Warum unfruchtbare Männer öfter zur Krebsvorsorge gehen sollten

Krebsvorsorge für unfruchtbare Männer
Gerade Männer, die unfruchtbar sind, sollten besonders oft zur Vorsorge gehen. Ihr Krebsrisiko ist deutlich erhöht © Fotolia

Unfruchtbarkeit ist für viele Männer ein schwerer Einschnitt in die Lebensplanung. Doch es könnte noch schlimmer kommen: Wissenschaftler fanden jetzt heraus, dass sie auch ein größeres Risiko haben, an Krebs zu erkranken.

Wissenschaftler der Universität Stanford haben herausgefunden, dass unfruchtbare Männer ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko haben. Dazu verglichen sie die Versicherungsdaten von 76 083 unfruchtbaren Männern mit denen von 760 830 gesunden und mit einer weiteren Gruppe von 112 655 Männern, die sich einer Vasektomie unterzogen hatten.

Für die unfruchtbaren Männer fiel der Vergleich schlecht aus: Ihr generelles Risiko an Krebs zu erkranken ist im Vergleich zur Kontrollgruppe um 49 Prozent erhöht – ihr Hodenkrebsrisiko liegt sogar um 99 Prozent höher und ist damit etwa doppelt so groß wie das gesunder Männer.

Besonders bei jungen Männern tritt Hodenkrebs auf und ist in der Altersgruppe der 25 – 45-jährigen der häufigste bösartige Tumor. Darum sollten gerade Männer dieser Altersgruppe, die wissen, dass sie unfruchtbar sind, ihre Hoden regelmäßig auf Veränderungen abtasten und bei öfters eine Krebsvorsorge aufsuchen. Rechtzeitig erkannt ist das Hodenkarzinom gut heilbar. Die Wahrscheinlichkeit, fünf Jahre nach einer Diagnose noch zu leben, liegt bei über 95 Prozent.

Aber auch an folgenden anderen Krebsarten erkranken unfruchtbare Männer deutlich häufiger als gesunde: Leukämie, Prostata-, Blasen-, Haut- und Schilddrüsenkrebs sowie Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphom (Krebs der Lymphdrüsen).

 

Ursachen für höheres Krebsrisiko: Gene und Lebensstil

Da die Wissenschaftler die Daten für die Studie nicht neu erhoben haben, sondern bestehende Daten analysierten, können sie über den Zusammenhang nur spekulieren. Eine ihrer Vermutungen ist, dass die genetische Veränderung, die zur Unfruchtbarkeit führt, auch andere Bereiche des Körpers schädigt.

Sie liefern aber auch eine weitere naheliegende Erklärung: Rauchen, Übergewicht oder hoher Alkoholkonsum können zu Unfruchtbarkeit führen – sie vergrößern aber obendrein das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Eine solche Verbindung zog der Leiter der Studie, Michael Eisenberg, auch schon bei einer anderen Studie, bei der er feststellte, dass unfruchtbare Männer ein erhöhtes Herzinfarktrisiko haben. „Generell lässt sich sagen: Dinge, die schlecht fürs Herz sind, schaden auch der Fruchtbarkeit“, so der Wissenschaftler. Diese Regel lässt sich anscheinend auch auf Krebs anwenden. 

 

Krebs durch Vasektomie?

Interessant ist noch, dass auch die Männer mit einer Vasektomie im Schnitt häufiger an Krebs erkrankten, als die in der Gruppe der gesunden – zumindest scheint es so. Ihr Risiko ist im Vergleich um 22 Prozent erhöht.  Den Effekt erklärt Eisenberg jedoch durch die erhöhte Zahl von Arztbesuchen im Rahmen der Sterilisation. Dabei würden sie sehr genau untersucht. Man entdecke dann auch Krebserkrankungen, die sonst erst später bemerkt würden. In dieser Gruppe sind also mehr Krebserkrankungen bekannt, wirklich häufiger betroffen ist sie wahrscheinlich nicht.

Hamburg, 7. Januar 2015

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