Was ist eine Wasservergiftung und wie entsteht sie?

Michelle Kröger

Von einer Wasservergiftung (auch: Hyperhydratation oder Hyperhydration) ist die Rede, wenn der Körper mit zu viel Wasser versorgt wird. Aber was genau passiert dann im Körper?

Person schenkt Wasser ein
Wasser ist gesund. Aber ein zu hoher Wasserkonsum kann auch schädlich sein Foto:  istock/shotshare
Inhalt
  1. Symptome: Wie äußert sich eine Wasservergiftung?
  2. Wie viel Wasser ist in Ordnung, wie viel zu viel?
  3. Wasserbedarf auf einmal auffüllen – eine gute Idee?
  4. Welche Getränke sind geeignet?
  5. Behandlungsmöglichkeiten der Hyperhydration

In unseren Körperzellen und Zellzwischenräumen befinden sich nicht nur Salze und Mineralstoffe, sondern auch Wasser. Unser Körper benötigt diese Nährstoffe, um seine Funktion zu erhalten. In diesem Zusammenhang spricht man bei diesen Nährstoffen auch von Elektrolyten. Besonders wichtig: Natrium und Kalium. Doch wird in wenigen Stunden zu viel Wasser aufgenommen, so strömt es in das Gewebe ein, wird der Salzhaushalt im Körper durcheinander gebracht. Außerdem passiert Folgendes:

  • Durch das viele Wasser wird dem Körper Salz und Wasser entzogen.
  • Die Symptome ähneln denen einer Dehydrierung.
  • Der Körper startet sein Notprogramm, läuft auf Sparflamme, um den Salzverlust auszugleichen. Er hemmt zudem den Harndrang, um nicht noch mehr Salze aus dem Körper spülen zu lassen.
  • Es kann Wasser in die Lunge gelangen und das Gehirn wird unter Druck gesetzt.
  • Eine Wasservergiftung beeinträchtigt die Funktionen von Herz, Nieren, Hirn und Lunge.

Neben dem Trinken von zu viel Wasser kann eine Hyperhydratation jedoch auch bei Vorliegen einer Krankheit entstehen, die die Fähigkeit des Körpers zur Wasserausscheidung vermindert oder etwa die Einhaltungstendenz des Körpers von Wasser erhöht. 

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Symptome: Wie äußert sich eine Wasservergiftung?

Mit einer Wasservergiftung ist nicht zu spaßen. Deshalb sollte man auf eine täglich angemessene Wasserzufuhr achten. Eine Wasservergiftung kann sich unter anderem durch die folgenden Symptome äußern. Bei diesen Beschwerden sollten Betroffene einen Arzt konsultieren oder ins Krankenhaus fahren:

  • Hirndruck
  • Kopfschmerzen
  • Unwohlsein
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Krämpfe

Außerdem kann es sein, dass Sie trotz des vielen Trinkens nur wenig urinieren müssen. Warum? Durch das Unterdrücken versucht der Körper, den Salzgehalt im Körper aufrechtzuerhalten. Je nach Schweregrad können die Symptome unterschiedlich ausfallen. In besonders schweren Fällen kann eine Wasservergiftung den Betroffenen sogar bis ins Koma führen oder lebensbedrohlich werden.

 

Wie viel Wasser ist in Ordnung, wie viel zu viel?

Ausreichendes Trinken ist lebensnotwendig, denn unser Körper besteht ungefähr zur Hälfte aus Wasser. Um also körperlich und geistig gesund und fit zu bleiben, ist es wichtig, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Doch wie viel ist zu viel? Gibt es eine allgemeingültige Mindestmenge?

Wasser erfüllt einige wichtige Funktionen im Körper eines Menschen: Es ist nicht nur Bestandteil von Zellen und Körperflüssigkeiten, sondern sorgt auch für die Regulation von Körpertemperatur und den Transport der Nährstoffe. Abbauprodukte gelangen aus der Niere und mithilfe von Wasser (Urin) aus dem Körper hinaus. Auch durchs Atmen und Schwitzen verlieren wir Flüssigkeit. Dieser Wasserverlust sollte regelmäßig und in angemessenem Umfang ausgeglichen werden. 

