Warum Sie nachts besser nicht auf Ihr Handy schauen sollten

Handy Licht macht wach
Bildschirmlicht raubt uns den Schlaf. Studien zeigen: Blaue Licht senkt den Melatoninspiegel. Dadurch fällt das Einschlafen schwerer und wir schlafen schlechter © Fotolia

Wer nachts auf sein Handy schaut, der stört damit seinen Schlaf. Das zeigen US-amerikanische Forscher in einer aktuellen Studie. Demnach senkt das blaue Bildschirmlicht – von Handys, Tablets, Computern oder Fernsehergeräten – den Melatoninspiegel, bringt die Schlafphasen durcheinander und hält auf diese Weise wach. Lesen Sie bei Praxisvita, warum Sie nachts nicht auf Ihr Handy schauen sollten und worauf Sie achten müssen, wenn Sie trotzdem nicht darauf verzichten wollen.

Helles Tageslicht enthält einen großen Anteil an blauem Licht. Bei Sonnenuntergang nimmt der blaue Anteil ab und weicht Licht mit roten Wellenlängen – ein Vorgang, der direkten Einfluss auf den menschlichen Biorhythmus hat. Denn: Je weniger blauem Licht wir ausgesetzt ist, desto mehr produziert unser Körper Melatonin. Dieses sogenannte Schlafhormon ist Teil unserer inneren Uhr und sorgt dafür, dass wir abends müde werden.

 

Blaues Licht schadet dem Schlaf doppelt

Doch nicht nur das Tageslicht ist blau, auch Bildschirmlicht - von Handys, Computern und Fernsehgeräten - besitzt überwiegend blaue Wellenlängen. Forscher der John Hopkins University in Baltymore zeigen nun in einer kürzlich veröffentlichten Studie, dass auch der Effekt von künstlichem Blaulicht die Melatoninproduktion hemmt und so massiven Einfluss auf den menschlichen Schlaf-Wach-Rhythmus nimmt sowie die Schlafqualität verringert.

Das vom Auge als heller wahrgenommene blaue Licht verringert nach Aussagen von Schweizer Wissenschaftlern den Melatoninspiegel, bewirkt so ein künstliches Wachgefühl und unterbricht bei einem Blau-Licht-Kontakt direkt vor dem Schlafgehen nachts die einzelnen Schlafphasen – was die wichtige "Schlafstruktur" durcheinander bringt. Das künstliche Blaulicht von z.B. Handys sorgt auf diese Weise nicht nur für weniger Schlaf, sondern auch – wenn man mal eingeschlafen ist – für schlechteren Schlaf.

 

Nachts nicht aufs Handy schauen

Die Schweizer Forscher weckten für ihre Studie nachts Probanden, setzten sie blauem Licht aus und maßen dabei deren Gehirnaktivität. Das Ergebnis war erschreckend. Bei allen Studienteilnehmern veränderte sich die Gehirnwellen-Frequenz in einen Zustand, wie er bei großer Angst, starker Konzentration oder spontaner Alarmierung auftritt.

Handy Licht macht wach
Blackberry-Handys verfügen über einen speziellen "Bedside-Modus". Dabei wird der Netz- und Internetempfang deaktiviert und der Display leuchtet nur noch mit rotem Licht© Blackberry
 

Wenn Sie dennoch nicht verzichten wollen

Eine Studie der American Academy of Pediatrics zeigt, dass rund 75 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 20 nachts mindestens einmal auf ihr Handy schauen – z.B. als Uhrenersatz oder um auf eine Benachrichtigung zu reagieren. Wenn Sie also nachts nicht auf Ihr Handy verzichten möchten, sollten Sie die Helligkeit des Bildschirmlichts so dunkel wie möglich einstellen. Zudem gibt es Handy-Apps, die das Handy auf Nachaktivität umstellen und so das blaue Licht zumindest reduzieren.

Einziger Hersteller, der das Blaulicht-Problem erkannt hat, ist Blackberry. Blackberry Handys verfügen bereits seit 2008 über die sogenannte "Bedside-Mode". Dieser Modus deaktiviert den Netz- und Internetempfang, schaltet einen Wecker auf den Bildschirm und verändert das sonst blaue Displaylicht in ein gedämpftes Rot.

Hamburg, 19. Juli 2014

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