Was Frauen- und Männerherzen unterscheidet

Redaktion PraxisVITA
Bei einer Patientin wird ein MRT durchgeführt
In einer aktuellen Studie untersuchten US-Forscher mittels MRT, wie die Herzalterung bei Frauen und Männern abläuft © Fotolia

Im Alter verändert sich unser Herz – darum kommt es vermehrt zu Herzleiden. Doch eine aktuelle Studie zeigt, dass bei Frauen andere Veränderungen ablaufen als bei Männern.

Seit Langem ist Wissenschaftlern bekannt, dass die Kraft des Herzmuskels mit dem Alter abnimmt. In ihrer aktuellen Studie untersuchten Wissenschaftler der Johns Hopkins School of Medicine, ob der Alterungsprozess des Herzens bei Männern und Frauen unterschiedlich verläuft.

Um sich ein möglichst genaues Bild von der Herzalterung beider Geschlechter machen zu können, analysierten die Forscher die Herzen von knapp 3.000 gesunden Probanden mittels Magnetresonanztomographie (MRT) und wiederholten diese Untersuchung rund zehn Jahre später.

 

Geschlechterunterschiede bei der Herzalterung

Das besondere Interesse der Wissenschaftler galt dabei der linken Herzkammer. Ihr kommt die Aufgabe zu, den gesamten Körper mit Blut zu versorgen. Sie muss kräftiger pumpen als die rechte, die „lediglich“ sauerstoffarmes Blut in den Lungenkreislauf pumpt, wo es wieder mit Sauerstoff angereichert wird. Da die linke Herzkammer im Laufe des Lebens einer stärkeren Belastung ausgesetzt ist, lassen sich an ihr auch die deutlichsten Alterungsspuren erkennen.

Die MRT-Langzeitstudie zeigte ein überraschendes Ergebnis: Während sich das Fassungsvermögen der linken Herzkammer im Studienzeitraum bei beiden Geschlechtern verringerte, wurde die linke Herzkammer bei Männern mit der Zeit dennoch um rund acht Gramm schwerer. Der Grund: Der Muskel, der die linke Herzkammer umgibt, wurde bei ihnen dicker – wohl als Reaktion des Herzens auf eine chronisch erhöhte Belastung des linken Herzmuskels.

Bei Frauen zeigte sich diese Verdickung des Herzmuskels nicht. Im Gegenteil: Bei einigen Probandinnen schrumpfte er sogar. Infolgedessen legte die linke Herzkammer bei Frauen auch nicht an Gewicht zu, sondern wurde leichter – im Schnitt um 1,6 Gramm. Auch das Fassungsvermögen der Herzkammer nahm bei Frauen etwas stärker ab als bei Männern.

 

Veränderungen erhöhen Krankheitsrisiko

Dass die Herzkammer „schrumpft“ hat Folgen auf den gesamten Organismus: Denn so gelangt weniger Blut ins Herz und in den Körperkreislauf und die Organe werden weniger gut mit Sauerstoff versorgt. Kommt es aufgrund dieser Prozesse zu einer deutlich verringerten Herzleistung, sprechen Mediziner von einem Altersherz.

Doch auch ein verdickter Herzmuskel erhöht das Risiko für Herzerkrankungen. Denn die Verdickung schränkt die Beweglichkeit des Muskels ein – das kann dazu führen, dass das Herz nicht mehr problemlos befüllt und entleert werden kann. Experten nennen diesen Zustand „Herzinsuffizienz“. Auch das Risiko für Herzrhythmusstörungen steigt, wenn der Herzmuskel verdickt ist.

Laut der US-Forscher bildet ihre Studie den ersten Schritt zu einer geschlechterspezifischen Diagnostik und Behandlung von Herzerkrankungen. Denn ihre Erkenntnisse deuten darauf hin, dass altersbedingte Herzerkrankungen bei Männern und Frauen unterschiedliche Ursachen haben und auch anders behandelt werden müssen.

Hamburg, 21. Oktober 2015

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