Warum wir nie im Gehen essen sollten

Zwei Männer essen im Gehen
Im Gehen zu essen macht dick, zeigt eine aktuelle britische Studie © Shutterstock

Wer im Gehen isst, langt kräftiger zu – so lautet das Ergebnis einer aktuellen britischen Studie. Praxisvita erklärt, warum das Essen im Gehen sogar noch dicker macht als Snacks vor dem Fernseher.

Essen im Gehen führt dazu, dass wir über den Tag verteilt mehr Kalorien aufnehmen – und der Effekt ist deutlich stärker als bei anderen Arten der Ablenkung wie Fernsehen oder ein Gespräch mit Freunden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der University of Surrey in England.

An dem Experiment nahmen 60 Frauen teil, die abnehmen wollten. Die Probandinnen wurden in drei Gruppen eingeteilt und jede bekam einen Müsliriegel. Die Teilnehmerinnen in Gruppe eins sahen einen fünfminütigen Ausschnitt der Sitcom „Friends“, während sie den Riegel aßen, Gruppe zwei sollte während des Essens einen Gang hinunterlaufen und die Frauen in Gruppe drei saßen einer Freundin gegenüber und unterhielten sich.

 

Wer beim Gehen isst, nimmt später mehr zu sich

Anschließend sollten die Probandinnen vier verschiedene Snacks auf ihren Geschmack testen – Schokolade, Möhren, Trauben und Chips. Von allem durften sie so viel essen, wie sie wollten. Nachdem sie den Raum verlassen hatten, wurde erfasst, wie viel sie gegessen hatten.

Das Ergebnis: Die Frauen aßen mehr Snacks, wenn sie beim Verzehr des Müsliriegels den Gang hinuntergelaufen waren. Besonders bei der Schokolade langten sie kräftiger zu: Davon nahmen sie im Schnitt fünfmal so viel zu sich wie die anderen Studienteilnehmerinnen.

 

15 Schritte für eine Kalorie

Wer jetzt denkt, das vermehrte Essen käme daher, dass vorher Kalorien verbrannt wurden, liegt falsch: Denn wer 15 Schritte geht, verbrennt gerade mal eine Kalorie. Bei einem Gang durch den Flur verbrannten die Frauen demnach nicht einmal die Kalorienmenge, die in einer Erdnuss steckt (etwa 6 Kalorien).

Stattdessen liegt die Ursache im Gehirn: „Im Gehen zu essen, scheint Menschen dazu zu bringen, im weiteren Tagesverlauf mehr zu essen“, sagt Studienautorin Prof. Jane Ogden. „Das könnte daran liegen, dass Gehen eine starke Form der Ablenkung ist. Die stört unsere Fähigkeit, die Auswirkung, die das Essen auf unseren Hunger hat, zu verarbeiten.“ Das Gehirn registriert also gar nicht richtig, dass Nahrung aufgenommen wurde.

Die Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass auch andere Arten der Ablenkung während des Essens – wie die Arbeit am Schreibtisch – zu Gewichtszunahme führen können. Prof. Ogden: Wenn wir uns nicht ganz auf unsere Mahlzeit und den Vorgang des Essens konzentrieren, geraten wir in die Falle des stumpfsinnigen Essens und nehmen gar nicht mehr wahr, was wir essen.“

Hamburg, 20. August 2015

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