Trüber Urin: Das können die Ursachen sein

Eine starke Trübung des Urins muss nicht sofort mit einer ernsthaften Erkrankung zusammenhängen. Trüber Urin ist auch ein typisches Symptom einer Blasenentzündung. Auch Schwangere bemerken beim Wasserlassen häufig eine Harntrübung. Was dahinter steckt, erklärt unser Experte, Urologe Dr. med. Christoph Pies.

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Urin kann laut dem Dr. Pies eine breite Farbpalette annehmen, angefangen bei farblos über dunkelbraun bis hin zu sogar schwarz. Normalerweise ist Urin jedoch hellgelb bis bernsteinfarben und transparent. Plötzliche Veränderungen in Farbe und Konsistenz weisen mitunter auf Infektionen und Erkrankungen hin, so auch trüber Urin.

Trüber Urin oft durch Blasenentzündung

“Eine Trübung kann auf eine Blaseninfektion hindeuten. Hier sind Frauen jedoch deutlich anfälliger als Männer”, so der Experte. Neben trüben Urin, der in diesem Fall durch eine vermehrte Ausscheidung von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) bedingt ist, kommt es bei einem Harnwegsinfekt auch zu Harndrang sowie zu Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen. Es kann sich infolgedessen bei der optischen Trübung auch um Blut im Urin handeln. Das ist ein Zeichen dafür, dass die bakterielle Infektion die Nieren erreicht hat. Spätestens dann sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, damit keine dauerhaften Nierenschäden entstehen.

Sehr hohe Leukozywerte im Urin können auch ein Zeichen für Pilzinfektionen, Genitalherpes und Chlamydien sein.

Trüber Urin: Mögliche Ursachen

Harnwegsinfekte sind häufige, aber nicht die einzigen Ursachen für trüben Urin. So kann sowohl eine pflanzlich basierte Ernährung als auch ein hoher Fleischkonsum für die Trübung verantwortlich sein. In beiden Fällen scheidet der Körper vermehrt Stoffe aus, die den Urin trüben: Viele pflanzliche Lebensmittel enthalten Phosphate, während in Fleisch Kalzium und Purine stecken. Letztere werden in Harnsäure umgewandelt, die milchigen Urin zur Folge hat.

Wenn der Körper Eiweiße ausscheidet, kann sich das ebenfalls in eine Harntrübung äußern. Dahinter kann ein Nierenschaden stecken. Der Körper schwemmt Proteine jedoch auch vemehrt bei starkem psychischem Stress und hoher körperlicher Belastung aus. Befindet sich das Eiweiß Albumin im Urin, weist das auf eine durch Diabetes ausgelöste Nierenschädigung hin.

Selten würde laut Dr. Pies auch Lymphflüssigkeit im Urin auftreten und diesen weißlich-trüb verfärben. Als Auslöser kommen Tumore und Infektion mit Parasiten in Betracht.

Trüber Urin bei Mann und Frau: Ursachen sind unterschiedlich

Die Ursachen von trübem Urin fallen durchaus geschlechtsspezifisch aus. Bei Männern kann eine Urintrübung auftreten, wenn eine Prostataentzündung (Prostatitis) vorliegt. Genauso möglich ist eine gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie), durch die der Abfluss des Urins aus der Blase gestört wird. 

Trüber Urin ist allerdings überwiegend ein Frauenproblem. Denn Frauen sind aufgrund ihrer kurzen Harnröhre anfälliger für eine Blasenentzündung, die oftmals mit einer Harntrübung einhergeht. Bakterien gelangen dann leichter aus dem Darm in Richtung Harnröhre.

Ursachen von trübem Urin im Überblick
  • Blasenentzündung (Zystitis)

  • Nierenerkrankung

  • Entzündung der Prostata (Prostatitis)

  • Diabetes mellitus

  • sexuell übertragbare Krankheiten (z.B Genitalherpes, Chlamydien)

  • Parasiten-Infektion

  • Tumor

  • Schwangerschaft

  • Pflanzliche Ernährung

  • Hoher Fleischkonsum

  • Körperlicher und emotionaler Stress

Trüber Urin in der Schwangerschaft

Viele Frauen bemerken in ihrer Schwangerschaft eine Veränderung ihres Urins. Das Schwangerschaftshormon hCG kann ihn beispielsweise stark gelb färben, ihn einen süßlichen Geruch annehmen oder ihn trüb werden lassen. Trüber Urin in der Schwangerschaft kann harmlos sein und etwa mit einer veränderten Ernährungsweise zusammenhängen, zum Beispiel durch den vermehrten Verbrauch von Milchprodukten.

Es kann sich bei Schwangeren aber auch um eine Blasenentzündung handeln. Die hormonelle Umstellung während der Schwangerschaft führt zu einer Weitung der Harnwege, weshalb Bakterien schneller in die Blase aufsteigen können. Sollte es in der Schwangerschaft zu einem Harnwegsinfekt kommen, muss diese schnell behandelt werden, um Komplikationen zu vermeiden (z.B. Blasensprung, Frühgeburt).

Wenn sich der Urin färbt, kann es sich auch um eine Schwangerschaftsvergiftung (Gestose) handeln. Dabei kommt es unter anderem zu einem gefährlichen Anstieg des Blutzuckers. Sichtbar wird das etwa auch durch eine Eiweißansammlung im Urin bzw. eine Harntrübung. Jede Veränderung des Urins in der Schwangerschaft sollte daher immer einem Arzt vorgestellt werden. 

Urin trüb: Wann zum Arzt?

Wie bei anderen Urinveränderungen gilt auch hier: “Nur bei anhaltender Trübung, Begleitbeschwerden wie Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen in der Nierenregion oder auffälligem Teststreifen-Befund ist ein Arztbesuch nötig”, sagt Pies. Teststreifen sind in Apotheken erhältlich und können einfach zu Hause angewendet werden. Sobald der trübe Urin langfristig oder regelmäßig auftritt, sollte ein Arzt die Ursache herausfinden.

Unser Experte: Dr. med. Christoph Pies ist als Urologe und als Buchautor tätig. "Was passiert beim Urologen? Das Enthüllungsbuch für Sie und Ihn."