Warum Sie täglich tanzen sollten

Verena Elson Medizinredakteurin
Gerade Tango scheint für ältere Menschen ein besonders gesunder Tanzstil zu sein
Gerade Tango scheint für ältere Menschen ein besonders gesunder Tanzstil zu sein © iStock/AleksandarNakic

Ob kreative Ballettposen, wildes Springen zur Punkmusik oder Feierabendwalzer mit dem Partner: Wer das heimische Wohnzimmer in eine Tanzfläche verwandelt, tut seinem Körper etwas Gutes - und das ganz ohne Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Die positive Wirkung des Tanzens auf Körper und Psyche wurde in zahlreichen Studien gut belegt - ein Überblick.

 

Neue Choreographien für ein junges Gehirn

In einer 2017 veröffentlichten Studie konnten Magdeburger Forscher zeigen, dass regelmäßiges Tanzen bei älteren Menschen Alterungsspuren im Gehirn rückgängig machen kann. Für das Experiment nahmen Probanden mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren für 18 Monate an wöchentlichen Tanzstunden oder einem Ausdauer- und Beweglichkeitstraining teil.
Hirnscans zu Studienbeginn und -ende ergaben, dass der sogenannte Hippocampus bei allen Studienteilnehmern gewachsen war - also der Teil des Gehirns, der für Lernen und Erinnerung sowie das Gleichgewicht zuständig ist. Doch nur bei Probanden in der Tanzgruppe wirkte sich das direkt auf die Fähigkeiten der Teilnehmer aus - sie hatten nach Abschluss des Experiments weniger Gleichgewichtsprobleme als vor Studienbeginn.

Den Grund dafür vermuten die Forscher in den unterschiedlichen Anforderungen an die Probanden in den beiden Gruppen: Während Teilnehmer in der Ausdauergruppe in jeder Stunde ähnliche Übungen wiederholten (z.B. Radfahren oder Nordic Walking), mussten die Teilnehmer der Tanzgruppe jedes Mal neue Choreographien lernen. Diese "Arbeit" für das Gehirn führte zu der beobachteten Verjüngung des Hippocampus, so die Magdeburger Wissenschaftler. Um diesen Effekt zu erreichen, reicht es also nicht aus, den Wohnzimmerteppich zur Tanzfläche zu machen - stattdessen sollten wöchentliche, angeleitete Tanzstunden besucht werden, bei denen immer neue Choreographien auf dem Programm stehen.

 

Tango gegen Parkinson

In verschiedenen argentinischen Kliniken werden Tangostunden für Menschen mit Parkinson angeboten. Der Grund: Der Tanz hilft Betroffenen, Symptome wie Gleichgewichtsprobleme und motorische Störungen zu lindern. In einer 2014 durchgeführten US-Studie zeigte sich bei den Probanden nach zwei Jahren wöchentlicher Tangostunden eine verbesserte Gangsicherheit - die Probanden gaben zudem an, mit alltäglichen Aufgaben besser zurechtzukommen.

Diese Studie ist nicht die erste, die den Tango als besonders gesunden Tanzstil für ältere Menschen hervorhebt: 2005 fanden Wissenschaftler der McGill University im kanadischen Montreal heraus, dass zehn Wochen Tangotraining auf ältere Menschen wie eine Verjüngungskur wirkt: Sie verbessern Selbstsicherheit, Multitasking-Fähigkeiten sowie Gedächtnis und motorische Koordination.

Zuhause öfters mal so richtig abtanzen
Zuhause öfters mal so richtig abtanzen © iStock/South_agency
 

Der richtige Tanzstil für zu Hause

Tanzen ist Ausdauertraining - und das stärkt das Herz und beugt Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall vor. Wer sich nicht zu wöchentlichen Tanzstunden aufraffen kann oder sich lieber im privaten Wohnzimmer austobt, sollte einige Regeln beachten, damit das Tanztraining auch Wirkung zeigt.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt Erwachsenen (18 bis 64 Jahre) mindestens 150 Minuten Bewegung mittlerer Intensität oder 75 Minuten Bewegung höherer Intensität. Mittlere Intensität bedeutet, dass die Atmung beschleunigt ist, man aber noch normal sprechen kann. Bei Bewegung hoher Intensität ist kein normales Gespräch mehr möglich, sondern nur noch kurze Wortwechsel.

Experten empfehlen, an möglichst vielen Tagen in der Woche für mindestens zehn Minuten am Stück aktiv zu sein. Dafür empfiehlt sich die Feierabend-Tanzeinlage zu Hause besonders - sie hilft zudem dabei, den am Arbeitstag angesammelten Stress abzubauen. Für eine Bewegungseinheit mittlerer Intensität reicht ein Wiener Walzer mit dem Partner aus - um eine Bewegung hoher Intensität zu erreichen, darf der Tanzstil etwas wilder sein: möglichst schnelle und ausladende Bewegungen bringen den Körper ins Schwitzen und treiben den Puls in die Höhe.

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