Was ist eine Histamin-Intoleranz?

Alexander Scherb

Neben der Glutenunverträglichkeit ist die Histamin-Intoleranz in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Aber was ist Histamin eigentlich? Wie sich eine Histamin-Intoleranz bildet, woran man sie erkennen kann und welche Lebensmittel Personen mit Histamin-Intoleranz meiden sollten, erfahren Sie hier.

Paar sitzt beim Essen und hat Unstimmigkeiten
Wer unter einer Histaminintoleranz leidet, darf nicht alles essen Foto:  iStock/anouchka
Inhalt
  1. Was ist Histamin?
  2. Was passiert bei einer Histamin-Intoleranz?
  3. Histamin-Intoleranz: Die Symptome
  4. Histamin-Intoleranz: Welche Lebensmittel sollte man meiden?
  5. Wie behandelt man eine Histamin-Intoleranz?
  6. Was tun bei einem Verdachtsfall?
 

Was ist Histamin?

Histamin wurde 1907 vom deutschen Forscher Adolf Windaus entdeckt und erforscht. Es handelt sich um einen Neurotransmitter, der sowohl vom eigenen Körper hergestellt als auch über die Nahrung aufgenommen wird. In unserem Metabolismus spielt Histamin eine wichtige Rolle bei Entzündungsreaktionen. Als Botenstoff sorgt er für das Anschwellen des betroffenen Bereichs. Auch im Magen-Darm-Trakt kommt Histamin als Appetitregler eine wichtige Funktion zu. Weitere Informationen zum Histamin erhalten Sie hier!

 

Was passiert bei einer Histamin-Intoleranz?

Eine Histamin-Intoleranz entsteht wahrscheinlich durch den Mangel der Histamin abbauenden Enzyme Diaminoxidase und Histamin-N-Methyltransferase. Durch den erhöhten Anteil an Histamin im Körper kommt es zu einer pseudoallergischen Reaktion. Eine Histamin-Intoleranz ist nicht angeboren und kann jederzeit auftreten. Allerdings konnte diese Theorie nicht bestätigt werden. Bis heute ist eine Histamin-Intoleranz wissenschaftlich nicht hinlänglich erklärbar.

Frische, unverarbeitete Produkte enthalten meistens wenig Histamin
Übersicht Gut leben trotz Histaminintoleranz

 

Histamin-Intoleranz: Die Symptome

Eine Histamin-Intoleranz zu erkennen, ist schwer, da die Symptome vielzählig und vielfältig sein können. Zu den bekanntesten Symptomen zählen:

  • Hautrötungen im Gesicht und Oberkörper
  • Schwellungen, Pusteln und Quaddeln
  • Übelkeit, Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden (Blähungen)
  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • Kreislaufprobleme und Herzrasen
  • eine verstopfte Nase

Gelegentlich können auch Schlafstörungen, Wassereinlagerungen und bei Frauen Menstruationsbeschwerden und Juckreiz im Intimbereich auftreten.

 

Histamin-Intoleranz: Welche Lebensmittel sollte man meiden?

Leider kommt Histamin in vielen Lebensmitteln vor. Wie bei uns ist Histamin auch in den Zellen anderer Tiere enthalten. Sogar Bakterien besitzen einen gewissen Anteil an Histamin, wodurch Menschen mit einer Histamin-Intoleranz beim Einkauf ihrer Produkte sehr vorsichtig sein müssen. Oftmals versteckt sich Histamin in Lebensmitteln, die auf den ersten Blick verträglich erscheinen. Folgende Produkte sollten Personen mit einer Histamin-Intoleranz meiden:

  • geräuchertes Fleisch wie Salami und Schinken
  • Fischprodukte, insbesondere Fischkonserven
  • Meeresfrüchte
  • gereifte Käsesorten (dabei gilt: je gereifter desto höher der Histamingehalt)
  • Sauerkraut
  • Bier
  • Essig und essighaltige Lebensmittel (beispielsweise eingelegte Gurken)
  • Rotwein (je höher der Reifegrad, desto höher der Histamingehalt)
  • Pilze und Schimmelpilze (auch Edelschimmel auf Käse)

Auch frische Nahrungsmittel können Histamin enthalten. Deswegen gilt auch Vorsicht bei:

  • Tomaten (auch Ketchup und Tomatensauce)
  • Erdbeeren
  • Avocado
  • Spinat

Im Übrigen kann erhöhter Alkoholkonsum zu einer verstärkten Histamin-Intoleranz führen. Alkohol macht die Zellmembranen durchlässig, wodurch die Histamintoleranz herabgesetzt wird. Auch Zitrusfrüchte können eine Histamin-Intoleranz hervorrufen, obwohl sie selbst kein Histamin besitzen. Dafür aktivieren sie die körpereigenen Histamin-Ressourcen. Weitere Informationen über Lebensmittel, die Sie mit Histaminintoleranz meiden sollten und welche Sie problemlos essen können, erhalten Sie hier.

 

Wie behandelt man eine Histamin-Intoleranz?

Der gebräuchlichste Weg ist sicherlich auf die oben beschriebenen Lebensmittel zu verzichten. Allerdings erfordert dies ein Höchstmaß an Disziplin. Mittlerweile gibt es aber auch zahlreiche Medikamente – Antihistaminika oder Cromoglicinsäure – welche vor dem Verzehr von histaminhaltigen Lebensmitteln eingenommen werden können und die Symptome mindern. Eine Behandlung für eine dauerhafte Lösung gegen Histamin-Intoleranz ist hingegen noch nicht gefunden.

Achtung bei Medikamenten

Menschen mit einer Histamin-Intoleranz reagieren auch auf manche Medikamente allergisch. Hier gilt es, sich mit einem Arzt über Alternativen abzusprechen. Generell sind folgende Wirkstoffe für Betroffene schädlich:

  • Mefenaminsäure (in Schmerzmitteln enthalten)
  • Diclofenac (in Entzündungshemmern enthalten)
  • Indometacin (wird gegen Rheuma eingesetzt)
  • Acetylsalicylsäure (in Schmerzmitteln enthalten)
 

Was tun bei einem Verdachtsfall?

Histamin kann für Personen mit einer Histamin-Intoleranz zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Daher kann ein Selbstversuch äußerst gefährlich sein. Generell sollte man bei Verdacht auf Histamin-Intoleranz immer einen Arzt aufsuchen. Momentane Diagnosen ordnen eine 14-tägige Diät an und vergleichen dann den Histamin-Spiegel im Blut des Patienten. Dies ist für die betroffene Person völlig ungefährlich. Verschwinden die Symptome im gleichen Maße wie der Histamin-Spiegel im Blut fällt, können passende Schlüsse gezogen werden.

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