Was ist ein Nachtschreck?

Michelle Kröger

Bei den Eltern macht sich schnell Beunruhigung breit, wenn ihr Kind mitten in der Nacht schweißnass gebadet wimmert, schreit, um sich schlägt und dabei nicht ansprechbar ist. Es erlebt gerade den sogenannten Nachtschreck. Was Sie über diese Schlafstörung wissen sollten und was Sie dagegen tun können.

Junge mit Nachtschreck sitzt in seinem Bett und weint
Der Nachtschreck tritt meistens in der ersten Nachthälfte auf und wirkt sowohl auf das betroffene Kind als auch auf die Eltern sehr verstörend Foto:  iStock/LeManna
Inhalt
  1. Was ist ein Nachtschreck?
  2. Wie äußert sich der Nachtterror?
  3. In welchem Alter äußert sich der Nachtschreck?
  4. Was sind die Ursachen dieser Schlafstörung?
  5. Nachtschreck oder Alptraum? Der Unterschied
  6. Was tun bei Nachtschreck?
  7. Wann sollte ich zum Arzt?
 

Was ist ein Nachtschreck?

Der Nachtschreck (med. Pavor nocturnus), auch als Nachtterror bezeichnet, ist eine Schlafstörung, die zu den sogenannten Parasomnien gehört. Dabei handelt es sich um Auffälligkeiten während des Schlafs, die den Schlaf sowie die Erholsamkeit jedoch nicht beeinträchtigen. Auch das Schlafwandeln oder Sprechen im Schlaf gehören zu den Parasomnien. Der Nachtschreck tritt meistens in der ersten Nachthälfte auf – oft sogar schon eine Stunde nach dem Einschlafen. Häufig handelt es sich um ein einmaliges nächtliches Aufschrecken, der Nachtschreck kommt generell eher nicht mehrmals in der Nacht vor.

 

Wie äußert sich der Nachtterror?

Zu Beginn des Nachtterrors tritt oftmals angstvolles Weinen oder Schreien auf. Das Kind schreckt verschwitzt und mit schnell schlagendem Herz plötzlich aus dem Tiefschlaf auf und schlägt manchmal sogar um sich. In den meisten Fällen ist das Kind nicht ansprechbar, obwohl es die Augen weit geöffnet hat. Bleiben Sie ruhig! Meistens ist der Nachtterror nach fünf bis 15 Minuten beendet und das Kind kann entspannt weiterschlafen.

Eigentlich ist der Nachtschreck vielmehr ein Schreck für die Eltern, die noch nie mit einer solchen Schlafstörung zu tun hatten. Sie machen sich Sorgen und geraten in Panik, weil ihr Kind sie nicht erkennt und laut schreit. Die Kleinen können sich hinterher hingegen nicht an das Geschehen erinnern. In einzelnen Fällen bleiben einzelne Traumbilder im Gedächtnis.

 

In welchem Alter äußert sich der Nachtschreck?

Häufig äußert sich der Nachtschreck bei Kleinkindern zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr. In vielen Fällen haben Kinder damit zu kämpfen, die bald eingeschult werden oder gerade frisch eingeschult wurden. Eher seltener kommt der Nachtterror auch bei Babys oder Erwachsenen vor.

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Was sind die Ursachen dieser Schlafstörung?

Es ist beunruhigend, wenn das eigene Kind nachts mit einer Schlafstörung wie dem Nachtschreck zu tun hat. Die meisten Eltern machen sich große Sorgen und vermuten schwerwiegende, psychische Ursachen. Die gute Nachricht: Meistens ist der Nachtschreck völlig harmlos. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig medizinisch geklärt. Doch wahrscheinlich handelt es sich um eine Störung des Wechsels vom Tiefschlaf in den Traumschlaf, bei der das Nervensystem überreizt ist. Warum Kinder häufig einen Nachtschreck erleben? Weil ihr Gehirn den Übergang von Tiefschlaf in den Traumschlaf noch nicht gelernt hat. Sprich: Ihr zentrales Nervensystem ist noch nicht vollständig ausgereift. Doch keine Bange, wächst das Kind weiter heran, kommt der Nachtschreck weniger bzw. gar nicht mehr vor.

Es gibt jedoch einige Faktoren, die den Nachtterror verstärken können. Dazu gehören:

  • Zu wenig Schlaf
  • Körperlicher oder seelischer Stress
  • Fieber
  • Spezielle Medikamente
  • Besondere Ereignisse (z.B. Einschulung, Taufe)
  • Familiäre Veranlagung
 

Nachtschreck oder Alptraum? Der Unterschied

Die Vermutung liegt meistens nahe, dass es sich um einen normalen Alptraum handelt. Doch bei einem Alptraum weiß der Betroffene, warum er sich erschreckt hat und kann sich meist auch an den Traum erinnern. Alpträume finden häufig in der Rapid-Eye-Movement-Phase statt, zwischen zwei und sechs Uhr in der Früh. Ein Nachtschreck tritt generell eher in den ersten Stunden nach dem Einschlafen auf. Ein weiterer Unterschied: Handelt es sich um einen Nachtschreck, sind es meist die Eltern, die am nächsten Morgen verstört und aufgewühlt sind – nicht die Kinder. Sie können sich schließlich an nichts erinnern, ganz anders als bei einem Alptraum.

 

Was tun bei Nachtschreck?

Auch wenn Sie sich Sorgen um Ihr Kind machen: Es ist nicht hilfreich, das Kind nachts aufzuwecken. Hinterher ist es nur verwirrt und kann schlechter wieder einschlafen. Erzählen Sie Ihrem Kind auch besser nichts von den nächtlichen Vorkommnissen, sonst kann es aus Angst nicht mehr einschlafen. Hilfreicher ist es, gute Einschlafbedingungen zu schaffen. Ihr Kind sollte gern ins Bett gehen und entspannt sein. Sorgen Sie auch dafür, dass die Schlafumgebung sicher ist. So kann sich Ihr Kind während des Nachtschrecks nicht verletzen. Achten Sie auch auf eine gesunde Schlafhygiene. Dazu gehören regelmäßige Schlafenszeiten und gewisse Einschlafrituale wie z.B. das Vorlesen aus einem Buch. Versuchen Sie auch, mögliche Stressfaktoren zu reduzieren und helfen Sie Ihrem Kind, sich zu entspannen.

Sobald Sie merken, dass Ihr Kind mitten im Nachtterror steckt, können Sie ihm ruhig und sanft zureden und es, wenn nötig, wieder ruhig zurück ins Bett legen. Eingreifen ist in den meisten Fällen nicht notwendig, Ihr Kind beruhigt sich meist von selbst wieder.

 

Wann sollte ich zum Arzt?

In den meisten Fällen müssen Sie sich als Eltern keine Sorgen machen, wenn der Nachtschreck bei Ihrem Kind auftritt. Allerdings sollten Sie dennoch einen Arzt um Rat fragen, sobald diese Schlafstörung bei Ihrem Kind sehr häufig auftritt oder noch ab dem siebten Lebensjahr. Selten werden psychotherapeutische Maßnahmen ergriffen, um den Stress zu minimieren.

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