Was hilft bei Ohrenschmerzen mitten in der Nacht?

Dr. med. Nadine Heß

Wie oft haben Eltern das schon erlebt – am Wochenende oder nachts, wenn außer für Notfälle kein Arzt erreichbar ist, geht es los: Das Kind hat Ohrenschmerzen. Aber was hilft bei Ohrenschmerzen, wenn sie akut auftreten? Kinderärztin Dr. Nadine Hess weiß Rat.

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

So gut wie alle Eltern kennen die Symptome: Mitten in der Nacht wacht das Kind weinend auf, fasst sich ständig an ein Ohr oder sagt – je nach Alter – direkt, dass es Ohrenschmerzen hat. Die Ursache dafür ist in der Regel ein Infekt der oberen Luftwege mit Schnupfen. Dadurch schwillt nicht nur die Nasenschleimhaut, sondern auch die sogenannte Eustachiische Röhre zu, eine Verbindung zwischen Nase und Ohr, die für die Belüftung des Innenohres zuständig ist.

Expertin Dr. Hess: "Eine antibiotische Therapie 'einfacher' Mittelohrentzündungen ist häufig nicht notwendig, da es sich in vielen Fällen um virale Erkrankungen handelt. Zudem gibt es diverse naturheilkundliche Mittel, die zur Unterstützung eingesetzt werden können."© Privat

Bei Kindern ist diese Verbindung kürzer und Erreger aus dem Nasen-Rachenraum haben es bis zum Innenohr nicht weit. Zudem behindern bei Kindern häufig Adenoide (umgangssprachlich auch Polypen genannt = vergrößerte Rachen- und/oder Gaumenmandeln) eine funktionierende Belüftung der Eustachiischen Röhre und damit des Innenohres, was entzündliche Vorgänge beschleunigen kann. Auslöser für eine Mittelohrentzündung können Viren oder Bakterien sein, bei Kindern ist eine Mischinfektion mit beidem häufig*.

 

Schmerzmittel gegen Ohrenschmerzen?

Doch was hilft bei Ohrenschmerzen in so einem Fall? Die wichtigste Erstmaßnahme ist dann, ein Schmerzmittel zu verabreichen. Bei Kindern ist das Paracetamol- oder Ibuprofensaft (oder –Zäpfchen), wobei Ibuprofen aufgrund der zusätzlich antientzündlichen und leicht abschwellenden Wirkung als Mittel der ersten Wahl gilt. Darüberhinaus sollten altersentsprechend konzentrierte, abschwellende Nasentropfen verwendet werden, um die Belüftung der Eustachiischen Röhre und den Abfluss von entzündlichem Sekret aus dem Mittelohr zu ermöglichen. Falls sich damit keine Besserung zeigt, sollten Sie spätestens nach 48 Stunden einen Arzt aufsuchen, Kinder unter zwei Jahren sollten bereits nach 24 Stunden dem Kinderarzt zur Kontrolle vorgestellt werden.

Stellen Sie hinter dem Ohr eine starke Schwellung und Rötung fest, die sehr schmerzhaft ist, sollten Sie sofort ein Krankenhaus aufsuchen, auch nachts und am Wochenende. Es könnte sich um eine Mastoiditis handeln, eine Entzündung im Bereich des Ohres, die bereits auf den Knochen übergegriffen ist und von dort in das Gehirn einbrechen könnte. Was hilft bei Ohrenschmerzen, die durch dieses Phänomen verursacht werden? Eine chirurgische Behandlung durch einen HNO-Arzt ist in einigen Fällen nicht zu vermeiden, in jedem Fall muss eine antibiotische Behandlung im Krankenhaus durchgeführt werden.

Was hilft bei Ohrenschmerzen
Was hilft bei Ohrenschmerzen? Die beste Behandlung kann der Kinderarzt anhand der Diagnose festlegen© iStock

Eine antibiotische Therapie „einfacher“ Mittelohrentzündungen ist häufig nicht notwendig, da es sich in vielen Fällen um virale Erkrankungen handelt. Zudem gibt es diverse naturheilkundliche Mittel, die zur Unterstützung eingesetzt werden können. Ihr Kinderarzt berät Sie sicher gern.

* Heikkinen, T., M. Thint, T. Chonmaitree, Prevalence of various respiratory viruses in the middle ear during acute otitis media. N Engl J Med, 1999. 340(4): p. 260-4

Video: Was hilft bei Ohrenschmerzen?

 

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