Was ist eine akute postinfektiöse Glomerulonephritis?

Dr. med. Nadine Heß

Die akute postinfektiöse Glomerulonephritis ist eine Entzündung in der Niere, die unter anderem für Bluthochdruck und Übelkeit sorgen kann. Wie die Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird, weiß Kinderärztin Nadine Hess.

Kinderärztin Dr. Hess
Expertin Dr. Hess: „Eine akute postinfektiöse Glomerulonephritis tritt häufig nach einer Infektion auf und sollte mit Penicillin behandelt werden.“ © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Bei einer akuten postinfektiösen Glomerulonephritis sind die kleinen Filterkörperchen der Nieren entzündet. Die Krankheit tritt meist nach einer bakteriellen oder viralen Infektion wie beispielsweise Scharlach auf. Häufiger Auslöser ist eine bestimmte Bakteriengruppe, die sogenannten Beta-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A. Diese lösen Hautinfektionen wie beispielsweise Impertigo aus.

 

Erste Symptome zeigen sich eine bis vier Wochen nach der Infektion

Die akute postinfektiöse Glomerulonephritis zeigt sich in einem Zeitraum zwischen der ersten und der vierten Woche nach der Infektion mit Streptokokken in einem sogenannten akuten nephritischen Syndrom. Durch die Entzündung kommt es zu einer Beeinträchtigung der Nierenfunktion. Während der Erkrankung treten mindestens zwei der folgenden Symptome auf: Bluthochdruck, leichte Eiweißausscheidung sowie sichtbares Blut im Urin. Der Urin hat dabei meist eine eher bräunliche Farbe, außerdem wird während der Erkrankung häufig weniger davon produziert als sonst. Oft leiden die Kinder zudem noch an Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Kopfweh, allgemeiner Abgeschlagenheit und manchmal auch an geschwollenen Augenlidern, Jungen hin und wieder an einem geschwollenen Hoden. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer akuten Anurie – das bedeutet, es kann kein Urin mehr produziert werden.

Darstellung der menschlichen Nieren
Durch Urin- und Blutuntersuchungen kann festgestellt werden, ob die Nieren infolge einer Infektion entzündet sind© Fotolia

Diagnostiziert wird die postinfektiöse Glomerulonephritis durch Urin- und Blutuntersuchungen sowie Abstriche aus dem Rachen, um eventuell noch vorhandene Streptokokken nachzuweisen. Die Behandlung erfolgt über die Einnahme von Penicillin über zehn Tage. Besteht ein sehr hoher Blutdruck, muss dieser anfänglich medikamentös behandelt werden.

 

Akute postinfektiöse Glomerulonephritis: Wie lange dauert die Krankheit?

Bis zu 95 Prozent aller Kinder werden nach der antibiotischen Therapie wieder völlig gesund. Allerdings kann es mehrere Wochen oder gar Monate dauern, bis die Eiweißausscheidung im Urin und die Nierenleistung wieder vollständig  normalisiert sind.

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