Warum Sie zu Chips Käse essen sollten

Verena Elson
Chips und Käse
Milchsäurebakterien, beispielsweise in einigen Käsesorten enthalten, können den blutdrucksteigernden Effekt einer stark salzhaltigen Nahrung ausgleichen, zeigt eine aktuelle Studie © iStock/Pavlo_K, iStock/Azure-Dragon

Ein hoher Salzkonsum fördert Bluthochdruck – darauf weisen zahlreiche Untersuchungen hin. Jetzt zeigt eine aktuelle Studie, dass es ein einfaches Mittel gibt, dem entgegenzuwirken.

Zwei Gramm Salz pro Tag – mehr sollten wir laut Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht zu uns nehmen. Die Realität sieht allerdings anders aus: Der durchschnittliche Salzkonsum der Deutschen liegt bei rund 3,6 Gramm täglich.

Dieser Überkonsum fördert Bluthochdruck, darauf haben bereits zahlreiche Studien hingewiesen. Zudem kann er den Krankheitsverlauf bei Multiple Sklerose beschleunigen. „Aber wie Salz die Bakterien im Darm beeinflusst, hat bisher niemand untersucht“, sagt Prof. Dominik Müller vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und der Charité-Universitätsmedizin in Berlin. Mit seinem Team untersuchte er in einer aktuellen Studie die Auswirkungen eines hohen Salzkonsums auf die Darmflora von Mäusen und Menschen.

 

Milchsäurebakterien gleichen Wirkung von zu viel Salz aus

Dazu verabreichten die Berliner Forscher zunächst Mäusen eine stark salzhaltige Nahrung und analysierten die Effekte auf die Darmflora der Tiere. Dabei beobachteten sie: Die salzreiche Nahrung führte zu einer Abnahme der sogenannten Laktobazillen, einer Untergruppe der Milchsäurebakterien, im Darm.

Gleichzeitig stieg der Blutdruck der Tiere an und auch die Zahl der sogenannten Th17-Helferzellen im Blut der Mäuse erhöhte sich. Diese Immunzellen stehen mit Bluthochdruck und Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose in Verbindung.

Bekamen die Mäuse jedoch zusätzlich zu ihrer salzhaltigen Nahrung probiotische Laktobazillen, ging die Zahl der Th17-Helferzellen wieder zurück und der Blutdruck sank. Die Gabe der Probiotika führte zudem zu einem Rückgang der neurologischen Symptome bei Mäusen mit einer Autoimmunkrankheit ähnlich der Multiplen Sklerose.

 

In welchen Lebensmitteln sind Milchsäurebakterien enthalten?

Zahlreiche frühere Untersuchungen wiesen bereits auf den gesundheitsfördernden Effekt einer vielfältigen Darmflora hin – so unterstützt sie das Immunsystem, ist an der Regulierung des Körpergewichts beteiligt und kann sogar das Gehirn schützen. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigte, dass die Darmflora mit darüber entscheidet, ob die Immuntherapie gegen Krebs erfolgreich ist.

 

Milchsäurebakterien gegen Bluthochdruck?

Im nächsten Schritt überprüften die Forscher ihre Ergebnisse an menschlichen Probanden. Zwölf gesunde Männer nahmen 14 Tage lang täglich sechs Gramm Salz zusätzlich zu ihrem gewöhnlichen Konsum zu sich.

Das Ergebnis auch hier: Die Zahl der Laktobazillen sank drastisch (die meisten waren nach 14 Tagen nicht mehr nachweisbar), der Blutdruck und die Zahl der Th17-Helferzellen stiegen an.

Zwar konnte diese Studie noch nicht beweisen, dass Milchsäurebakterien therapeutisch gegen Bluthochdruck oder Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose wirken. Doch für Müllers Team eröffnen sich neue Forschungsmöglichkeiten.

„Wir planen eine Blutdruck-Studie mit menschlichen Probanden: doppelblind, mit größerer Teilnehmerzahl, mit beiden Geschlechtern und Placebo-kontrolliert“, sagt Dr. Nicola Wilck, Erstautorin der Studie.

Laktobazillen kommen vor allem in fermentierten Speisen vor wie frischem Sauerkraut (beispielsweise aus dem Reformhaus) sowie in Milchprodukten wie Sahne, Naturjoghurt oder Rohmilchkäse (nicht pasteurisierter Käse beispielsweise der Sorten Cheddar, Gouda, Parmesan oder Mozzarella). Auch in verschiedenen Supermarktprodukten z.B. probiotischen Getränken auf der Basis von Magermilch befinden sich Milchsäurebakterien.

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