Was hilft gegen Eisfinger?

Redaktion PraxisVITA
Was hilft gegen Eis-Finger
Viele Menschen leiden unter einer krankhaften Form der kalten Finger – ohne es zu wissen © Shutterstock

Bei winterlichen Temperaturen kann es schnell passieren, dass Extremitäten – wie z.B. Hände oder Füße – kalt werden. Aber manche Menschen leiden unter einer besonders schmerzhaften Form plötzlicher Eisfinger – und wissen gar nicht was die Ursache ist und wie sie sich helfen können.

Wenn Ihre Finger und Füße – ähnlich wie bei einer starken Unterkühlung – schmerzen, kreideweiß und taub werden, ohne dass Ihnen tatsächlich kalt ist, leiden Sie wahrscheinlich an dem sogenannten Raynaud-Syndrom. Dabei reagiert das Kreislaufsystem unverhältnismäßig auf selbst geringe Temperatursenkungen, indem die Blutzirkulation in den Extremitäten schlagartig heruntergefahren wird. Die Folge: Eisfinger.

 

Wärmemanagement des Körpers

Die Ursache liegt in einer Fehlprogrammierung des körpereigenen Wärmemanagements. Wenn die Temperatur sinkt, versucht unser Organismus normalerweise den Wärmeverlust des Körpers dadurch zu minimieren, dass er wärmendes Blut aus der Haut in das Körperinnere abzieht, indem er die Gefäße beispielsweise an Händen und Füßen verengt. Dieser Vorgang wird vom sogenannten vegetativen Nervensystem gesteuert – von dem Teil also, den wir nicht bewusst beeinflussen können.

Blutgefäße
Bei Menschen, die von dem Raynaud-Syndrom betroffen sind, wird die Verringerung des Blutflusses schon bei minimalen Temperatursenkungen durch einen Fehler im Nervensystem – den sogenannten Alpha-Adenorezeptoren – verursacht© istock

Für unseren Körper ist es – mit Blick auf das Überleben – vielversprechender, auf einen starken Kälteeinfluss nicht mit dem sehr energieaufwendigen Versuch des Gegenwärmens zu reagieren, sondern mit einer Konzentration der Wärmereserven auf die lebenswichtigen Organe im Körper.

 

Ein Fehler im Nervensystem

Bei Menschen, die von dem Raynaud-Syndrom betroffen sind, wird die Verringerung des Blutflusses schon bei minimalen Temperatursenkungen durch einen Fehler im Nervensystem – den sogenannten Alpha-Adenorezeptoren – verursacht. Dabei werden die Endarterien in der Haut krampfartig und übermäßig stark verengt. Diese Einschränkung der Blutzirkulation führt zu einer Gefäßreaktion, die wiederum die Symptome des Raynaud-Syndroms auslöst.

Die Eisfinger des Raynaud-Syndroms, das auch als „Leichenfinger-Krankheit“ bezeichnet wird, verschwinden in den meisten Fällen von selbst wieder. Bis sich die Blutzirkulation der Extremitäten normalisiert hat, können allerdings einige Stunden vergehen.

Menthol regt die Durchblutung an
Menthol soll Schlüsselzonen am Fuß anregen, sodass die Durchblutung verbessert wird© istock
 

Jeder Achte leidet an den "Leichenfingern"

Nach einer Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie sind in Deutschland zwei bis 16 Prozent der Bevölkerung vom Raynaud-Syndrom betroffen – Frauen fünfmal häufiger als Männer. Das Risiko steigt zudem durch Faktoren wie Alter und Rauchen. Weitere Auslöser können chemotherapeutische Behandlungen, die Einnahme von Betablockern (blutdrucksenkende Medikamente) oder starker Stress sein.

