Warum wir alle Diäten vergessen können – und die Weisheit unseres Körpers neu entdecken sollten

Redaktion PraxisVITA

Eine neue Generation von Ernährungsforschern hat erkannt: Nur, wenn wir so viel essen, wie wir wirklich brauchen, nehmen wir auch nachhaltig ab. Denn unser Körper weiß genau, was und wie viel er benötigt, um satt, zufrieden und gesund zu sein. Doch wir haben es verlernt, seine Signale richtig zu deuten. Indem wir achtsam essen, hören wir auf diese Körperweisheit – und erreichen ganz in Ruhe unser Wohlfühlgewicht.

Seien wir ehrlich: Die meisten von uns wissen, wie eine gesunde Ernährung aussieht. Was und wie viel wir essen und worauf wir lieber verzichten sollten. Warum fällt es uns dennoch so schwer, sie durchzuhalten? Vielleicht, weil wir regelmäßig überschwemmt werden mit neuen Erkenntnissen über die „Jetzt-aber-wirklich-ultimative-besteund- gesündeste“-Diät. Raw Food ja, Weizen nein, Vollkorn vielleicht, Low Carb, High Fat – ein allgemeingültiges Rezept, was nun wirklich für jeden gut und gesund ist, scheint niemand zu haben. „Darüber streiten sich nicht nur Laien, sondern auch Fachleute“, bestätigt Roland Schweppe. Der Gründer des Instituts für achtsames Essen. Er verfolgt ein Konzept, das auf den ersten Blick einfach scheint: „Statt auf unseren Kopf sollten wir besser auf unseren Körper hören, denn er ist der einzige, der wirklich weiß, was wir brauchen.“

Abnehmen ohne Diät
Diäten eignen sich nicht für langfristige Gewichtsabnahmen – was wirklich hilft, weiß unser Experte© iStock

Aber was soll denn jetzt so schlimm sein an Diäten?

Dinge, die uns belasten für eine Zeit lang weglassen – das klingt doch erst einmal vernünftig. Ist aber leider keine Dauerlösung, merkt Schweppe an, „Mal ehrlich: wer macht schon gerne eine Diät? Sie spricht nur den Kopf an: Du solltest weniger … Du musst mehr … Aber der Genuss bleibt dabei auf der Strecke.“ Auch die Wissenschaft bestätigt die Wirksamkeit des achtsamen Essens: Mehrere Studien, unter anderem der Universität Harvard, haben ergeben, dass auf diese Weise zwanghaftes Essverhalten („binge eating“) nicht nur deutlich reduziert werden konnte. Auch damit einhergehende Depressionen wurden gemildert, einfach weil die Probanden mehr Spaß am Essen hatten. Zudem standen sie nicht mehr unter dem Druck, ihr Essverhalten ständig kontrollieren zu müssen. Das Resultat: Entspanntes Essen, das automatisch entspannte Gewichtsreduktion mit sich brachte. Auch Roland Schweppe macht ganz unmissverständlich klar: „Diäten machen Essen zum Feind. Dabei ist Nahrung für unseren Körper der Verbündete und der Schlüssel zu einem gesunden Leben. Verzicht stresst uns nicht nur, er verdirbt uns zudem die Lust und die Entspannung, die wir normalerweise beim Essen erfahren.“ Diäten, wenn sie denn überhaupt funktionieren, haben nur kurzfristigen Erfolg.

Merkst du noch was? Warum wir mehr auf unser Essen achten sollten

Aber welche Faktoren sind es denn, die uns unbewusst ungesund oder zu viel essen lassen? „Wir essen oft in Eile, wir essen, während wir abgelenkt sind – zum Beispiel durch Handy, Zeitungen oder unerfreuliche Diskussionen am Tisch“, so der Experte. „Wir essen im Stehen oder Gehen oder essen, weil wir eigentlich traurig oder frustriert sind, was wir unbewusst mit Nahrung auszugleichen versuchen. Letztlich geht es jedoch immer nur um eines: Wenn wir unachtsam sind und nebenbei essen, befinden wir uns im „Autopilot-Modus“ – dann merken wir gar nicht, dass oder was wir essen.“

Achtsam essen
Wichtig ist, sich beim Essen Zeit zu nehmen und es zu genießen© iStock

Achtsam zu essen, macht dabei den alles entscheidenden, ja lebensverändernden Unterschied: „Durch Achtsamkeit wachen wir auf. Wir beginnen damit, öfter einmal innezuhalten und genauer hinzusehen – oder hinzuschmecken. Mit der Zeit erkennen wir dann, was wir wirklich brauchen, um uns rundum gesättigt zu fühlen.“ Selbst spüren, wie sich das Gefühl von Hunger und Sattsein anfühlt – dass viele von uns diese so essentielle Körperwahrnehmung verloren haben, ist uns oft gar nicht bewusst. Dieses Gefühl des „Ich brauche jetzt etwas zu essen, weil mein Körper sich leer anfühlt. Und nicht, weil ich Stress habe oder gerade Mittagszeit ist.“ – Nur das ist echter Körperhunger. Und der führt uns, auch wenn es paradox klingt, nach und nach zu unserem Wohlfühlgewicht. Das bestätigt auch der Ernährungsexperte: „Wir fangen an, gesündere Dinge zu essen, da wir spüren, dass sie uns besser bekommen. Und wir merken, dass wir mit viel weniger Nahrung auskommen, als wir bisher dachten.“

Hier eine kleine Anleitung unseres Experten:

1. Setzen Sie sich zum Essen hin: Essen Sie nicht im Stehen, nicht im Gehen und nicht in Eile. Bevor Sie zu essen beginnen: Atmen Sie dreimal langsam durch, entspannen Sie den Körper.

2. Beziehen Sie nun alle Sinne mit ein: Sehen Sie Ihre Mahlzeit zunächst an, achten Sie auf die Farben und Formen. Wenn möglich – wie etwa bei einer Brotzeit oder Fingerfood – sollten Sie das Essen auch in die Hand nehmen, das Gewicht und die Temperatur der Speisen spüren.

3. Lenken Sie Ihre Achtsamkeit dann auf das Aroma, den Geruchssinn. Nehmen Sie jetzt einen Bissen in den Mund, doch beginnen Sie noch nicht zu kauen. Ertasten Sie innerlich die Speise im Mund und richten Sie die Achtsamkeit dabei auf alle Empfindungen im Mundraum.

4 Kauen Sie dann langsam und gründlich und achten Sie auf alle Geschmacksnuancen, bevor Sie den Bissen hinunterschlucken.

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