Was dir wehtut, tut auch mir weh

Schnittwunde Finger
Wer zusieht, wenn sich jemand verletzt, empfindet ähnliche Schmerzen, zeigen Studien des Max-Planck-Instituts © fotolia

Sie zucken zusammen und leiden mit, wenn Sie zu sehen, wie sich Ihr Partner in den Finger schneidet. Forscher des Max-Planck-Instituts haben einen Zusammenhang zwischen selbst erlebten und empathischen Schmerz gefunden.

Wer sich beim Kochen schneidet, verletzt nicht nur das Gewebe seiner Haut und aktiviert seine Schmerzrezeptoren, sondern speichert dieses Erlebnis in seinem Gedächtnis ab. Zukünftig werden Sie versuchen, solche Erlebnisse zu vermeiden. Sie erleben den tatsächlichen Schmerz (physisch) aber auch die psychischen Begleiterscheinungen.

Verletzt sich nun der Partner oder eine Freundin beim Gemüseschnippeln, verziehen Sie nicht nur das Gesicht zu einer schmerzhaften Grimasse, sondern fühlen mit und empfinden ähnlich, wie der Verletzte. Sie versuchen einer potenziellen Gefahr aus dem Weg zu gehen und werden diese Information im Gedächtnis abspeichern. Sie empfinden empathischen Schmerz.

 

Mehrere Studien geben Aufschluss über das Zusammenspiel zwischen empathischen und persönlichen Schmerz

Um Aufklärungsarbeit rund um das Thema „Schmerz“ bemühten sich die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts Leipzig. In einer Forschungsarbeit gingen sie der Frage nach, wie weit sich empathischer und nozizeptiver (selbstempfundener, direkter) Schmerz einander ähneln. „Wir müssen wegkommen von der Frage, ob empathischer Schmerz ein echter Schmerz ist, oder nicht“, sagt Tania Singer, Direktorin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften. Dabei gingen die Forscher von der These aus, dass Schmerz ein komplexes Zusammenspiel vieler einzelner Prozesse ist.  

Gleichzeitig veröffentlichte ein anderes Forscherteam des Max-Planck-Instituts und der Universität Genf eine Studie, die diese These untermauert. Sie zeigten, dass nozizeptiver und empathischer Schmerz die gleichen Hirnstrukturen – die vordere Inselregion und den mittleren cingulären Cortex – aktiviert. Sie konnten nachweisen, dass diese Hirnareale schmerzhafte Erfahrungen in der Schublade „negatives Erlebnis“ abspeichern. Dort, wo sie auch Erfahrungen mit Ekel oder Unrechtsbewusstsein verarbeiten.

Wichtig dabei ist, dass das menschliche Gehirn unterschiedliche negative Erfahrungen parallel bewältigen und einordnen kann. Es erkennt „Schmerz“, kann es von „Ekel“ unterscheiden und ist in der Lage diese negativen Eindrücke parallel voneinander zu bearbeiten. Dabei ist es unserem Gehirn egal, ob der Schmerz uns direkt oder einen anderen betrifft. „Dass unser Gehirn Schmerz und andere unangenehme Erfahrungen zu großen Teilen gleich verarbeitet, egal, ob wir selbst oder andere sie erleben, hat große Bedeutung für das soziale Miteinander“, sagt Dr. Anita Tusche, die an der Studie beteiligt ist.

Hinzu kommt: "Menschen, die entspannt sind und positiv denken, erkranken seltener als solche, die angespannt sind und eher negativ denken. „Psychische Prozesse spielen eine Rolle", erklärt Christoph M. Bamberger, Endokrinologe in Hamburg.

Hamburg, 23. März 2016

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