Was ist eine Knochenhautentzündung (Periostitis)?

Stephanie Pingel
Schmerzen in den Gelenken
Eine Knochenhautentzündung kann starke Schmerzen verursachen und wird vor allem durch Ruhigstellung behandelt. Der Heilungsprozess kann mehrere Monate dauern © Fotolia

Eine Knochenhautentzündung tritt in erster Linie bei Sportlern auf. Aber auch durch eine bakterielle Infektion kann die Krankheit ausgelöst werden. Praxisvita erklärt, welche Beschwerden eine Knochenhautentzündung verursacht und wie sie behandelt wird.

Bei einer Knochenhautentzündung ist die Bindegewebshülle eines Knochens entzündet und kann besonders bei Belastung oder Druck starke Schmerzen verursachen. Am häufigsten sind Sportler von der Erkrankung betroffen, da sie in der Regel durch Überbelastung entsteht. Das kann beispielsweise dann passieren, wenn das Trainingspensum plötzlich stark erhöht wird. Bei Joggern können außerdem eine Veränderung der Lauftechnik, ein Wechsel des Bodenbelags, falsches Schuhwerk oder Fußfehlstellungen für auftretende Beschwerden verantwortlich sein.

Jogging
Von einer Knochenhautentzündung sind besonders Sportler betroffen, da sie meist durch eine Überbelastung ausgelöst wird© Alamy
 

Knochenhautentzündung durch Infektion

Eine Knochenhautentzündung kann aber auch durch eine bakterielle Infektion ausgelöst werden, wenn zum Beispiel bei einer Knieoperation ein Knochen freigelegt wird und die Erreger so die Knochenhaut erreichen. Bei Krankheiten wie Tuberkulose, Typhus oder Syphilis können Viren oder Bakterien auch über die Blutbahn zur Knochenhaut gelangen.

 

Symptome einer Knochenhautentzündung

Eine Knochenhautentzündung kann grundsätzlich an jedem Knochen im menschlichen Körper auftreten. Am häufigsten betroffen ist das Schienbein. Ist die Ursache für die Knochenhautentzündung eine bakterielle Infektion, kann in seltenen Fällen auch die Hüfte betroffen sein. Die Erkrankung macht sich äußerlich in erster Linie durch eine Schwellung bemerkbar. In manchen Fällen rötet sich die Haut auch oder fühlt sich warm an. Wird die betroffene Stelle belastet oder Druck darauf ausgeübt, können starke Schmerzen auftreten. Manche Patienten haben allerdings auch bei Ruhigstellung Schmerzen. Zu diesen Symptomen kommt häufig noch ein allgemeines Unwohlsein, Müdigkeit oder Fieber.

Schmerzen in den Gelenken
Grundsätzlich kann an jedem Knochen eine Knochenhautentzündung entstehen. Am häufigsten ist allerdings das Schienbein betroffen© Fotolia

Typisch bei einer Knochenhautentzündung ist, dass die Schmerzen bei Ruhigstellung zunächst nachlassen und bei der nächsten sportlichen Belastung zurückkommen. Da Betroffene ihre Beschwerden häufig nicht richtig einschätzen können und nach kurzer Pause wieder Sport machen, ohne sich untersuchen zu lassen, wird die Krankheit oft erst spät erkannt. Das kann im schlimmsten Fall zu einer chronischen Knochenhautentzündung führen.

 

Wie wird eine Knochenhautentzündung diagnostiziert?

In der Regel wird die Diagnose der Erkrankung vom Arzt durch genaues Abtasten gestellt. Dabei überprüft der Mediziner besonders, wie die betroffene Stelle auf Druck reagiert. Bei einer Knochenhautentzündung ist außerdem die Anzahl der Leukozyten, also der weißen Blutkörperchen, erhöht. Dementsprechend kann ein Blutbild bei der Diagnose unterstützen. Ist die Erkrankung bereits chronisch, kann auch anhand einer Röntgenaufnahme die Diagnose gestellt werden. Denn eine chronische Knochenhautentzündung führt häufig zu einer Verknöcherung (Ossifikation). Das bedeutet, dass sich neues Gewebe bildet und den eigentlichen Knochen so verdickt. Eine Ossifikation lässt sich auf einem Röntgenbild gut erkennen, wodurch Rückschlüsse auf die Knochenhautentzündung gezogen werden können.

 

Behandlung einer Knochenhautentzündung

Die Art und Weise der Behandlung richtet sich in erster Linie nach der Ursache. Liegt der Erkrankung eine Überbelastung zugrunde, ist vor allem Ruhigstellung nötig. Befindet sich die Knochenhautentzündung am Fuß, kann beispielsweise ein Tapeverband beim Gehen entlasten. Es können Schmerztabletten eingenommen werden, die idealerweise auch die Entzündungsprozesse hemmen. Außerdem sollte die betroffene Stelle viel gekühlt werden. Ist eine bakterielle Infektion die Ursache der Beschwerden, wird in der Regel mit Antibiotika behandelt.

Eine vollständige Heilung kann in einigen Fällen mehrere Monate dauern. Außerdem ist es möglich, dass die Symptome plötzlich wieder auftreten, nachdem man schon länger beschwerdefrei war. Das ist häufig dann der Fall, wenn das Training zu früh wieder aufgenommen wird. Ärzte empfehlen daher, mit dem Sport nach vollständigem Abklingen der Beschwerden erst langsam wieder anzufangen. Bei Schmerzen sollte das Training sofort beendet und dem Körper noch mehr Zeit zur Erholung gegeben werden. Ideal für den Wiedereinstieg sind knochen- und gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren.

Knochenaufbau
Die Knochenhaut besteht aus zwei Schichten. In der inneren Schicht sitzen viele Nervenzellen, die durch Belastung gereizt werden können. Dadurch kann eine Entzündung entstehen© Praxisvita
 

Was ist die Knochenhaut?

Bei der Knochenhaut handelt es sich um eine dünne, aus zwei Schichten bestehende Schutzhülle, die den Knochen fast vollständig umgibt. Die innere Schicht (Stratum osteogenicum) enthält vor allem die sogenannten Osteoblasten. Diese Zellen bilden neue Knochenzellen, wenn die alten zum Beispiel durch zu starke Beanspruchung oder einen Bruch absterben. Zusätzlich ist Stratum osteogenicum für die Nährstoffversorgung des Knochens verantwortlich. In der Schicht verlaufen Blutgefäße, über die nährstoffreiches Blut in den Knochen geführt wird. Außerdem befinden sich in ihr zahlreiche sensible Nervenzellen, die durch Verletzungen oder Überbelastung leicht gereizt werden. Der Knochen selbst besitzt keine Nervenverbindungen.

Die äußere Schicht (Stratum fibrosum) ist ein zellarmes Bindegewebe und vor allem für Halte- und Stützfunktionen zuständig. Sie reicht auch durch die innere Schicht und bis in den inneren Kern des Knochens, den sogenannten Kompakta, hinein, wo sie fest verankert ist.

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