Was ist das Serotonin-Syndrom?

Das Serotonin-Syndrom entsteht durch die Wechselwirkung von Antidepressiva
Durch die Wechselwirkung verschiedener Antidepressiva kann es zu einem Serotonin-Syndrom kommen © Fotolia

Bei einem Serotonin-Syndrom ist der Serotoninspiegel in Teilen des Körpers zu hoch. PraxisVita erklärt, wie es dazu kommt und warum das Serotonin-Syndrom so gefährlich werden kann.

Beim sogenannten Serotonin-Syndrom handelt es sich um eine Ansammlung verschiedener Krankheitsanzeichen, die sich auf einen zu hohen Serotoninspiegel im Körper zurückführen lassen. Dabei kann es sich sowohl um einen Überschuss des Gewebhormons selbst als auch um eine erhöhte Menge von Substanzen handeln, die eine dem Serotonin ähnliche Wirkung haben. Ist der Serotoninspiegel zu hoch, werden die sogenannten postsynaptischen Rezeptoren überstimuliert. Die Folge: Die Rezeptoren lösen Vergiftungserscheinungen aus.

 

Vorsicht vor Wechselwirkungen

Meist kommt es durch Wechselwirkungen zwischen Medikamenten, die den Serotoninspiegel erhöhen, zu einem Serotonin-Syndrom. Häufig tritt es bei einer kombinierten Anwendung verschiedener Antidepressiva auf. Ein Beispiel für eine solche Kombination: Die sogenannten Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) und die sogenannten MAO-Hemmer. Die SSRI sorgen für eine erhöhte Serotoninkonzentration in der Gewebeflüssigkeit des Gehirns. Die Aufgabe der MAO-Hemmer ist es, das Enzym Monoaminoxidase zu hemmen: Das Enzym sorgt für den Abbau verschiedener Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin. Durch die MAO-Hemmer werden diese Botenstoffe langsamer abgebaut. Werden die beiden Medikamente nun zeitgleich verwendet, kann es zu einem Überschuss des Gewebhormons im Gehirn und damit zu einem Serotonin-Syndrom kommen.

Auch für den Arzt ist die Diagnose bei wechselwirkenden Medikamenten schwierig
Auch für den Arzt ist es manchmal schwierig, ein Serotonin-Syndrom zu diagnostizieren. Nennen Sie daher unbedingt alle Medikamente, die Sie einnehmen© Fotolia
 

Serotonin-Syndrom: Auf diese Symptome sollten Sie achten

Das Serotonin-Syndrom kann bei Menschen in jedem Lebensalter und in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten. Da es außerdem keine Möglichkeit gibt, die Diagnose durch eine Laboruntersuchung zu stellen und die Symptome häufig grippeähnlich sind, ist es auch für den Arzt nicht immer leicht, ein Serotonin-Syndrom als solches zu identifizieren. Die Symptome werden in drei verschiedene Gruppen von Störungen eingeteilt:

 

Autonom vegetative Symptome

Dabei handelt es sich um Vorgänge, die von unserem Vegetativen Nervensystem reguliert werden. Sie laufen quasi automatisch ab und lassen sich vom Menschen nicht direkt beeinflussen. Typische autonom vegetative Symptome sind:

 

Symptome im mentalen Bereich

Die Symptome auf der mentalen Ebene werden vor allem im Verhalten des Betroffenen deutlich. Plötzliche Persönlichkeitsänderungen können daher das Signal eines Serotonin-Syndroms sein. Weitere Symptome im mentalen Bereich sind:

 

Neuromuskuläre Symptome

Die Symptome werden durch Muskelbeschwerden deutlich, die aber selten eindeutig einem Serotonin-Syndrom zugeordnet werden können. Es treten folgende muskuläre Störungen auf:

Häufig treten die genannten Symptome bereits wenige Stunden nach Einnahme der wechselwirkenden Medikamente auf: Bei rund 60 Prozent der Patienten sind die ersten Anzeichen bereits nach sechs Stunden erkennbar.

 

So lässt sich das Serotonin-Syndrom behandeln

In leichten Fällen lässt sich das Syndrom bereits durch die Absetzung der betreffenden Medikamente effektiv behandeln. Häufig tritt eine Besserung dann bereits innerhalb von 24 Stunden ein. Bei mittelschweren bis zu schweren Fällen kann es helfen, Medikamente zu verabreichen, die eine Senkung des Serotoninspiegels bewirken. Bei starken autonom vegetativen Störungen kann eine intensivmedizinische Betreuung notwendig werden.

Wird nur eines der Antidepressiva abgesetzt, kann die Behandlung des Syndroms eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Das gilt beispielsweise, wenn es sich bei dem abgesetzten Medikament um den MAO-Hemmer handelt: Bis das Enzym Monoaminoxidase wieder seine volle Aktivität erreicht hat, können drei bis fünf Tage vergehen. Je nach Arzneimittel können enthaltene Stoffe mit einer langen Halbwertszeit die Dauer des Serotonin-Syndroms erheblich verlängern: Das Antidepressivum Fluoxetin kann beispielsweise bis zu drei Wochen im Körper wirken und Beschwerden verursachen.

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