Was ist Asexualtität?

Bonnie Kruse

Asexuelle verspüren keine Lust auf Sex und haben ein geringes bis gar kein Verlangen danach. Das heißt aber nicht, dass asexuell orientierte Menschen darunter leiden oder gar komplett auf Nähe und Intimität verzichten.

Asexualität
Asexuellen Menschen fehlt sexuelles Lustempfinden Foto:  iStock/bymuratdeniz
Inhalt
  1. Asexualität: Zärtlichkeiten sind dennoch wichtig
  2. Wissenschaftliche Hintergründe zu Asexualität
  3. Asexuell: Abgrenzung zur sexuellen Lustlosigkeit
  4. Bin ich asexuell?

Wir leben in einer sexuell geprägten Welt. Doch es gibt Menschen, die schlicht keine Lust auf Sex haben. Das Verlangen fehlt dauerhaft. Asexuelle Menschen ekeln sich nicht unbedingt vor Sex, haben eine Abneigung dagegen oder sind verklemmt – sie verspüren nur kein Bedürfnis danach. Asexualität ist also keine bewusste Entscheidung, sondern eher eine sexuelle Orientierung, wie etwa Homosexualität oder Pansexualität. Psychologisch wird sie als „das Fehlen jeglicher Libido (Sexualität)“ definiert.

 

Asexualität: Zärtlichkeiten sind dennoch wichtig

Wer asexuell ist, findet andere Menschen dennoch attraktiv. Auch können Romantik und Zärtlichkeiten wie Umarmungen, Küsse und Kuscheln wichtig für sie sein. Diese Nähe ist jedoch nicht zwangsweise mit sexueller Anziehung verknüpft. Es gibt aber durchaus Asexuelle die dennoch mit ihrem Partner schlafen. Auch ist Masturbation nicht ausgeschlossen. Andere Asexuelle sehen im Sexualkontakt keinen Sinn, empfinden ihn als  nervig oder unangenehm. 

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Wissenschaftliche Hintergründe zu Asexualität

Der Begriff tauchte mit dem Zeitalter des Internets vor etwa 20 Jahren auf. Viele Asexuelle tauschten sich in Foren aus, meist anonym. Der kanadische Psychologe Anthony Bogaert gilt als führender Forscher in dem Bereich. Sein Buch "Understanding Asexuality" erschien 2015. Ihm zufolge habe sich die Wissenschaft schon vor dem Internet-Boom mit dem Thema beschäftigt, nur hatte man für Asexualität noch keinen Namen.

 

Asexuell: Abgrenzung zur sexuellen Lustlosigkeit

Menschen, die asexuell sind, wird oft nachgesagt, sie müssten einfach nur ihre Lust auf Sex ankurbeln. Doch das ist ein Irrglaube, denn Asexuelle vermissen das Lustgefühl nicht – ihnen fehlt der Trieb. Eine Ursache für Asexualität gibt es nicht. Es wird vermutet, dass sie angeboren ist und bestehen bleibt. Der Hormonspiegel ist bei den meisten asexuellen Menschen unauffällig. Die Anzeichen körperlicher Erregung wie eine Erektion haben sie trotzdem, weshalb keine organische Krankheit besteht. Asexualität wird auch nicht durch traumatische Erfahrungen hervorgerufen. Sie lässt sich nicht ändern – was die meisten Asexuellen auch gar nicht wollen. Es stellt kein Leid für sie dar – es sei denn, sie erfahren gesellschaftliche Stigmatisierung, stoßen auf Unverständnis oder werden unter Druck gesetzt, sexuell aktiv sein zu müssen oder ihnen wird vorgeworfen an einer Krankheit zu leiden.

Wer dagegen eigentlich sexuell aktiv ist und gerne Geschlechtsverkehr hat, kann im Laufe seines Lebens an sexueller Lustlosigkeit, die medizinisch als sexuelle Funktionsstörung eingestuft wird, leiden. Eine Ursache können psychische Faktoren und Stress sein. 

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Bin ich asexuell?

Asexuell ist, wer sich selbst so empfindet. Doch bis man sich dessen bewusst ist, kann es dauern. Erste Anzeichen können schon im frühen Jugendalter auftreten. Viele asexuelle Menschen sind verunsichert und fragen sich, ob sie eine Störung haben. Die Ausprägungen von Asexualität sind unterschiedlich.

Das Onlineforum „Asexuality Visibility and Educational Network“ (Aven) differenziert auf Grundlage eines alten Modells Asexualität grob zwischen vier Typen:

  • Typ A: Hat einen Sexualtrieb, aber spürt keine Anziehung. Die Vorstellung, dass Sex sich gut anfühlt ist da, doch die Notwendigkeit dafür fehlt oder es fühlt sich unangenehm an, wenn derjenige schon Sex hatte.
  • Typ B: Spürt eine Anziehung, aber keinen Sexualtrieb. Sie fühlen sich mental von anderen Menschen angezogen, verlieben sich, aber das Bedürfnis nach Sex mit dem Partner fehlt.
  • Typ C: Anziehung und Sexualtrieb sind vorhanden. Sie empfinden Masturbation als angenehm, wollen aber keinen Sex mit anderen Menschen.
  • Typ D: Empfindet keine emotionale Anziehung und keinen Sexualtrieb. Diese Gruppe wird zu den Aromantikern gezählt, da sie Freundschaften aufbauen können, sich aber nicht verlieben.

Doch nicht alle Asexuellen lassen sich in Typen einordnen, da sich nicht alle Empfindungen definieren lassen. Die Plattform Aven grenzt sich zudem klar davon ab, Asexuelle in Schubladen zu stecken bzw. in Typen einzuordnen.

Wer unsicher ist, asexuell zu sein, kann dennoch schauen, ob einige oben aufgeführte Faktoren zutreffen.

Quellen:

https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/phaenomen-asexualitaet,broadcastcontrib-swr-15036.html

https://www.aven-info.de/lex_typen_asex.php

https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/asexualitaet/1421

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