Warum wird mir beim Fernsehen schwindelig?

Cybersickness führt zu Schwindel und Übelkeit
Fernsehen bis der Arzt kommt: 50-80 Prozent leiden mindestens ein Mal im Leben an der sogenannten Cybersickness, die Schwindel und Übelkeit hervorruft © Fotolia

Beim Fernsehschauen wird Ihnen schwindelig und übel? Dann sind Sie möglicherweise von der sogenannten Cybersickness betroffen! Was es damit auf sich hat und ob Sie etwas dagegen tun können, erfahren Sie hier.

Nach zehn Minuten ist der Spaß schon wieder vorbei. Ganz egal, wie groß die Vorfreude auf die neue Serie gewesen ist. Stattdessen wird man von Übelkeit und Schwindel geplagt, als befände man sich bei Windstärke 10 auf einem Schiff mitten auf dem Atlantik. Cybersickness heißt das Phänomen, das auch als digitale Bewegungskrankheit bekannt ist und viele Fernsehfans betrifft.

Die Symptome erinnern an die Reiseübelkeit: Blässe, Müdigkeit, Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen sind besonders häufig. Anders als bei der Reiseübelkeit findet bei der Cybersickness keine Bewegung statt. Sie wird durch ein Ungleichgewicht der Sinneseindrücke hervorgerufen, erklärt Steven Rauch, Ärztlicher Direktor der Massachusetts Eye and Ear Balance und Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School.

"Ihr Gleichgewichtssinn unterscheidet sich von den anderen Sinnen, da er von verschiedenen Reizen beeinflusst wird", sagte er gegenüber der New York Times. "Wenn diese Reize nicht zusammenpassen, empfinden Sie Schwindel und Übelkeit. Es ist eine natürliche Reaktion auf eine unnatürliche Umgebung."

 

Wenn digitale Bilder den Körper verwirren

Bei der Reiseübelkeit entsteht ein Ungleichgewicht im Körper, weil Sie die Bewegungen in Ihren Muskeln und Gelenken sowie im Innenohr fühlen, diese aber nicht sehen. Bei der Cybersickness ist es jedoch umgekehrt. Die digitalen Bilder verwirren den menschlichen Körper. Sie sehen Bewegungen im Fernsehen – z.B. eine Verfolgungsjagd – aber Sie können sie nicht fühlen. Das Ergebnis ist das gleiche: Sie fühlen sich mulmig.

Cybersickness kann jeden treffen – auch diejenigen, die nicht anfällig für Reiseübelkeit sind. Studien gehen davon aus, dass 50 bis 80 Prozent bereits mit der digitalen Bewegungskrankheit in Berührung gekommen sind. Frauen sind besonders häufig davon betroffen, genauso wie Menschen, die unter Migräne leiden oder bereits eine Gehirnerschütterung erlitten haben. Oft sind die ersten Symptome der Cybersickness gering ausgeprägt. Betroffene wissen daher häufig nicht, dass sie unter der Krankheit leiden und machen eine Magenverstimmung, Stress oder eine Überanstrengung der Augen für die Beschwerden verantwortlich.

 

3D-Kino führt zu Übelkeit und Kopfschmerzen

Doch Cybersickness ist nicht das einzige unbekannte digitale Phänomen. Auch 3D-Filme und Videospiele können Schwindel und Übelkeit hervorrufen. Jeder vierte Zuschauer hat während oder nach dem dreidimensionalen Kinovergnügen Probleme: Übelkeit, verminderte Sehfähigkeit, Kopfschmerzen und Schwindel sind die häufigsten negativen Begleiterscheinungen. Auch PC- und Konsolenspiele können Schwindel hervorrufen. "Je realistischer etwas ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie an der Cybersickness erkranken ", betont Thomas Stoffregen gegenüber der NYT, Professor für Kinesiologie an der Universität von Minnesota.

Experten gehen davon, dass das Problem nur mit gezieltem Training verbessert werden kann. Schauen Sie daher einen Film in kurzen Schüben, bis die ersten Symptome auftreten. Machen Sie dann eine Pause und wiederholen Sie diese Tätigkeit in bestimmten Zeitabständen. Bei Reality-Videospielen haben Experten bereits einen Trick angewandt: Sie haben einen kleinen, durchsichtigen Fixpunkt in die Mitte des Bildschirms eingebaut, der Cybersickness verringern soll. "Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass ein solcher Fixpunkt die Augenbewegung minimiert und so Desorientierung und Cybersickness verringern kann", so Psychologe Behrang Keshavarz gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Hamburg, 16. November 2016

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