Warum wir auf dem Stepper lesen sollten

Eine Frau liest auf dem Hometrainer
Beim Training ein Buch lesen und dadurch mehr Gas geben – das funktioniert, zeigt eine aktuelle US-Studie © Shutterstock

Multitasking führt dazu, dass wir keine Aufgabe richtig ausführen – so lautet die gängige Meinung. Doch auf Fitnesstraining trifft das laut einer aktuellen US-Studie nicht zu. Im Gegenteil – geistige Tätigkeit lässt uns sogar energischer trainieren.

Ursprüngliches Ziel der Studie von Wissenschaftlern an der University of Florida war es, die Koordinationsfähigkeiten von älteren Menschen mit und ohne Parkinson zu testen.

Dazu ließen sie 28 Parkinson-Patienten und 20 gesunde Probanden mentale Tests absolvieren, während sie in einem stillen Raum saßen. Anschließend wurden die Tests wiederholt – doch dieses Mal trainierten die Probanden währenddessen auf einem Fahrrad-Ergometer. Der Schwierigkeitsgrad der Tests variierte. Während des Experiments überwachten die Forscher die Geschwindigkeit, mit der die Studienteilnehmer in die Pedale traten.

 

Unerwarteter Multitasking-Effekt

„Jede Multitasking-Studie, die ich kenne, zeigt, dass man in beidem schlechter abschneidet, wenn man zwei Dinge auf einmal tut“, sagt Studienautor Dr. Lori Altmann. „Jeder kennt das: Man ist in Eile – dann zieht die Person, die vor einem läuft, ihr Handy aus der Tasche und wechselt plötzlich ins Schneckentempo. Ehrlich gesagt: Das war es, was wir auch bei unserer Studie erwartet hatten.“

 

Mentale Aufgaben erhöhen Tretgeschwindigkeit

Stattdessen passierte das Gegenteil: Die Ergebnisse der mentalen Tests waren bei beiden Durchgängen vergleichbar – doch die Geschwindigkeit, mit der die Probanden trainierten, stieg, sobald sie mit den kognitiven Aufgaben begannen. Das beste Trainingsergebnis erzielten sie mit den leichtesten Gedächtnisaufgaben: Dabei traten die Studienteilnehmer im Schnitt um 25 Prozent schneller in die Pedale. Wurden die Aufgaben schwieriger, verlangsamte sich die Tretgeschwindigkeit der Probanden. Doch selbst die schwerste Aufgabe versetzte sie nur zu dem Tempo zurück, mit dem sie vor Beginn der mentalen Tests trainiert hatten.

„Als die Teilnehmer die einfachen Aufgaben lösten, legten sie sich richtig ins Zeug, und das merkten sie noch nicht mal“, sagte Dr. Altmann. „Es war, als ließen die kognitiven Tests sie vergessen, dass sie Fahrrad fuhren.“

Als Grund für die ungewöhnliche Entdeckung vermuten die Forscher das Zusammenwirken verschiedener Botenstoffe im Gehirn, die für Bewegung und das Erfüllen geistiger Aufgaben zuständig sind.

Die Parkinson-Patienten radelten insgesamt langsamer und beschleunigten nicht so sehr wie die gesunden Probanden – laut Annahme der britischen Wissenschaftler liegt das daran, dass wichtige Botenstoffe wie Dopamin bei Parkinson-Patienten nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind.

Hamburg, 5. Juni 2015

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