Warum wacht mein Kind nachts so oft auf?

Dr. med. Nadine Heß

Wenn das Kind nachts aufwacht und weint, kann das viele Ursachen haben. In der Regel sind diese Gründe aber harmlos, wie Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Es ist nichts Ungewöhnliches, dass Kinder nachts aufwachen. Die meisten Gründe dafür sind eher harmlos.“ © Privat
 

Das sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Gerade bei frisch gebackenen Eltern ist es völlig normal, dass man nachts sofort kerzengerade im Bett sitzt und zum Baby läuft, wenn es aufgewacht ist und schreit – egal, wie oft das in einer Nacht vorkommt. Zwar fühlen sich viele Eltern schon nach kurzer Zeit davon gestresst, aber dieser Stress hat eben auch seine Berechtigung: Er alarmiert den gesamten Körper, dass etwas der unmittelbaren Aufmerksamkeit bedarf. Trotzdem sollten Eltern sich nicht gleich Sorgen machen, wenn das Kind öfter in der Nacht wach wird und dann Aufmerksamkeit will – die Gründe dafür sind meist eher harmlos.

 

Kinder haben einen anderen Schlafzyklus als Erwachsene

Der Schlafzyklus lässt sich in drei Phasen unterteilen – zuerst kommt der leichte Schlaf, dann folgt die Tiefschlafphase und zuletzt erfolgt die sogenannte REM-Phase, in der wir träumen. Bei Babys dauert dieser Zyklus nur 45 Minuten, bei Erwachsenen ist er 90 Minuten lang. Und anders als bei Erwachsenen ist es bei Babys normal, dass sie dazwischen aufwachen. Tatsächlich ist das eine Art natürliche Schutzfunktion, damit das Kind auf sich aufmerksam machen kann, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn sich die Temperatur oder die Lichtverhältnisse im Zimmer ändern, das Kind einfach hungrig ist oder es sich wegen nasser Windeln unwohl fühlt.

Baby wacht nachts oft auf
Gerade junge Eltern sind oft gestresst, wenn das Kind nachts häufig aufwacht© Fotolia

Auch der biologische Rhythmus des Kindes spielt beim Schlafverhalten eine zentrale Rolle. Der sogenannte homöostatische Schlafdrang bestimmt, ob wir uns schläfrig fühlen. Gegen Ende des Tages kollidiert dieser mit dem Tagesrhythmus, der uns wachhält und schafft so eine Art Grauzone, die es dem Kind unmöglich macht, zu schlafen – auch wenn es eigentlich schon Schlafenszeit ist. Dieser unstete Rhythmus kann zudem dafür sorgen, dass der Schlaf unterbrochen wird. Die innere Uhr des Kindes pendelt sich erst etwa mit dem fünften Lebensjahr ein. Bis dahin ist es sinnvoll, den Tagesabschluss konsequent zu regeln: Bringen Sie das Kind zur immer gleichen Zeit ins Bett, damit es sich an feste Uhrzeiten gewöhnt. Wenn Sie merken, dass das Kind trotzdem wach und aufgekratzt ist, können Einschlafrituale helfen – lesen Sie ihm beispielsweise etwas vor.

 

Äußere Reize und die Entwicklung bestimmen den Schlaf

Gerade im ersten Lebensjahr entwickelt sich der gesamte Organismus des Babys rasant – dementsprechend braucht es auch mehr Energie, die es auch gern öfter in der Nacht durch eine Fütterung haben möchte. Zusätzlich ist ein Baby tagsüber enormen Reizen von außen ausgesetzt, die es verarbeiten muss. Das kann sich sowohl durch tägliche Schreiattacken bemerkbar machen als auch durch häufiges Aufwachen in der Nacht.

 

Wenn das Kind aus Trennungsangst aufwacht

Schon rund zwei Wochen nach der Geburt kann ein Baby das Gesicht seiner Mutter erkennen und ihre Stimme einordnen. Auch das ist eine Art Sicherung der Natur, damit das Kind die Versorgung verlangen kann, die es benötigt. Je besser es jedoch seine Bezugspersonen kennenlernt, desto größer werden auch Verlustängste. Und diese Ängste können sich nachts bemerkbar machen, besonders dann, wenn das Baby allein schläft. In der Regel wird es dadurch entweder gar nicht erst einschlafen, oder aber es wacht auf und schreit, weil es sich nach der Bezugsperson sehnt.

 

Wann ist ständiges Aufwachen ein Fall für den Kinderarzt?

Natürlich sollten Eltern ihr Kind gut beobachten, wenn es nachts häufig aufwacht. Denn schlechter Schlaf kann sich auf die Gesundheit auswirken. Bei noch sehr kleinen Kindern äußert sich zu wenig Schlaf beispielsweise durch generelle Quengeligkeit. Ältere Kinder sind tagsüber häufig unkonzentriert, apathisch, oder klagen über andauernde Müdigkeit. In diesen Fällen kann auch eine ernstere Erkrankung ein Grund für das ständige Aufwachen oder schlechten Schlaf im Allgemeinen sein. In solchen Fällen sollte ein Kinderarzt nach möglichen Ursachen für die Beschwerden suchen.

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