Was ist in der Stillzeit erlaubt, was nicht?

Eine Mutter stillt ihr Baby
Einige Stoffe werden beim Stillen über die Muttermilch auf das Baby übertragen, andere nicht – stillende Mütter sollten darum gut über mögliche Risiken informiert sein © Fotolia

Alkohol, Medikamente, Erkältungsviren: Was geht in die Muttermilch über, was nicht? Erfahren Sie hier, wann das Stillen gefahrenlos möglich ist und wann Mütter lieber eine Stillpause einlegen sollten.

 

Darf ich in der Stillzeit Alkohol trinken?

Alkohol geht ins Blut über und gelangt von dort aus auch in die Muttermilch. Wenn das Baby jetzt trinkt, wird es ein wenig betrunken: Sein Saug- und Schluckreflex verlangsamen sich, es kann nicht mehr so gut trinken wie in „nüchternem Zustand“. Dazu kommt, dass die Leber des Babys den Alkohol noch nicht gut abbauen kann – dadurch steigt die Gefahr, dass seine Nervenzellen und Organe beschädigt werden. In einigen Fällen haben schon geringe Mengen Alkohol zu lebenslangen schwerwiegenden Schädigungen geführt. Ein dritter Grund spricht gegen den Alkoholkonsum in der Stillzeit: Eine US-Studie zeigte, dass Mütter, die Alkohol getrunken haben, weniger Milch produzieren als nüchterne Mütter.

 

Darf ich in der Stillzeit Kaffee trinken?

In Maßen getrunken (ein bis zwei Tassen pro Tag), ist Kaffee in der Stillzeit unbedenklich. Allerdings sollten Sie wissen: Das Koffein gelangt in kleinen Mengen zeitverzögert auch in die Muttermilch und entfaltet nach einigen Stunden seine wachmachende Wirkung bei dem Baby. Wenn Sie vermeiden möchten, dass ihr Kind abends fit ist und nicht schlafen will, sollten Mütter ihren Kaffeekonsum darum auf den Vormittag beschränken.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: "Viele Medikamente können in die Muttermilch übergehen, aber nicht alle sind problematisch und nur selten muss wirklich das Stillen unterbrochen oder ganz abgesetzt werden"© Privat
 

Darf ich mir Tätowierungen stechen lassen?

Der Fall einer jungen Australierin sorgte weltweit für Aufsehen: Ein Gericht verbot ihr, ihren kleinen Sohn zu stillen, unter anderem weil sie sich in der Stillzeit zwei Tätowierungen stechen lassen hatte. Die Begründung: Eine beim Tätowieren zugezogene Infektion, beispielsweise mit HIV oder Hepatitis, könnte an das Kind weiteregegeben werden. Die 20-Jährige legte Berufung ein und ein Familiengericht erlaubte ihr schließlich das Stillen.

Tatsächlich lehnen Tattoo-Studios in der Regel das Tätowieren stillender Mütter ab, um jedes Risiko für das Kind auszuschließen. Doch hat sich die Mutter wie im Fall der jungen Australierin trotz Stillzeit tätowieren lassen (die Frau hatte den Tätowierer nicht darüber informiert, dass sie stillt), muss das Risiko einer Infektion gegen die Vorteile abgewogen werden, die das Kind durch das Stillen hat. In diesem Fall sollte im Interesse des Kindes für das Stillen entschieden werden, kritisierten Experten den richterlichen Beschluss. Dieser Ansicht ist auch Kinderärztin Dr. Nadine Hess: „HIV und Hepatitis B können über die Muttermilch übertragen werden, darum ‚dürfen’ Mütter mit HIV nicht stillen, Mütter mit Hepatitis B nur, wenn die Kinder direkt nach der Geburt geimpft werden. Einer Mutter wegen eines Tattoos das Stillen zu verbieten, finde ich aber mehr als fragwürdig. Heute sind die Hygienevorschriften in diesen Studios sehr hoch, die Ansteckungsgefahr ist sicherlich nicht null, aber trotzdem sehr niedrig.“

 

Darf ich in der Stillzeit Medikamente nehmen?

„Viele Medikamente können in die Muttermilch übergehen, aber nicht alle sind problematisch und nur selten muss wirklich das Stillen unterbrochen oder ganz abgesetzt werden“, erklärt Dr. Nadine Hess. Im Beipackzettel zu dem Medikament finden Mütter Informationen darüber, ob das Mittel während der Stillzeit eingenommen werden darf. Zusätzliche Sicherheit bietet die Seite www.embryotox.de, wo viele Medikamente gelistet sind, die auf die Verträglichkeit in Schwangerschaft und Stillzeit getestet wurden. Oft ist nämlich ein Medikament im Beipackzettel als „nicht erlaubt“ gekennzeichnet, eigentlich geht es aber doch. Die Pharmakonzerne haben nur immer Angst vor Regressen und gehen lieber auf Nummer sicher (und schreiben darum im Beipackzettel: nicht getestet und darum nicht erlaubt). Dr. Nadine Hess: „Ist ein Medikament notwendig, was sich nicht mit dem Stillen verträgt und es gibt auch keine Alternative, muss die Milch abgepumpt und verworfen werden. Es sollte dann auf vor der Zeit der Medikamenteneinnahme eingefrorene Muttermilch (wenn vorhanden) oder Formulanahrung ausgewichen werden. Ist das Medikament abgesetzt und aus dem Körper eliminiert (die Halbwertszeit ist je nach Medikament unterschiedlich), kann wieder mit dem Stillen begonnen werden.“

 

Darf ich mir in der Stillzeit die Haare färben?

In Haarfärbemitteln enthaltene chemische Substanzen können über die Kopfhaut ins Blut der Mutter und dann in die Muttermilch gelangen. Da keine gesicherten Ergebnisse dazu vorliegen, welche Auswirkungen sie auf die Gesundheit des Babys haben können, raten Experten davon ab, während der Schwangerschaft oder Stillzeit Haarfärbemittel zu verwenden. Naturfärbemittel sind dagegen unbedenklich.

 

Darf ich mit Erkältung stillen?

„Leidet eine Mutter an einer Erkältung, muss und soll nicht abgestillt werden“, erläutert Dr. Nadine Hess. „Die Ansteckung erfolgt nicht über die Muttermilch, sondern über eine Tröpfcheninfektion – wichtig ist also gutes Händewaschen.“

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