Was bedeutet gelber Auswurf?

Verena Elson Medizinredakteurin

Wenn Husten von gelbem oder grünem Auswurf begleitet wird, schließen viele daraus, dass es sich um eine bakterielle Infektion handeln muss. Stimmt das oder ist das nur ein Mythos? Wie beunruhigend ist gelber Auswurf wirklich?

Eine Frau steht im Freien und hustet
Bei produktivem Husten wird Schleim abgehustet – dieser kann gelblich verfärbt sein Foto:  iStock/nensuria
Inhalt
  1. Gelber Auswurf: Hinweis auf bakterielle Infektion?
  2. Thymian häufig besser als Antibiotika bei Husten mit Auswurf
  3. Gelber Auswurf: Wann zum Arzt?

Husten mit Auswurf entsteht, wenn die Bronchien aufgrund eines Infekts vermehrt Sekret produzieren. Der Körper versucht dann, den Schleim durch Husten wieder loszuwerden. Meist ist dieser Schleim klar oder weißlich – er kann sich aber auch gelb oder grün verfärben.

 

Gelber Auswurf: Hinweis auf bakterielle Infektion?

Lange Zeit galt die Theorie, dass gelber oder grüner Auswurf ein sicheres Zeichen für eine bakterielle Infektion sei – viele Ärzte verschrieben ihren Patienten allein aufgrund der Auswurffarbe Antibiotika. In den vergangenen Jahren fanden Wissenschaftler aber heraus, dass diese keineswegs ein sicheres Diagnosekriterium ist. Eine 2009 veröffentlichte Analyse von 241 Auswurfproben ergab, dass nur ein kleiner Teil der untersuchten Proben mit gelb oder grün verfärbtem Schleim auf eine bakterielle Infektion zurückzuführen war. Auch virale Infekte können Auswurf in diesen Farben verursachen.

Dass der Griff zum Antibiotikum allein aufgrund von gelbem oder grünem Auswurf zu voreilig ist, zeigte auch eine 2009 veröffentlichte Studie zum Thema Einsatz von Antibiotika bei Bronchitis von Forschern aus Cardiff in Großbritannien: Demnach gibt es zwischen den europäischen Ländern große Unterschiede bezüglich der Häufigkeit der Antibiotikaverschreibungen bei einer akuten Bronchitis. Schaut man sich jedoch die Genesungszeit der Patienten an, spiegeln sich diese Unterschiede darin nicht wider. Das heißt, mit und ohne Antibiotikum ist etwa die gleiche Genesungszeit zu erwarten.

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Thymian häufig besser als Antibiotika bei Husten mit Auswurf

Handelt es sich um einen ansonsten gesunden Patienten, können pflanzliche Medikamente wie Präparate mit Thymian eine bessere Wirkung zeigen, wie eine 2006 veröffentlichte Studie zu Phytopharmaka bei Bronchitis zeigte. Bei diesen Medikamenten bleiben dem Patienten zudem Nebenwirkungen wie Übelkeit, Darmbeschwerden oder Hautausschläge erspart, die bei der Einnahme von Antibiotika nicht selten sind.

Anders ist das, wenn zu dem Husten andere Symptome wie etwa Fieber dazukommen und der Verdacht einer Lungenentzündung besteht – dann sollten unbedingt Antibiotika zum Einsatz kommen. Auch bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem oder speziellen Vorerkrankungen können Antibiotika angeraten sein. 

 

Gelber Auswurf: Wann zum Arzt?

Dauert der Husten länger als zwei bis drei Wochen an oder gesellen sich weitere Symptome wie Fieber oder Atemnot hinzu, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Dasselbe gilt, wenn sich der Auswurf rot oder braun verfärbt – diese Auswurffarben können auf eine Erkrankung wie eine Lungenentzündung oder COPD hinweisen und sollten schnellstmöglich medizinisch abgeklärt werden.

Quellen:
Lungenärzte im Netz: Antibiotika sind zur Behandlung einer Bronchitis meistens nicht erforderlich.

Ärztezeitung: Auch gelb- oder grünliches Sputum ist kein Grund, gleich zu Antibiotika zu greifen.

Kemmerich, B., Eberhardt, R., & Stammer, H. (2006): Efficacy and tolerability of a fluid extract combination of thyme herb and ivy leaves and matched placebo in adults suffering from acute bronchitis with productive cough, in: Arzneimittelforschung.

Altiner, A. et al. (2009): Sputum colour for diagnosis of a bacterial infection in patients with acute cough, in: Scandinavian journal of primary health care.

Butler, C. et al. (220): Variation in antibiotic prescribing and its impact on recovery in patients with acute cough in primary care: prospective study in 13 countries, in: Bmj.
 

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