Warum wir bei Stress mehr Kaffee trinken sollten

Koffein kann die Folgen von chronischem Stress mindern
Koffein kann die Folgen von chronischem Stress mindern © Fotolia

Sie leiden ständig unter Stress? Dann sollten Sie mehr Kaffee trinken. Denn Koffein hält nicht nur wach – es schützt auch vor stressbedingten Gedächtnisproblemen, Angststörungen und Depressionen. Wie das funktioniert? Wir verraten es.

Gelegentlicher Stress ist positiv. Befindet sich der Körper allerdings in andauernder Alarmbereitschaft, fühlt sich der Mensch leer und ausgebrannt. Und dieser Dauerstress hat Folgen: er senkt die Konzentrationsfähigkeit, fördert Depressionen und Ängste und erhöht die Burn-Out-Gefahr. In Stresssituationen greifen immer mehr Menschen zu Kaffee. Jetzt legt eine kürzlich im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlichte Studie mit Mäusen nahe, dass das Aufputschmittel nicht nur wach macht, sondern imstande ist, Stressfolgen zu mindern. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der Universität von Coimbra in Portugal.

 

Weniger Stresssymptome nach Koffein

In ihrer Studie setzten die Wissenschaftler die Mäuse drei Wochen lang unter Stress: Die Tiere mussten ein Labyrinth durchqueren, in einem Becken schwimmen und wurden am Schwanz in die Höhe gehoben. Die Dosis lag bei einem Gramm pro Liter. Infolgedessen nahmen die Mäuse weniger zu, sie wirkten hilflos und ängstlich, konnten sich schlechter orientieren und hatten mehr Stresshormone im Blut. Wurde ihr Trinkwasser mit Koffein versetzt, ging es ihnen hingegen deutlich besser. Ihre Stresssymptome waren erheblich schwächer ausgeprägt: Sie waren weniger ängstlich und erzielten bessere Ergebnisse bei den Gedächtnistests.

 

Kaffee blockiert Rezeptor im Gehirn

Verantwortlich für diesen schützenden Effekt machen Forscher den Adenosin-Rezeptor A24R – eine Andockstelle im Gehirn, die Stresssymptome hervorruft. Dauerstress sorgt dafür, dass an den Verbindungsstellen der Nervenzellen (Synapsen) mehr Adenosin-Rezeptoren gebildet werden. Vor allem im Hippocampus – der für das Gedächtnis und Lernen zuständig ist – funktionieren die Synapsen dann nicht mehr richtig. Koffein hemmt offensichtlich jene Mechanismen im Gehirn, die bei chronischem Stress vergesslich und ängstlich machen, indem es an den Rezeptor A24R andockt und so diese Stressreaktion blockiert. Die Forscher vermuten, dass diese Erkenntnis auch für die Stresstherapie beim Menschen neue Ansätze eröffnet, da regelmäßiger Kaffeegenuss Dauerstress-bedingten psychischen Störungen vorbeugen könnte.

Hamburg, 9. Juni 2015

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