Was ist der Unterschied zwischen Viren und Bakterien?

Verena Elson Medizinredakteurin

Die Unterschiede zwischen Viren und Bakterien sind zahlreich – doch für uns ist vor allem einer entscheidend.

Viren
Viren sind deutlich kleiner als Bakterien Foto:  iStock/urfinguss
Inhalt
  1. Viren und Bakterien: Unterschied in der Größe
  2. Viren und Bakterien unterscheiden sich im Aufbau
  3. Viren und Bakterien vermehren sich unterschiedlich
  4. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien
  5. Impfungen gegen Viren und Bakterien
 

Viren und Bakterien: Unterschied in der Größe

Ein Unterschied zwischen Viren und Bakterien liegt in der Größe: Bakterien sind deutlich größer als Viren. Während Viren so winzig sind, dass man sie nur unter einem sogenannten Elektronenmikroskop sehen kann, sind Bakterien bis zu 100-mal größer und lassen sich unter einem normalen Lichtmikroskop erkennen.

 

Viren und Bakterien unterscheiden sich im Aufbau

Mediziner können Viren und Bakterien an ihrem unterschiedlichen Aufbau erkennen: Während Viren recht „simpel“ aufgebaut sind und lediglich aus Erbgut in einer Eiweißhülle bestehen, haben Bakterien einen deutlich komplexeren Aufbau. Sie haben eine Zellwand und im Inneren der Zelle neben ihrem Erbgut das sogenannte Zytoplasma – die Grundsubstanz der Zelle, in der z.B. Nährstoffe transportiert werden. Das heißt: Anders als Viren haben Bakterien einen Stoffwechsel – darum zählen sie auch zu den Lebewesen, was Viren nicht tun.

 

Viren und Bakterien vermehren sich unterschiedlich

Der Unterschied zwischen Viren und Bakterien zeigt sich auch in der Vermehrung der Zellen: Während Bakterien sich wie menschliche Zellen selbstständig teilen und so vermehren können, fehlt den Viren diese Fähigkeit, weil sie keinen Stoffwechsel haben. Viren benötigen darum zur Vermehrung eine „Wirtszelle“ in die sie ihr eigenes Erbgut „einbauen“. Die Wirtszelle reproduziert daraufhin das Erbgut der Viren und sorgt so für deren Vermehrung.

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Antibiotika wirken nur gegen Bakterien

Der wichtigste Unterschied zwischen Viren und Bakterien liegt in der Behandlung: Gegen Bakterien helfen Antibiotika – diese wirken gegen Viren nicht. Antibiotika zerstören die Zellwand der Bakterien oder hindern diese an der Vermehrung. Sie werden darum gegen bakterielle Erkrankungen wie Scharlach, Borreliose oder Syphilis eingesetzt. Da Viren keine Zellwand haben und auch keinen Stoffwechsel, den das Antibiotikum „stören“ könnte, können die Arzneimittel nichts gegen virale Erkrankungen wie Erkältungen ausrichten.

Bei solchen Infekten werden in der Regel nur die Symptome behandelt, das Virus selbst wird nicht bekämpft. Allerdings gibt es auch Medikamente, die die Vermehrung von Viren hemmen – sogenannte Virostatika. Diese haben im Vergleich mit Antibiotika aber einige Nachteile: Zum einen gibt es deutlich weniger Virostatika als Antibiotika und diese wirken jeweils nur gegen wenige Viren.

Zum anderen haben Virostatika in der Regel mehr Nebenwirkungen: Da die Viren menschliche Zellen als Wirtszellen verwenden, werden diese Zellen bei der Bekämpfung der Viren auch in Mitleidenschaft gezogen. Eine Ausnahme sind Virostatika, die auf der Haut angewendet werden, beispielsweise gegen Herpesviren – diese verursachen nahezu keine Nebenwirkungen.

Andere Einsatzbereiche von Virostatika sind Influenza (Virostatika können, rechtzeitig eingenommen, die Grippe verkürzen), virale Leberentzündungen und HIV.

 

Impfungen gegen Viren und Bakterien

Bei der Vorbeugung gibt es allerdings Gemeinsamkeiten zwischen beiden Erregern: Es gibt Impfungen sowohl gegen Viren als auch gegen Bakterien. Beispiele für Viren, gegen die es einen Impfschutz gibt, sind Masern, Röteln und Grippe. Allerdings verändern sich viele Viren, wie Grippeviren, immer wieder, weshalb die Herstellung eines Impfstoffs schwierig ist. Zu den bakteriellen Infektionen, gegen die es eine Impfung gibt, zählen etwa Tetanus, Keuchhusten und Diphtherie.

Bei der Wirkung der Impfungen gibt es keinen Unterschied zwischen Viren und Bakterien – das Immunsystem wird mit dem Erreger „bekanntgemacht“, damit es ihn im Ernstfall sofort erkennt und vernichtet. 

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