Was ist eigentlich eine Aktivierungstherapie?

Aktivierungstherapie hilft gegen Depressionen
US-amerikanische Forscher fanden heraus, dass die Aktivierungstherapie das Depressionsrisiko bei vielen Patienten halbieren kann © Fotolia

Immer häufiger liest man im Zusammenhang mit der Behandlung von Demenz über die sogenannte Aktivierungstherapie. Doch was ist das eigentlich? Wo wird sie angewendet und wie hoch sind die Erfolgschancen?

 

Was ist die Aktivierungstherapie?

Mit der sogenannten Aktivierungstherapie (Behavior Activation) werden Menschen, die aufgrund von Erkrankungen – wie Demenz, Sehbehinderungen oder Querschnittslähmung stark eingeschränkt sind, in eine größere Selbstständigkeit geführt. In Einzel- und Gruppentherapiestunden werden Gespräche geführt, es wird gekocht, gebastelt, eingekauft oder im Garten gearbeitet. Das Ziel der Therapie ist die Steigerung der geistigen Fähigkeiten von Demenzkranken und eine erhöhte Lebensqualität der Patienten.

Aktivierungstherapie hilft gegen Depressionen
Aktivierungstherapeutische Maßnahmen – wie Spiele oder Gruppengespräche – stabilisieren und verbessern die geistigen Fähigkeiten von Demenzkranken genauso effektiv wie speziell entwickelte Medikamente – ohne Nebenwirkungen© Fotolia
 

Wobei wird die Aktivierungstherapie angewendet?

In Deutschland wird die Aktivierungstherapie vor allem zur Behandlung von Demenz eingesetzt. Das hinter der Therapie stehende Konzept richtet sich aber an alle Menschen, deren Teilhabe am alltäglichen Leben durch ihre Erkrankung eingeschränkt ist. US-amerikanische Forscher des Centers of Disease Control and Prevention (CDC) in Georgia haben in einer kürzlich veröffentlichten Studie herausgefunden, dass die Aktivierungstherapie auch das Risiko von Depressionen verringert. Bei ihrer Studie konzentrierten sie sich auf Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration. Patienten mit dieser Erkrankung verlieren langsam ihr Sehvermögen und haben deshalb ein erheblich erhöhtes Risiko an Depressionen zu erkranken.

 

Wie gut sind die Erfolgsaussichten?

In ihrer Studie zeigen die Wissenschaftler, dass eine Aktivierungstherapie über zwölf Wochen bei Patienten mit Makuladegeneration das Depressionsrisiko um mehr als 50 Prozent senkt. Nach Darstellung des Studienautors Professor Robin Casten trägt bereits das Bewusstmachen des Verlusts von Lebensqualität durch mangelnde Aktivität dazu bei, das Depressionsrisiko zu senken.

Wo gibt es die Aktivierungstherapie?

Aktivierungstherapien werden in Deutschland in vielen Kliniken, geriatrischen Einrichtungen, Seniorenheimen und speziellen Vereinen für Aktivierungstherapien angeboten. Anerkannte Zentren für Aktivierungstherapien sind:

Universität Erlangen-Nürnberg

Diakonie Neuendettelsau

Spitäler Schaffhausen

SozialStiftung Bamberg

Weitere Infos finden Sie hier: www.maks-aktiv.de

 

Kann die Aktivierungstherapie Medikamente ersetzen?

Forscher der Universität Erlangen belegten, dass die Aktivierungstherapie bei der Erhaltung und Steigerung der geistigen Fähigkeiten von Demenzpatienten eine ebenso effektive Wirkung zeigt wie speziell entwickelte Arzneimittel. Bezogen auf die „alltagspraktischen Fähigkeiten“ von an Demenz erkrankten Menschen schnitt die Aktivierungstherapie sogar deutlich besser ab. Dadurch kann nach Aussagen der Forscher nicht nur die Abhängigkeit von teuren Medikamenten vermieden werden, die Therapieerfolge sind auch langanhaltender und ohne Nebenwirkungen.

Hamburg, 11. Juli 2014

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