Was ist das Takotsubo-Syndrom?

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung
  7. 7. Das sagt der Experte

Atemnot, Enge in der Brust, Herzrasen - werden Patienten mit diesen Symptomen in die Klinik eingeliefert, steht die Diagnose eigentlich fest: Herzinfarkt. Das hinter diesen Symptomen auch ein sogenanntes Takotsubo-Syndrom stecken kann, erklärt unser Experte Dr. Christof Burgdorf.

Anfang der 90er-Jahre standen japanische Mediziner vor einem Rätsel. Sie entdeckten bei einer Patientin, dass trotz der eindeutigen Symptome eines Herzinfarkts – Herzrasen, Enge in der Brust, die Herzkranzgefäße nicht verengt waren – das ist aber Bedingung für die Diagnose Herzinfarkt. Stattdessen war der Herzmuskel seltsam ballonartig verformt und der Ausgang so stark verengt, dass nicht mehr genug Blut in den Körper gepumpt werden konnte.



 

Takotsubo-Syndrom - negativer Stress als Auslöser

Die Mediziner erinnerte das an eine traditionelle Tintenfisch-Falle – ein bauchiges Gefäß aus Ton – genannt Takotsubo. Kurzerhand gaben sie dem Phänomen diesen Namen. In nachfolgenden Gesprächen mit der Patientin stellte sich heraus, dass sie unmittelbar zuvor etwas Schlimmes erlebt hatte. „Heute weiß man, dass tatsächlich negativer Stress die Ursache für solche Takotsubo-Infarkte ist“, erklärt Herz-Experte Dr. Christof Burgdorf. Daher auch der Name Stress-Infarkt oder „Broken Heart Syndrom“.



Dr. Christof Burgdorf
Dr. Christof Burgdorf, Oberarzt der Klinik für Herz- und Kreislauf-Erkrankungen am deutschen Herzzentrum München© Privat

Herr Dr. Burgdorf, was unterscheidet einen klassischen Herzinfarkt von einem Takotsubo-Syndrom?



Die Symptome sind identisch. Die Diagnose können wir nur durch eine Herz-Katheter-Untersuchung stellen. Bei einem „klassischen“ Infarkt ist eine der drei Herzkranz-Arterien verengt beziehungsweise verschlossen. Bei einem Takotsubo-Syndrom hingegen nicht.



Und was löst dann die Infarkt-Beschwerden aus?



Das Herz schlägt ganz schwach und der Herzmuskel hat eine eigentümliche Form. Die Herzspitze ist ausgebeult wie ein Ballon.



Wie entsteht die Verformung?



Die Ursache sind Stresshormone, die bei psychischem oder physischem Stress freigesetzt werden. Oft handelt es sich dabei um negativ empfundenen Stress, beispielsweise ein dramatischer Einschnitt im Leben wie ein Todesfall in der Familie, ein Raubüberfall oder die Trennung vom Partner. Das sprichwörtliche „etwas bricht mir das Herz“ hat also medizinisch gesehen durchaus seine Richtigkeit.



Wie oft kommt so etwas vor?



Bei etwa zwei Prozent der Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt. Allerdings ist das Phänomen ja erst seit Kurzem beschrieben und das Bewusstsein dafür wächst nur langsam. Die Diagnose wird inzwischen immer häufiger gestellt.



Vor allem bei Frauen?



Ja, zu 90 Prozent! Davon sind wiederum 90 Prozent schon jenseits der Wechseljahre.



Ein Mann liegt im Krankenhaus und wird von Ärzten betreut
Beim sogenannten Takotsubo-Syndrom wird der Patient genau wie bei einem Herzinfarkt auf der Intensivstation behandelt© Shutterstock

Wie behandeln Sie?



Genau wie bei einem „klassischen“ Infarkt: Wir betreuen die Patienten zunächst auf der Intensivstation, geben dieselben Medikamente. Innerhalb von Tagen bis zu wenigen Wochen erholt sich das Herz vollkommen.



Wie kann man vorbeugen?



Wir empfehlen Patienten, bewusst Ruhepausen in den Alltag einzubauen und Techniken wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung zu erlernen. Aber vor bestimmten Dingen, wie dem Tod eines Angehörigen, kann sich niemand schützen. Wir können nur versuchen, achtsam mit uns selbst umzugehen – und in Notsituationen schneller Hilfe zu suchen.



Im Interview: Dr. med. habil. Christof Burgdorf 
Oberarzt der Klinik für Herz- und Kreislauf-Erkrankungen am deutschen Herzzentrum München.

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