Was Eltern für die Konzentration ihrer Kinder tun können...

Stephanie Pingel
Kinder spielen aufmerksamer, wenn...
Um die Aufmerksamkeitsspanne ihres Kindes zu erhöhen, können Eltern laut einer Studie einen einfachen Trick beim Spielen verwenden © folgt

...Und was ihr Smartphone damit zu tun hat: Wenn sich Eltern beim Spielen mit Ihrem Kind ablenken lassen, kann das negative Auswirkungen auf die Aufmerksamkeitsspanne des Nachwuchses haben. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Indiana University Bloomington in einer neuen Studie.

Wie beeinflusst das Verhalten von Eltern Kleinkinder beim Spielen? Dieser Frage sind Professor Chen Yu und sein Team der Abteilung für Psychologie und Gehirnforschung an der Indiana University Bloomington nachgegangen. Ihr Fazit: Lassen sich Eltern beim Spielen mit ihrem Kind beispielsweise vom Smartphone ablenken oder wandert ihr Blick viel umher, kann sich das negativ auf die Aufmerksamkeitsspanne des Kindes auswirken. Es sei das erste Mal, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeit und sozialer Interaktion hergestellt werden konnte, betonen die Psychologen. Ihr Studienergebnis haben sie online bei „Current Biology“ veröffentlicht.

 

 

Warum es so wichtig ist, aufmerksam zu sein

Die Aufmerksamkeitsspanne ist bereits im Kleinkindalter ein Indikator dafür, wie erfolgreich wir später beispielsweise beim Erlernen von kognitiven Fähigkeiten wie dem Sprechen sind“, so Yu. Für die Studie wurden die Eltern und ihr Kind mit speziellen Kameras ausgerüstet, die den Augenbewegungen genau folgen. Dann wurde eine typische Spielsituation nachgestellt, wie sie zuhause oder im Kindergarten stattfinden könnte. Für die Kinder lagen Spielsachen bereit, die Eltern bekamen keine Anweisungen, wie oder ob sie mit ihrem Nachwuchs überhaupt interagieren sollten.

 

Während des Versuches bildeten sich besonders zwei Gruppen heraus: Einige Eltern versuchten, das Interesse ihres Kindes gezielt auf ein Spielzeug zu lenken, während andere Eltern abwarteten, bis das Kind selbst Interesse an etwas zeigte. „Viele Eltern haben sich bemüht zu beweisen, dass sie ihren Nachwuchs gut erziehen, indem Sie bestimmte Spielzeuge hochnahmen und diese benannten. Unsere Kameras zeigten jedoch, dass die Blicke der Kinder dabei zur Decke wanderten oder sie einen Punkt oberhalb der Schultern ihrer Eltern anstarrten. Sie haben überhaupt nicht aufgepasst“, erklärt Yu.

 

 

Warum Sekunden über das ganze Leben entscheiden

Erfolgreicher waren die Testpersonen, die abwarteten, bis das Kind von sich aus Interesse an einem Spielzeug zeigte und die dann mit dem Nachwuchs interagierten. Die Forscher notierten sich die genaue Zeit, die die Kinder auf das jeweilige Spielzeug blickten. Das Ergebnis: Wenn Eltern und Kinder gemeinsam mindestens 3,6 Sekunden auf ein Objekt sahen, bevor die Eltern in eine andere Richtung schauten, verweilte der Blick der Kinder anschließend noch 2,3 Sekunden länger auf dem Objekt. Insgesamt war ihre Aufmerksamkeitsspanne so fast viermal länger als bei Kindern, deren Eltern früher als bei 3,6 Sekunden wegsahen. Das klinge zunächst nach keinem großen Unterschied – wenn man diesen aber auf eine ganze Spielstunde täglich hochrechne, sei er laut Yu signifikant.

 

Die niedrigste Aufmerksamkeitsspanne der Studie hatten Kinder in einer dritten Gruppe, bei der die Eltern sich nicht in das Spielverhalten integrierten. Die Testpersonen interagierten nicht mit ihrem Nachwuchs, lehnten sich zurück, spielten am Handy herum oder ließen den Blick schweifen. Daraus schließen die Forscher, dass Eltern die Aufmerksamkeitsspanne ihres Kindes gezielt verlängern können, wenn sie die Kleinen beim Spielen den Takt angeben lassen und ihnen dabei volle Aufmerksamkeit schenken. „Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, wie das Sozialverhalten der Eltern ein Kind beeinflussen kann. Bisher wurde dieser Faktor von der Wissenschaft weitgehend ignoriert“, schreibt Sam Wass, Forscher der University of Cambridge, der die Studie für „Current Biology“ kommentierte.

 

Hamburg, 30. April 2016

 

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