Was bringt der neue Magenballon beim Abnehmen?

Magenballons im Vergleich
Links: Die Kapsel, die zusammen mit einem Schlauch geschluckt wird. Rechts: Ein herkömmlicher Magenballon © Fotolia

Eine umstrittene, neue Kapsel soll bis zu zwölf Kilo purzeln lassen. PraxisVITA erklärt, wie der neue Magenballon funktioniert – und warum Ärzte warnen!

Es ist nur eine kleine Kapsel, die auf dem deutschen Markt einge­führt wurde, aber was sie verspricht, klingt fantastisch: Wer sie schluckt, fühlt sich wochenlang schneller satt, kann zwölf Kilo abnehmen. Ähnlich wie beim herkömmlichen Magenballon. Aber: Einige Mediziner warnen. Der Magenballon ist gefährlicher, als er aussieht.

 

Magenballon für ein schnelleres Sättigungsgefühl

Kleiner als ein Tampon ist der gefaltete Magenballon der amerikanischen Firma Obalon, der in England entwickelt wurde. Eingefasst in einer Kapsel soll dies das neue Diät-Wunder sein! Die Kapsel wird geschluckt, löst sich im Magen auf, und der darin liegende Ballon wird mit Gas (statt wie bisher mit Wasser) aufgepumpt, nimmt so einen Teil des Magens ein. Das sorgt für ein schnelleres Sättigungsgefühl: Wer den Magenballon die geplanten drei Monate im Magen hat, hört früher auf zu essen.

 

Wer einen Magenballon nutzt, nimmt nicht automatisch ab

Doch deutsche Mediziner sorgen sich um die Einführung des neuen Magenballons. "Er ist kaum erforscht", sagt Schönheitschirurg Prof. Klaus Plogmeier. Er fürchtet, der Magenballon könnte Verletzungen hervorrufen, außerdem sei der Diät-Effekt zweifelhaft. "Wer einen Magenballon nutzt, nimmt nicht automatisch ab." Es kommt nach wie vor darauf an, was man isst, wie viele Kalorien man insgesamt zu sich nimmt. Der neue Magenballon (250 ml) unterscheidet sich auch in der Größe vom alten (700 ml). Und: Beim herkömmlichen Magenballon wird das Einsetzen von Ernährungsberatern und Personal Coaches begleitet, außerdem ist vorher eine Magenspiegelung erforderlich. Die fällt jetzt weg. Die neue Kapsel ist in fünf Minuten geschluckt, ohne große Untersuchung – das könnte dazu führen, dass Patienten unbedacht zugreifen.

Die Hersteller glauben das nicht. "Unsere Patienten sagen, dass der Magenballon ihnen hilft, mit ihrer Diät loszulegen", sagt Mark Mahmood und ergänzt: "Aufgrund des Designs und des Materials ist ein Platzen im Magen unmöglich."

 

Magenballon – Mediziner sind skeptisch

In Deutschland sind die Kapseln bei einigen Schönheitschirurgen und Internisten schon erhältlich, kosten etwa 2.800 Euro (die Krankenkasse zahlt nicht). Doch viele Mediziner sind skeptisch. "Der Magenballon kann stecken bleiben oder platzen", so Plogmeier ". Es ist das Risiko nicht wert." Als einzig sichere Diät-Methode bleibt vorerst also nur der Klassiker: Sport und gesunde Ernährung.

Kalorienbomben
Wer einen Magenballon nutzt, nimmt nicht automatisch ab. Es kommt nach wie vor darauf an, was man isst, wie viele Kalorien man insgesamt zu sich nimmt© istock
 

Pro: Eine Magenspiegelung ist nicht mehr nötig— Was der Internist zu diesem Fall sagt

Was ist an den neuen Magenballons so praktisch?

Sie müssen nur noch als kleine Kapseln geschluckt werden. Durch Röntgen wird festgestellt, ob sich die Kapsel im Magen befindet. Sie wird von der Magensäure aufgelöst, und der jetzt frei liegende Magenballon wird aufgepumpt. Mit diesem Verfahren ist keine Magenspiegelung mehr erforderlich. Das Ganze dauert – mit den Untersuchungen – nur 20 Minuten.

Was kostet der neue Magenball?

Etwa 2.800 Euro. Die Krankenkasse zahlt aber nicht.

Ist die Behandlung mit einem Magenball sicher?

Ja, der Ballon ist relativ sicher. Aber auch wenn das Ganze oft als Lifestyle-Pille vermarktet wird, ist die Installierung eines Magenballons ein inversiver Eingriff und erfordert die Erfahrung eines guten Arztes. Dann können Patienten allerdings ordentlich an Gewicht verlieren – etwa acht bis zwölf Kilo in drei Monaten.

Kann der Ballon im Magen kaputtgehen?

Ich habe einen Testballon mal außerhalb des Magens aufgeblasen und bin mit meinen 80 kg Körpergewicht draufgestiegen. Er hielt. Die Firma garantiert allerdings nur eine Dichtigkeit von bis zu drei Monaten, länger wäre gefährlich. Sollte es zum Platzen kommen, würde der schlaffe Ballon über den Darm abgehen und dort einen Verschluss bewirken. Die schwerwiegendste Komplikation würde entstehen, wenn der Ballon noch vor Eintritt in den Magen (in der Speiseröhre) aufgeblasen würde.

Im Interview:

Prof. Dr. Thomas Hinterleitner, Gastroenterologie, Zürich

www.medical-one.de

Contra: Das kann zu Verletzungen führen – Was der Facharzt zu diesem Fall sagt

Wie funktionierten Magenballons bisher?

Erst wird eine Magenspiegelung gemacht, und nur wenn diese unbedenklich aussieht, darf der Magenballon eingesetzt werden. Ein konventioneller Magenballon ist mit 700 ml farbigem Wasser gefüllt, bleibt sechs Monate im Körper, und die Behandlung wird von Personal Coaches und Ernährungsberatern begleitet.

Was ist das Problem mit der neuen Methode?

Der neue wird ganz unkompliziert geschluckt. Das klingt praktisch, ist aber gefährlich. Ohne vorige Magenspiegelung kann nicht abgesichert werden, dass es keine Entzündungen oder Geschwüre im Magen gibt. Dann ist der neue Ballon mit Gas statt Wasser gefüllt. Heißt: Wenn ein altmodischer Ballon im Magen kaputtgeht, wird das gefärbte Wasser ausgeschieden und der Patient ist sofort alarmiert. Platzt aber der neue, kann es zu einer kleinen Explosion kommen. Die Magenwände können beschädigt werden, und der Patient merkt es vielleicht nicht einmal. Die leere Hülle kann dann einen Darmverschluss erzeugen. Außerdem fasst er nur 250 ml und bleibt viel kürzer im Körper. Zum Abnehmen zu wenig.

Also den Magenballon lieber nicht testen?

Alle Methoden, die neu sind, können sich später als gut herausstellen, aber in diesem Fall wissen wir einfach noch zu wenig. Ich würde allen Patienten abraten, den Magenballon auszuprobieren, solange wir nicht wissen, wie gefährlich das enden kann.

Im Interview:

Prof. Klaus Plogmeier, Plastischer und Ästhetischer Chirurg, Berlin

www.gastropraxis-hinterleitner.ch

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