Warum Sie nach einer Impfung lange schlafen sollten

Rasmus Cloes

Wer sich impfen lässt, sollte danach unbedingt auf eine Sache achten: genügend Schlaf. Denn neueste Studien zeigen: Wer nach einer Impfung zu wenig schläft, gefährdet möglicherweise deren Erfolg.

Schon vor über zehn Jahren konnten Wissenschaftler das erste Mal nachweisen, dass Schlaf das Gedächtnis unterstützt. Zahlreiche weitere Studien konnten diese Erkenntnis bestätigen und genauer erklären.

 

Schlaf stärkt die Immunantwort

Jetzt haben Forscher der Universität Tübingen einen weiteren, erstaunlichen Aspekt untersucht. Ergebnis: Schlaf verbessert ihrer Ansicht nach nicht nur unser Gedächtnis, sondern auch das unseres Immunsystems. Sie folgern, dass wir nach einer Impfung unbedingt genügend schlafen sollten, um die Immunantwort unseres Körpers zu verbessern.

In einem Artikel, der in der Fachzeitschrift Trends in Neurosciences erschienen ist, argumentieren die Wissenschaftler, dass der Schlaf die sogenannten T-Zellen beeinflusst. Sie sind für die Immunantwort des Körpers verantwortlich. Tiefschlafphasen scheinen das Gedächtnis der T-Zellen zu verbessern. Sie merken sich in dieser Zeit, auf welche Viren oder Bakterien sie reagieren sollten – und auf welche nicht.

Frau wird geimpft
Nicht nur nach einer Impfung, auch während einer Krankheit ist ausreichend Schlaf wichtig, damit unser Immunsystem richtig arbeiten kann© Fotolia

„Wenn wir nicht schlafen, dann kann es passieren, dass das Immunsystem sich auf die falschen Aspekte des Pathogens fokussiert“, sagt Professor Jan Born von der Universität Tübingen, einer der Studienautoren. Eine zukünftige Immunantwort wäre dann wirkungslos.

 

Impfversager durch mangelnden Schlaf

Welche Auswirkungen das konkret hat, konnte der US-Psychologe Aric Prather von der Universität Pittsburgh zeigen. Er hat bei 125 Erwachsenen im Alter von 40 bis 60 Jahren die Antikörper-Antwort nach einer Hepatitis-B-Impfung untersucht. Alle Probanden waren, wie im Impfschema vorgesehen, dreimal geimpft worden. Bei 18 Teilnehmern schlug die Impfung nicht an - sie hatten keine schützenden Antikörper gebildet.

Den Grund dafür sieht Prather im Schlafmangel der Probanden. Viele Impfversager hatten im Durchschnitt weniger als sechs Stunden geschlafen. Das ging aus ihren Schlaftagebüchern hervor. Wer nachts weniger als sechs Stunden schlief, erhöhte das Risiko einer mangelnden Immunantwort auf die Impfung um den Faktor 11,5.

Diese fehlende Antikörperreaktion könnte nach Ansicht von Prather auch erklären, warum Menschen mit zu wenig Schlaf anfälliger gegenüber Infektionen sind. Möglicherweise kann der Körper in dieser kurzen Zeit nur wenige Antikörper bilden. Die übliche Schlafdauer eines Erwachsenen liegt zwischen sechs und 9,5 Stunden. Die von Schlafmedizinern empfohlene Schlafdauer liegt bei sieben bis acht Stunden.

Hamburg, 30. September 2015

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