Warum zuckt mein Baby im Schlaf?

Phyllis Kuhn
Schlafendes Baby
Ein wichtiger Teil der Entwicklung Ihres Babys findet im Schlaf statt. © Fotolia

„Wie süß, es träumt gerade!“ Tatsächlich zucken Babys aber aus einem anderen Grund im Schlaf. PraxisVITA kennt die Ursache.

Wer einen Säugling schon mal beim Schlafen beobachtet hat, weiß: Die Kleinen zucken im Schlaf oft zusammen, greifen mit den Händen nach unsichtbaren Verlockungen oder wackeln mit den Zehen. Was augenscheinlich wie ein besonders aufregender Traum wirkt, könnte in Wirklichkeit großen Einfluss auf die motorische Entwicklung des Babys haben. US-amerikanische Forscher haben das Zucken unter die Lupe genommen. Die Wissenschaftler um Mark Blumberg von der Abteilung Psychologie und Neurowissenschaften an der University of Iowa gehen davon aus, dass durch das unbewusste Zucken während der REM-Schlafphase Schaltkreise im Gehirn des Säuglings aktiviert werden, die das Baby mit seinen Gliedmaßen und deren Funktionen vertraut machen.

 

Verbindungen zwischen Zucken und sensomotorischen Fähigkeiten

„Wir fangen an faszinierende Verbindungen zwischen dem Zucken und der Entwicklung bestimmter Fähigkeiten des Babys zu beobachten“, erklärt Blumberg in einer Mitteilung seiner Hochschule. Und tatsächlich scheinen die Zuckungen vorherzusagen, welche motorische Fähigkeit das Baby als nächstes entwickeln wird: „Sobald die Kinder in der Lage sind, ihren Kopf selbst zu halten, während sie wach sind, nimmt der Anteil an Zuckungen in diesem Bereich ab“, erklärt Greta Sokoloff, eine Wissenschaftlerin, die ebenfalls an der Forschung beteiligt war. Auch Zuckungen in den Fingern und Handgelenken könnten vor allem dann beobachtet werden, wenn Babys beginnen, nach Dingen zu greifen. „Wir suchen jetzt nach Verbindungen wie dieser, um möglicherweise Zuckungen zu nutzen, um die Entwicklung neuer motorischer Fähigkeiten vorherzusagen und vielleicht in Zukunft Probleme in der Entwicklung eines Babys aufzuspüren“.

 

Sagen verminderte Zuckungen Autismus vorher?

Besonders eine Erkrankung rückt nun in den Fokus der Forscher: Autismus. Bei dieser Entwicklungsstörung scheint neben der sozialen und emotionalen Entwicklung auch der Bewegungsapparat eingeschränkt zu sein. „Obwohl dies oft übersehen wird, treten bei diesen Störungen wesentliche Probleme in der Sensomotorik auf“, erklärt Blumberg. Haben autistische Kinder als Säuglinge im Schlaf eventuell nicht gezuckt? Auch diese Vermutung sollte Eltern davor warnen, ihre Säuglinge zu pucken, also zu fest einzuwickeln. Diese Technik wird häufig angewendet, damit Babys tiefer schlafen und nicht durch unkontrollierte Zuckungen (den sogenannten Moro-Reflex = ruckartiges Strecken der Arme und Spreizen der Finger) aus dem Schlaf gerissen werden. Genau dieser Reflex ist aber offenbar wichtig für die Entwicklung des Babys.

 

Auch Muskeln von Erwachsenen justieren sich nach

Zudem vermuten die Wissenschaftler, dass die Zuckungen im Schlaf nicht nur die Entwicklung von Babys betreffen. Tatsächlich scheinen auch Erwachsene davon zu profitieren. Blumberg vermutet, dass auch ausgewachsene Körper durch das Zucken im Schlaf ihr sensomotorisches System nachjustieren. „Wir nehmen zu, wir nehmen ab, wir machen Krafttraining und erlernen neue Fähigkeiten“, so Blumberg. „All diese Dinge erfordern eine erneute Kalibrierung unseres sensomotorischen Systems“.

Wenn Sie Ihr Baby beim nächsten Mal beobachten, während es im Schlaf die Hände nach oben reißt, können Sie sicher sein, dass Ihr Baby gerade wieder fleißig Bewegungen lernt. Dass die Kleinen, während sie sich mit ihrem Bewegungsapparat vertraut machen, einen süßen Traum haben, ist natürlich nicht auszuschließen.

Hamburg, 07. September 2016

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