Grundsätzlich unterscheiden Mediziner zwischen dem sogenannten primären Raynaud-Syndrom – also dem Auftreten der Krankheit ohne auslösende Vorerkrankung – und dem sekundären Raynaud-Syndrom. Dabei steht die „Leichenfinger-Krankheit“ in Zusammenhang mit Erkrankungen, wie z.B. Sklerodermie (Bindegewebeverhärtung in der Haut), Schmetterlingsflechte oder Arteriosklerose (Arterienverkalkung). Zurzeit gilt das Raynaud-Syndrom als nicht heilbar, die auftretenden Symptome können aber behandelt werden. Doch was hilft eigentlich am besten gegen die Eisfinger? Praxisvita hat für Sie einige Behandlungsmaßnahmen genauer untersucht.

 

Kräuterpillen gegen Eisfinger

Ein Präparat, das die Durchblutung anregt und auf diese Weise gegen das Raynaud-Syndrom helfen soll, ist Padma Circosan. Die auf pflanzlichen Inhaltsstoffen – wie z.B. Costuswurzel, Isländisch Moos und Margosa (Niembaum) – basierenden Kapseln kosten rund 15 Euro (60 Kapseln). Die Kapseln werden dreimal täglich eingenommen und sollen für einen gesunden Kreislauf sorgen. Zwar gibt es Hinweise, dass Padma Circosan einen Einfluss auf den Blutkreislauf hat – wissenschaftlich bestätigt werden konnte diese Wirkung in Studien aber bisher nicht.

 

Menthol-Pflaster gegen Eisfinger

Menthol-Pflaster gibt es im Handel für rund 15 bis 30 Euro pro Packung (20 Einheiten) und werden in der Regel auf die Unterseite (Sohle) der Füße geklebt. Das darin enthaltene Menthol soll Schlüsselzonen am Fuß anregen, sodass die Durchblutung verbessert wird. Die Wirkung der Pflaster ist unter Experten umstritten. Eine geringfügige Erweiterung der Kapillare – und somit Verbesserung der Durchblutung – soll aber durch die Anwendung ausgelöst werden.

 

Warme Socken mit Silber-Fasern gegen Eisfinger

Ein Paar dieser Socken kostet im Handel rund 10 bis 15 Euro und erheben den Anspruch die Durchblutung zu verbessern. Zwar gibt es keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Silberfasern in Socken eine pharmakologische Wirkung besitzen, die zu einer Verbesserung der Durchblutung führt. Allerdings hilft warme Kleidung nachweislich, Symptome des Raynaud-Syndroms zu lindern. Vor diesem Hintergrund scheinen auch diese wärmenden Socken einen gewissen Effekt gegen die Erkrankung zu haben.

 

Handwärmer gegen Eisfinger

Handwärmer sind wie Miniatur-Heizungen, die mithilfe einer chemischen Reaktion Wärme produzieren. Diese einfache und billige Variante, um die Hände m it Wärme zu versorgen – was wiederum hilft, die Durchblutung anzuregen– hat sich als sehr nützlich erwiesen, um die Symptome des Raynaud-Syndroms zu lindern.

Ginkgo gegen Eisfinger
Es gibt Hinweise, dass Ginkgo-Pulver einen erweiternden Einfluss auf die Blutgefäße hat und so vor Eisfingern schützen kann© istock
 

Ginkgo-Pulver gegen Eisfinger

Für 25 Euro gibt es 30 Gramm des Pulvers (z.B. von Terranova). Dabei handelt es sich nicht um reines Ginkgo-Extrakt, sondern um eine Mischung mit anderen Pflanzen-Teilen, wie z.B. Weißdorn und Heidelbeere. Das Pulver wird einfach zweimal täglich zu den Mahlzeiten eingenommen – ein dadurch entstehender Effekt soll ein gesunder Kreislauf sein. Tatsächlich gibt es Hinweise, dass Ginkgo-Pulver einen erweiternden Einfluss auf die Blutgefäße hat, wissenschaftliche Untersuchungen haben aber gezeigt, das es im Zusammenhang mit dem Raynaud-Syndrom nicht besser wirkt als ein Placebo.

 

Beheizte Handschuhe gegen Eisfinger

Hier gilt wieder das Prinzip: Wärme gegen Durchblutungsstörung. Das funktioniert gut und ist mit Preisen um 20 Euro auch erschwinglich. Einziger Haken: Im Alltag nicht immer ganz praktisch zu tragen.

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.