Warum tränen trockene Augen besonders stark?

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung
  7. 7. Das sagt der Experte

Millionen Menschen leiden in der kalten Jahreszeit verstärkt unter „Trockenen Augen“. Dr. Amir M. Parasta, Ärztlicher Leiter des „augenzentrums“ in München, erklärt, wie man sich davor schützen und wie im Falle einer chronischen Erkrankung die innovative Lichtpuls-Therapie helfen kann.

Herr Dr. Parasta, sind trockene Augen wirklich eine Krankheit?

Ja, sie ist zwar in der Regel harmlos, aber für die Betroffenen oft sehr unangenehm. Durch eine Verminderung der Tränenbildung kommt es zu Beschwerden, die Patienten als sehr störend empfinden.

Was sind typische Beschwerden?

Typische Symptome sind rote, brennende Augen, die oft sehr schnell ermüden. Häufig klagen die Betroffenen aber auch über ein Druckgefühl im Auge oder ein Fremdkörpergefühl, ähnlich wie bei einem Sandkorn.

Warum tränen Trockene Augen oft besonders stark?

Es klingt widersprüchlich, stimmt aber: Trockene Augen tränen oft besonders stark, da die Augen mit Hilfe dieser Reaktion störende Reizungen auf der Oberfläche wegzuspülen versuchen. Denn wichtigste Aufgabe der Tränen ist es, die Augenoberfläche, insbesondere die Hornhaut, auf natürliche Weise vor Bakterien und anderen Störfaktoren zu schützen. 

trockene Augen
Trockene Augen sind fast unentwegt gerötet. Sie brennen, jucken und erzeugen ein unangenehmes Druck- oder Fremdkörpergefühl© istock

Wodurch sich das Problem der Trockenen Augen in diesem Fall doch eigentlich erledigt hätte, oder?

Leider nicht ganz. Solange sich der Tränenfilm nicht normalisiert hat, besteht das Problem weiterhin. Ein wesentlicher Bestandteil des Tränenfilms ist nämlich ein dünner öliger Film, der durch die Lidranddrüsen produziert wird. Wenn dieser „Schutzfilm“ nicht da ist, tränen die Augen immer wieder bei jedem Windhauch und trocknen auch weiter aus.

Können Trockene Augen gefährlich werden?

Bei jahrelangen Beschwerden drohen vereinzelt Einschränkungen der Sehkraft sowie Hornhautschädigungen. In seltenen Fällen kann es bei Menschen mit chronischen entzündlichen Erkrankungen zur Erblindung kommen.

Wodurch kommt es zu Trockenen Augen?

Als klassische Risiko-Faktoren für trockene Augen gelten Kontaktlinsen oder stundenlanges Arbeiten am Computer. Vielfach sind aber auch „Umwelteinflüsse“ der Auslöser. So lassen gerade jetzt in der kalten Jahreszeit trockene Heizungsluft drinnen und eisige Winde draußen den Tränenfilm schnell verdunsten oder instabil werden. Durch die mangelnde Befeuchtung der Augenoberfläche trocknen Binde- und Hornhaut aus. In Folge davon kommt es zu Sehstörungen und anderen Beschwerden.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Halten die Beschwerden mehrere Tage an, sollte der Arzt konsultiert werden. Denn dahinter könnten sich Bindehautentzündungen oder ernsthafte Schäden am Auge verbergen. Aber auch eine unbehandelte Diabetes oder Schilddrüsenleiden führen eventuell zu Sehbeschwerden. Die konkrete Ursache kann im Einzelfall nur der Facharzt klären.

Wer ist besonders von Trockenen Augen betroffen?

Kontaktlinsen auf dem Finger
Als klassische Risiko-Faktoren für trockene Augen gelten Kontaktlinsen © istock

Neben Menschen, die viel am Computer arbeiten, sind auch Senioren sehr häufig betroffen. Bei ihnen nimmt die Tränenproduktion mit den Jahren ab. Außerdem leiden Frauen weitaus öfter daran als Männer. Denn das weibliche Geschlechtshormon Östrogen kann die Tränenproduktion stark beeinflussen.

Was hilft bei Trockenen Augen?

Neben einer Vielzahl bewährter praktischer Maßnahmen wie etwa häufiges Blinzeln und Sonnenbrillen können auch Augengele und –tropfen (so genannte künstliche Tränen) aus der Apotheke helfen.

Gibt es innovative Behandlungsmöglichkeiten?

Ja, neuerdings wird die IPL-Methode (Lichtpuls-Therapie) erfolgreich zur Behandlung des Trockenen Auges eingesetzt. Besonders geeignet ist dieses Verfahren bei Lidranddrüsen-Funktionsstörungen (Meibom-Dysfunktion), die häufigste Ursache für Trockene Augen. Denn durch diese Fehlfunktion fehlt der ölig-fettige Anteil des Tränenfilms und dieser wird instabil. Die IPL-Therapie kann diese Drüsen wieder reaktivieren und somit nachhaltig helfen.

Augentropfen gegen trockene Augen
Augentropfen bringen zusätzliche Feuchtigkeit auf die Augenoberfläche und regenerieren so trockene Augen© istock

Wie funktioniert die IPL-Therapie?

Die Forschung hat gezeigt, dass die Lichtpuls-Therapie am besten bei gleichzeitiger Kühlung und Belichtung der Haut funktioniert. Das ermöglicht die neue Methode. Sie wirkt über verschiedene Mechanismen: Zum einen verändert sich durch die Lichtpulse das Gefäßnetz der Haut. Die Entzündungsmediatoren der Haut nehmen ab, die Augen-Bindehaut "beruhigt sich". Zum anderen führt die Tiefenwärme dazu, dass sich die Öffnungen der Lidranddrüsen weiten. Das Sekret der Drüsen fließt besser ab. Hinzu kommt, sozusagen als positiver Nebeneffekt, dass sich die Gesichtshaut in sehr vielen Fällen verbessert. Kleine "Besenreiser" oder rote Stellen verschwinden und das Bindegewebe wird straffer.

Eignet sich die ILP-Therapie bei allen Patienten mit Trockenen Augen?  

Im Prinzip können alle Patienten mit chronisch Trockenen Augen von der ILP-Therapie profitieren. Vorher sollte jedoch auf jeden Fall eine eingehende fachärztliche Untersuchung die Ursache des Trockenen Auges klären. Dadurch lassen sich etwa Allergien oder andere Immunreaktionen ausschließen und gegebenenfalls entsprechend behandeln.  

Wie lange dauert eine IPL-Behandlung?

Je nach Einzelfall sind drei bis vier Sitzungen im Abstand von zwei Wochen sinnvoll. Die Behandlung ist nicht schmerzhaft und dauert jeweils zehn Minuten. Danach kann es zu einer leichten Rötung der Haut kommen, die nach wenigen Tagen vergeht. Die Kosten liegen bei etwa 300 Euro pro Sitzung.  

Gibt es Zahlen zum Behandlungserfolg?

Nach Angaben amerikanischer Ärzte, die eine längere Erfahrung mit der ILP-Therapie bei Trockenen Augen haben, bestätigen über 80 Prozent ihrer Patienten eine deutliche Symptomverbesserung.  

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