotin – auch Vitamin B7 genannt – das in Eiern, Milch, Sojaprodukten oder Nüssen enthalten ist, kann die Entstehung einer Windeldermatitis begünstigen, so das Ergebnis von Studien. Auch ein Mangel des lebenswichtigen Spurenelements Zink kann das Risiko steigern. Eine gestörte Zinkaufnahme wie zum Beispiel bei der angeborenen Krankheit Acrodermatitis enteropathica, aber auch falsche, einseitige Diäten können Zinkmangel verursachen.

 

Wie wird bei einer Windeldermatitis die Diagnose gestellt?

Die Windeldermatitis-Diagnose ist in der Regel leicht durchzuführen. Dem behandelnden Kinder- oder Hautarzt reicht schon das gründliche Begutachten des betroffenen Hautbereichs in und gegebenenfalls um die Windel. Liegt eine Windeldermatitis vor, so wird der Arzt die klassischen Anzeichen Rötung, Pusteln, Nässen und Schuppen erkennen. Die Windeldermatitis-Diagnose stellt entweder der Kinderarzt oder bei Erwachsenen, die Windeln tragen, der Haus- oder Hautarzt. Für die Diagnose genügt es dem behandelnden Arzt in der Regel, sich die betroffene Haut in und um den Windelbereich gründlich anzuschauen. Dort werden sich bei einer Windeldermatitis die typischen Anzeichen zu erkennen sein. Die Haut ist gerötet, nässt, schuppt sich und es können Pusteln vorhanden sein. Die Hautentzündung in Kombination mit dem Ort des Auftretens, sprich an Genital, Po, unterem Rücken, Unterbauch und Oberschenkelinnenseite reicht oft für die Windeldermatitis-Diagnose aus.

Windeldermatitis-Diagnose durch genaue Hautuntersuchung

Für die Diagnose der Windeldermatitis ist die genaue Hautuntersuchung wichtig, dass sie der Arzt von anderen Hautkrankheiten abgrenzen muss, die im Zweifelsfall anders behandelt werden. So kann es sich auch um ein sogenanntes atopisches Ekzem (Neurodermitis) handeln. Zwar treten die hier charakteristischen nässenden, krustigen Hautveränderungen besonders an Kopf und Oberkörper auf. Sie können sich aber in seltenen Fällen auch im Windelbereich zeigen. Auch die Schuppenflechte verursacht schuppige, rötliche Hautveränderungen, die verhärtet sind. Auch sie kann in der Windelregion auftreten.

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung wird der Arzt zusätzlich auf andere Krankheitsanzeichen außerhalb des Windelbereichs achten. So wird die infizierte Windeldermatitis oft durch den Hefepilz Candida albicans ausgelöst. Und der befällt auch Mund und Darm und kann von dort aus den Windelbereich attackieren. Bei entsprechendem Verdacht kann der der Arzt einen Abstrich des entzündeten Hautareals machen – übrigens auch, wenn er einer Bakterien-Infektion vermutet. Derartige Maßnahmen sind aber eigentlich nur dann nötig, wenn die Windeldermatitis in seltenen Fällen schwer verläuft oder wenn bisherige Behandlungen nicht angeschlagen haben.

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Bei Allergie-Verdacht folgen weitere Untersuchungen

Bei Allergie-Verdacht wird der Arzt für die Windeldermatitis-Diagnose weitere Tests machen. Wichtig ist hier der sogenannte Epikutantest. Der Arzt klebt in Frage kommende „Auslöser-Substanzen“ mittels spezieller Testpflaster auf einen gesunden Hautbereich. Reagiert der Körper allergisch, so zeigt die Haut binnen 48 Stunden einen typischen Ausschlag. Sie verträgt also den betreffenden Stoff nicht. Zur Bestimmung der Entzündungswerte oder zur Messung des Zinkgehalts kann der Arzt ein Blutbild machen (z.B. zur Bestimmung der Entzündungswerte oder des Zinkgehalts). Stuhlproben werden dann entnommen, wenn Betroffene Durchfall haben und der Arzt die Ursache finden will.

 

Wie sieht bei einer Windeldermatitis die Therapie aus?

Eine Windeldermatitis ist eine unangenehme, aber harmlose Hautkrankheit, die normalerweise innerhalb von einigen Tagen folgenlos abheilt. Für die Windeldermatitis-Therapie werden mögliche Infektionen sorgfältig behandelt. Hinzu kommen einfach Verhaltensänderungen bei Hygiene, Pflegeprodukten und gegebenenfalls ein Wechsel der Windelmarke. Nachdem der Arzt mögliche Grunderkrankungen ausgeschlossen hat, wird er für die Windeldermatitis-Therapie verschiedene Maßnahmen gegen die Hautentzündungen ergreifen. Hier geht es vor allem um zweierlei: den aktuellen Ausschlag behandeln und durch bestimmte Verhaltensregeln einer erneuten Windeldermatitis vorbeugen.