Ein Glas wird mit Wasser gefüllt
Übersicht Wie viel Wasser muss ich trinken?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen, jeden Tag rund 1,5 Liter Wasser zu trinken. So hält man den Wasserhaushalt im Gleichgewicht. Ein Richtwert, der für jeden Menschen gilt, ist das aber nicht. Männer brauchen zum Beispiel mehr Flüssigkeit als Frauen, denn sie schwitzen mehr. Zudem sollten Schwangere und stillende Frauen mehr trinken – und auch die Ernährungsgewohnheiten spielen eine Rolle. Laut DGE soll man regelmäßig trinken, am besten zu jeder Mahlzeit und auch zwischendurch. Das schützt den Körper vor einem Wassermangel. Weniger als 1,0 Liter Wasser pro Tag sollte man nicht trinken, diese Menge reicht absolut nicht aus, um den Körper ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen.

Hier finden Sie eine Übersicht zu den empfohlenen Trinkmengen der DGE: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/wasser/

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Wasserbedarf auf einmal auffüllen – eine gute Idee?

Es gibt natürlich Situationen und Umstände, in denen man mehr als diesen Mindestbedarf an Wasser trinken und bis zu drei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen sollte. Zum Beispiel beim Sport, denn dabei schwitzt unser Körper ein bis zwei Liter Flüssigkeit aus, weshalb das Trinken während der Trainingseinheit mehr als wichtig ist. Auch bei extremer Hitze im Sommer oder einer Grippe schwitzen wir mehr als sonst. Ebenso bei Magen-Darm-Beschwerden mit Durchfall und/oder Erbrechen haben wir einen erhöhten Wasserbedarf.

Doch wer jetzt denkt, dass man zum Beispiel vor einem Marathonlauf auf Vorrat trinken kann, der irrt gewaltig. Manche wollen Zeit sparen, manche bei Hitze ihre Körpertemperatur herabsetzen, doch Menschen können kein Wasser speichern. Wer vor dem Lauf zu viel trinkt, der bringt seinen Elektrolythaushalt durcheinander. Um bei dem Marathon-Beispiel zu bleiben: Ein Läufer verliert – je nachdem, wie lange die Strecke und wie stark die Schweißbildung – stündlich 0,5 bis 1,5 Liter Wasser und bis zu 3,0 Gramm Salz. Doch Sportler müssen auch zwischendurch trinken, nicht nur vorher.

 

Welche Getränke sind geeignet?

Es muss nicht immer bloß Wasser sein. Doch alle Getränke sind nicht geeignet, um eine ausreichende Trinkmenge sicherzustellen. Ideal sind Wasser oder ungesüßte Früchte- und Kräutertees. Sie sind energiefrei und stillen den Durst. Weniger gut sind Getränke mit Süßungsmitteln, anregenden Substanzen und einem mäßigen Energiegehalt (< 7 % Kohlenhydrate), beispielsweise Kaffee, Saftschorlen oder Light-Getränke. Gar nicht zu empfehlen sind energiehaltige Getränke (> 7 % Kohlenhydrate). Darunter fallen etwa zuckergesüßte Getränke wie Limonaden, Energy-Drinks oder Nektare. Sie liefern relativ viel Energie und sind als Durstlöscher ungeeignet.

Übrigens: Schon das simple Durstgefühl ist ein Ausdruck einer negativen Wasserbilanz. Deswegen am besten nicht erst bei aufkommendem Durstgefühl trinken.

 

Behandlungsmöglichkeiten der Hyperhydration

Nach ärztlicher Anordnung wird zunächst und unabhängig von der Ursache der Hyperhydration die Flüssigkeitszufuhr eingeschränkt. Zu einer Besserung kommt es in der Regel innerhalb weniger Tage, sobald weniger als ein Liter Flüssigkeit pro Tag aufgenommen wird. 

Sollte die Wasservergiftung in Zusammenhang mit einem erhöhten Blutvolumen bzw. einer Herz-, Leber oder Nierenerkrankung stehen, wird meistens die Natriumzufuhr beschränkt. Es gibt außerdem auch bestimmte Medikamente, die eine Hyperhydratation begünstigen. Diese sollten nach ärztlicher Verordnung abgesetzt werden. In manchen Fällen empfehlen Ärzte die Einnahme von Diuretika, die die Wahrscheinlichkeit der Ausscheidung von Natrium und Wasser im Urin erhöhen können.

Quellen:

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