Warum telefonieren beim Fahren das Gehirn manipuliert ...

Frau telefoniert mit Headset im Auto
Britische Forscher sagen: Auch mit Headset wird das Telefonieren im Auto nicht sicherer © Alamy

... und selbst Headsets uns nicht davor schützen können. Telefonieren mit Headset oder Freisprechanlage im Auto ist doch kein Problem oder? „Doch!“, sagen britische Forscher, denn unser Gehirn wird durchs Telefonieren stärker beansprucht, als Sie denken.

Forscher aus Großbritannien haben untersucht, ob Freisprechanlagen und Headsets wirklich sicherer sind, als das direkte Telefonieren mit dem Handy. Ihre Ergebnisse zeigen, dass man sich in Zukunft überlegen sollte, ob man im Auto Telefonate führt.

So fanden die Forscher aus Sussex heraus, dass das Telefonieren während des Fahrens das visuelle Zentrum des Gehirns viel stärker beansprucht, als bisher angenommen wurde. Denn bei einem Telefonat ist das Hören nicht der einzige Prozess, der im Gehirn verarbeitet wird. Gleichzeitig stellen wir uns unbewusst die ganze Zeit Bilder zu den Gesprächsthemen vor und auch das Gesicht und die Mimik des Telefonpartners werden vom Gehirn visualisiert. Darunter leidet unsere Gesamtkapazität, visuelle Informationen aufzunehmen und richtig zu bewerten.

 

Die visuelle Komponente eines Telefonats

In einem Fahrsimulationstest konnten Probanden, die gleichzeitig telefonierten, Risikosituationen während der Fahrt schlechter einschätzen und mögliche Hindernisse weniger schnell erkennen. So erkannte die Gruppe der telefonierenden Fahrer nur 50 Prozent der kritischen Situationen, die die Kontrollgruppe der nicht abgelenkten Fahrer gesehen hatte. Die Reaktion auf diese Situationen war zweimal langsamer, als die der Vergleichsgruppe. Am häufigsten wurden die Fahrfehler, wenn der Gesprächspartner über Dinge sprach, die die visuelle Vorstellungskraft zusätzlich anregten, wie etwa „In welchem Zimmer liegt der blaue Ordner?“.

Dr. Graham Hole, Psychologiedozent an der University of Sussex und Autor der Studie erläutert die Ergebnisse: „Konversationen werden viel visueller verarbeitet, als man erwarten würde. Das führt dazu, dass Autofahrer Teile der ‚äußeren Welt’ ignorieren und sich stärker auf die ‚innere, visuelle Welt’ konzentrieren. Das hat Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit“.   

 

Tunnelblick durch Handygespräch

Die Auswertungen von Eye-Tracking Kameras beweisen außerdem, dass die telefonierenden Autofahrer einen Tunnelblick bekamen. Sie blickten nur noch starr auf die Straßenmitte vor sich und konnten Hindernisse und andere Fahrzeuge im peripheren Sichtfeld nur noch eingeschränkt wahrnehmen. Probanden aus der Kontrollgruppe, die während der Fahrt nicht telefonierten, hatten ein viermal größeres Sichtfeld.

 

Sind auch Gespräche mit Mitfahrern gefährlich?

Bedeuten die Ergebnisse nun, dass auch gesprächige Mitfahrer zu gefährlich während der Fahrt sind? Nicht unbedingt, sagen die Wissenschaftler. Zunächst entfällt bei der Face-to Face-Kommunikation die Imagination der Mimik des Gesprächspartners, da der Fahrer diesen zwischendurch direkt oder im Spiegel ansehen kann. Auch müssten sich die Fahrer durch die bessere Wahrnehmung nonverbaler Signale weniger stark auf das Gespräch konzentrieren. Kritische Situationen auf der Straße können außerdem von Mitfahrern selbst erkannt werden. 

Dr. Hole erklärt: „Mitteilsame Mitfahrer stellen eine geringere Gefahr, als Handy-Konversationen dar. Schließlich können sie das Gespräch an die Verkehrssituation anpassen. Jemand am anderen Ende des Telefons vergisst meistens, dass der Fahrer mehrere Aufgaben geleichzeitig meistern muss und spricht einfach weiter“.

© by WhatsBroadcast

Hamburg, 08. Juni 2016

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