Bei Windeldermatitis: Viel Luft an den wunden Po lassen

Der dauerhafte Kontakt zur feuchten Windel reizt die Haut im Windelbereich und fördert die Entstehung einer Windeldermatitis. Deswegen ist es heilsam, dem eigenen Kind möglichst viel windelfreie Zeit zu gönnen. Es kann und sollte ruhig nackt in der Wohnung rumlaufen. Manchmal reicht es zur Windeldermatitis-Therapie schon aus, wenn das Kind auf dem Wickeltisch regelmäßig ohne Windel strampeln kann. Das beugt einer Windeldermatitis wirksam vor und lässt bestehende Hautentzündungen schneller abheilen. Das gilt übrigens auch für ältere Menschen mit einer Windeldermatitis. Auf Intensivstationen ist deswegen zum Beispiel üblich, dass die Patienten keine Windelhosen tragen.

Mann wechselt die Windel
Bei einer Windeldermatitis sollte man alle drei bis vier Stunden die Windel kontrollieren Foto:  AlenaPaulus/iStock

Gegen Windeldermatitis: Windeln alle drei bis vier Stunden wechseln

Für eine erfolgreiche Windeldermatitis-Therapie empfiehlt es sich zudem, die Windeln im Abstand von drei bis vier Stunden zu kontrollieren und gegebenenfalls zu wechseln. Befindet sich bereits Urin oder Stuhl in der Windel, so sollte die Windel sofort gewechselt werden. Beim Anlegen der Windel gilt es darauf zu achten, diese locker anzulegen. So ist etwas mehr Luft zwischen Windel und Haut und es reibt weniger. Auch die Wahl der Windel ist wichtig: Hier empfiehlt sich eine stark saugfähige und luftdurchlässige Windelmarke. Wegwerfwindeln eignen sich zudem besser für die Windeldermatitis-Therapie als Stoffwindeln. Wer trotzdem nicht auf Stoffwindeln verzichten will, der sollte sie nach dem Gebrauch bei mindestens 60 Grad Celsius waschen (lassen).

Windelbereich sorgfältig reinigen und trocknen ohne es zu übertreiben

Auch die richtige Hygiene spielt für die erfolgreiche Windeldermatitis-Behandlung eine zentrale Rolle. Hier empfiehlt es sich, die Haut mit warmem, klarem Wasser sorgfältig zu reinigen. Auf Seifen oder andere Reinigungs- sowie Pflegeprodukte gilt es zu verzichten. Sie können die ohnehin schon angegriffene Haut unnötig und zusätzlich reizen. Bei manchen Menschen lösen sie sogar Allergien aus. Schmutz oder Reste von Salben, die sich mit warmem Wasser nicht lösen lassen, können mit einem Öl-benetzten Tuch – hierfür eignet sich Oliven- oder Mandelöl – oder sogenannten Syndets gut entfernt werden. Die derart gereinigte Windelregion wird danach gründlich trocken getupft. Alternativ oder ergänzend kann man die Haut mit einem Fön auf niedrig-warmer Stufe trockenföhnen. Hier gilt es vor allem, die Hautfalten gut zu trocknen.

Bei der Hautpflege ist Vorsicht geboten

Nicht selten entwickelt sich eine Windeldermatitis, weil seit kurzem andere, vermeintlich bessere Pflegeprodukte verwendet werden oder weil auf eine andere Windelmarke umgestellt wurde. Für eine erfolgreiche Windeldermatitis-Therapie sollte man sich daher fragen, ob in den letzten Tagen oder Wochen derartige Veränderungen vorgenommen wurden. Wer bereits Salben gegen Windeldermatitis erfolglos ausprobiert hat, der sollte den Arzt um Rat fragen. Mögliche Risikofaktoren für eine Windeldermatitis können auch veränderte Ernährungsgewohnheiten sein. Es gilt: Falsche Diäten, scharf gewürzte Speisen oder bestimmte Darmkrankheiten können eine Windeldermatitis begünstigen oder sogar verursachen.

