Was für eine Krankheit ist Purpura Schönlein-Henoch?

Dr. med. Nadine Hess

Bei Purpura Schönlein-Henoch handelt es sich um eine recht seltene Krankheit, die vor allem bei Jungen im Grundschulalter auftritt. Typische Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung erklärt Kinderärztin Dr. Nadine Hess.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Eine Purpura Schönlein-Henoch wird anhand der Krankheitssymptome erkannt und behandelt.“ © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Eine relativ seltene Erkrankung, die fast ausschließlich im Kindesalter auftritt, ist die Purpura Schönlein-Henoch. Die Krankheit wird auch als Leukozystoklastische Vaskulitis bezeichnet und ist eine Entzündung, die die Gefäße betrifft. Daher auch ihr Name: Vaskulitis bedeutet Gefäßentzündung.

Besonders von der Krankheit betroffen sind die Gefäße der Haut, des Darmes, der Gelenke und der Nieren, selten aber auch des zentralen Nervensystems, der Lunge und der Hoden. Purpura Schönlein-Henoch kommt bei Kindern unter zwei Jahren im Grunde nicht vor und ist im Erwachsenenalter sehr selten. Am häufigsten sind Jungen im Grundschulalter betroffen. Häufig erfolgt die Krankheit nach einem Infekt der oberen Atemwege. Warum manche Kinder daran erkranken und andere nicht, ist noch nicht vollständig geklärt, vermutlich spielen genetische Phänomene eine Rolle.

 

Häufig entstehen Einblutungen an den Beinen

Pathophysiologisch liegt der Erkrankung eine Ablagerung von sogenannten IgA-Immunkomplexen zugrunde. IgA sind Immunglobuline der Gruppe A. Diese Antikörper kommen vor allem an Schleimhäuten vor und haben eigentlich die Aufgabe, Krankheitserreger abzuwehren. Durch die Ablagerungen führen sie an den kleinen Gefäßen aber zu einer aseptischen Entzündung. Als aseptisch werden alle Entzündungen bezeichnet, die ohne Bakterien oder Viren entstehen. Durch diese Entzündungsreaktion kommt es vor allem zu fühl- und sichtbaren Einblutungen in die Haut, besonders an den Beinen. Bemerkbar machen diese sich zunächst durch kleine rote Punkte, die innerhalb von wenigen Tagen eine blaurote Färbung annehmen. Die Krankheit kann aber auch zu teilweise sehr starken Bauchschmerzen mit Blut im Stuhl, Gelenkschmerzen und zu Nierenschäden mit Blutnachweis im Urin führen. Auch sogenannte Ödeme, also Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe, können entstehen. Ist das zentrale Nervensystem mitbetroffen, kann es zu Kopfschmerzen kommen.

Laboranalyse
Durch eine Laboranalyse ist es relativ schwierig, die Diagnose „Purpura Schönlein-Henoch zu stellen© Fotolia
 

Die Laboranalyse bringt nur selten Erkenntnisse

In der Regel ist die Purpura Schönlein-Henoch eine klinische Diagnose, das bedeutet, man identifiziert die Erkrankung aufgrund der Symptome. Im Labor zeigen sich meist nur wenige bis keine Veränderungen: Manchmal ist lediglich das IgA erhöht. Oder es findet sich eine dezente Erhöhung der weißen Blutkörperchen, den sogenannten Leukozyten, und der Blutplättchen, die man auch als Thrombozyten bezeichnet.

Ein Ultraschall des Bauches kann eine Invagination ergeben, dabei handelt es sich um eine Stülpung von einem Darmabschnitt in einen anderen. Dies ist eine mögliche Komplikation der Purpura Schönlein-Henoch, die in einigen Fällen eine Behandlung notwendig macht. In der Regel wird die Invagination mit einem Einlauf gelöst. Dieser besteht aus einer Kochsalzlösung, die unter Ultraschallkontrolle mit einem gewissen Druck in den Darm gepumpt wird. Es kommt aber auch vor, dass sich die Invagination spontan löst. Nur sehr selten ist eine Operation notwendig.

 

Wie kann man die Purpura Schönlein-Hennoch behandeln?

Grundsätzlich kann man die Purpura Schönlein-Henoch nicht behandeln, man lindert nur die Symptome wie Bauch- oder Gelenkschmerzen mit Schmerzmitteln. Oft wird Bettruhe verordnet, unter der Vorstellung, weitere Gefäßblutungen dadurch etwas zu mindern. Wahrscheinlich hat die Bettruhe jedoch keinen nachweisbar positiven Effekt. Allerdings schadet sie auch nicht und bei starken Gelenkschmerzen ist sie oft ohnehin unvermeidlich. Der Einsatz von Prednison, einem Kortison, kann die Bauchschmerzdauer verringern, hat jedoch keinen Einfluß auf die Niere, falls diese ebenfalls von der Krankheit betroffen ist.

Nach überstandener Erkrankung muss für einen längeren Zeitraum regelmäßig Urin und Blutdruck kontrolliert werden, um eine mögliche dauerhafte Nierenschädigung auszuschließen. Diese Komplikation ist allerdings sehr selten. In der Regel heilt die Purpura Schönlein-Henoch folgenlos aus.

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