Warum wir beim Küssen die Augen schließen

Verena Elson
Ein Paar küsst sich mit geschlossenen Augen
Das Gehirn ist nicht in der Lage, optische Informationen gleichzeitig mit den Sinnesreizen beim Küssen zu verarbeiten – darum schließen die meisten Menschen beim Küssen die Augen, zeigt eine Studie © Fotolia

Ein Kuss mit geschlossenen Augen: der Inbegriff von Leidenschaft und Romantik? Nein, sagen britische Forscher – in Wahrheit steckt ein ganz anderer Grund dahinter.

Die wissenschaftliche Antwort auf die Frage, warum die meisten Menschen mit geschlossenen Augen küssen, lautete bisher: weil es kaum möglich ist, das Gesicht des Partners aus dieser Nähe zu fokussieren.

Das Team um Polly Dalton und Sandra Murphy an der University of London widmete sich dem „blinden Kuss“ in einer aktuellen Studie und fand den wahren Grund heraus, warum wir beim Küssen die Augen schließen: andernfalls wäre unser Gehirn schlicht überfordert. Die Studie wurde im „Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance“ veröffentlicht.

 

Optische Reize stören den Tastsinn

Die Forscher schreiben: „Das Tastempfinden hängt von der Menge wahrgenommener Sinnesreize bei einer gleichzeitigen visuellen Aufgabe ab.“ Das heißt: Wer beim Küssen das Gesicht seines Gegenübers betrachtet, nimmt den Kuss weniger intensiv wahr.

Das Experiment der Wissenschaftler beinhaltete jedoch keine küssenden Menschen. Stattdessen ließen sie Probanden visuelle Aufgaben lösen, während sie gleichzeitig etwas mit den Händen ertasten mussten. Dabei zeigte sich, dass die Fähigkeit, haptische Reize wahrzunehmen, desto stärker abnahm, je komplexer die zu lösende Aufgabe war.

„Diese Ergebnisse könnten erklären, warum wir unsere Augen schließen, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf andere Sinne lenken wollen“, erklärt Studienleiterin Polly Dalton. „Wenn wir uns vor dem visuellen Input verschließen, haben wir mehr mentale Ressourcen, um uns auf andere Aspekte unserer Existenz zu konzentrieren.“

 

Nicht jeder schließt beim Küssen die Augen

Übrigens: Studien zeigen, dass nicht alle Menschen beim Küssen die Augen schließen. Während 97 Prozent der Frauen diese Art des Kusses bevorzugen, tun das unter den Männern nur 30 Prozent. Das erklärt vielleicht auch, warum Männer weniger anspruchsvolle Küsser sind: Die meisten von ihnen sind mit der Kuss-Kunst ihrer Partnerin zufrieden, Frauen dagegen fehlt oft etwas Leidenschaft im Kuss des Partners. Das könnte laut den aktuellen Forschungsergebnissen daran liegen, dass der Großteil der Männer beim Knutschen einfach nicht richtig bei der Sache ist.

Doch ob mit geöffneten Augen oder geschlossenen, Küssen ist gesund! Wie es die Gesundheit fördert und weitere interessante Fakten zum Thema finden Sie in unserer Bildergalerie.

Hamburg, 21. März 2016 

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