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Bei Hautentzündungen direkt zum Kinder- oder Hausarzt

Wer bei seinem Kind oder bei windeltragenden Angehörigen eine Hautentzündung im Windelbereich feststellt, der sollte direkt den Kinder- oder Hautarzt aufsuchen. Er kann praktische Tipps zur wirksamen Windeldermatitis-Behandlung geben und begünstigende oder auslösende Grunderkrankungen behandeln. Zudem kann sie der Arzt zu geeigneten Pasten und Wundschutzcremes beraten.

Für die Windeldermatitis-Therapie eignen sich besonders weiche, zinkhaltige Pasten auf Wasserbasis. Nässen die Ausschläge sehr stark, so können Eltern oder Betroffene vorher austrocknende und desinfizierende Softpasten aufgetragen. Ist die Haut schwer geschädigt, können auch Kortison-Salben helfen. Sie sollten ausschließlich nach Verordnung und gemäß Vorgabe durch den Arzt und nur für kurze Zeit angewendet werden.

Windeldermatitis-Therapie bei Infektionen

Hat sich die Windeldermatitis mit Hefepilzen oder Bakterien infiziert, so wird der Arzt je nach Übeltäter Medikamente verordnen, die gegen den jeweiligen Krankheitserreger wirken. Bei Pilzinfektionen kommen sogenannte Antimykotika (z.B. Miconazol, Nystatin) in Form von Cremes oder Salben zum Einsatz, die mehrmals am Tag dünn auf die infizierten Hautareale aufgetragen werden. Hat sich der Pilz auch in anderen Körperbereichen ausgebreitet, zum Beispiel im Mundraum oder im Darm, so müssen Betroffene unter Umständen entsprechende Tabletten nehmen. Sind Bakterien die Verursacher der Infektion, so wird der Arzt ein passendes Antibiotikum verordnen.

Auch Hebammen können mitunter hilfreiche Ratschläge für die Behandlung einer Windeldermatitis geben. So schwören viele Hebammen auf Heilwolle, die gegen wunde Pos bei Kleinkindern und Babys hilfreich sein soll. Bei Heilwolle handelt es sich um reine Schafswolle, die in die Windel eingelegt wird. Das darin vorkommende natürliche Wollwachs soll Entzündungen hemmen, Urin aufnehmen und die Windel besser belüften.

Als Faustregel für die richtige Windeldermatitis-Therapie hilft die Orientierung an der ABCDE-Regel, die von US-amerikanischen Experten aufgestellt wurde:

  • A = air (Luft): möglichst viel windelfreie Zeit
  • B = barrier (Barriere): die natürliche Hautbarriere schützen und stärken, gegebenenfalls durch geeignete Pasten, die der Arzt empfehlen kann
  • C = clean (sauber): gründliche, aber vorsichtige Reinigung der Haut im Windelbereich
  • D = diapers (Windeln): Die richtige Windel ist entscheidend für die erfolgreiche Windeldermatitis-Behandlung.
  • E = education (Bildung): Ärzte oder Hebammen können und sollen zur Windeldermatitis-Therapie aufklären und praktische Tipps geben.
 

Kann man einer Windeldermatitis vorbeugen?

Einer Windeldermatitis lässt sich vorbeugen, indem man Wärme- und Feuchtigkeitsstaus in der Windel vermeidet. Zudem gilt es, den Po nach Möglichkeit nur mit Wasser zu säubern und vorsichtig abzutrocknen. Hilfreich ist außerdem viel windelfreie Zeit. Nach Rücksprache mit dem Arzt können auch spezielle Wundschutzpasten eingesetzt werden.

Einer Windeldermatitis lässt sich durch verschiedene, einfach Maßnahmen wirksam vorbeugen:

  • Wärme- und Feuchtigkeitsstau in der Windel durch regelmäßige Windelwechsel vorbeugen
  • Reinigung nach Möglichkeit nur mit klarem, warmem Wasser
  • Vorsichtiges Trocknen des Windelbereichs durch Abtupfen oder Trockenföhnen (auf niedrig-warmer Stufe)
  • So viel windelfreie Zeit wie möglich: Babys sollten möglichst viel windelfrei strampeln oder herumkrabbeln
  • Wundschutzcremes oder -pasten verwenden, möglichst nach Rücksprache mit dem Arzt

Zudem empfiehlt es sich, das Baby oder sich selbst möglichst zuckerarm zu ernähren. Denn das senkt den pH-Wert im Urin. Auch langes Stillen scheint einer Windeldermatitis vorzubeugen, empfehlenswert ist eine Stilldauer von etwa sechs Monaten. Wer das eigene Baby nicht stillt, sondern mit der Flasche ernährt, der sollte hypoallergene Säuglingsnahrung – sogenannte HA-Nahrung – verwenden.

Quellen:

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