Warum Sie nach einer Impfung viel schlafen sollten

Redaktion PraxisVITA

Wer sich impfen lässt, sollte danach unbedingt auf eine Sache achten: genügend Schlaf. Denn wer nach einer Impfung zu wenig schläft, gefährdet möglicherweise deren Wirksamkeit, wie Studien nahelegen.

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Kein Stress, kein Alkohol und kein Sport – so lautet das Rezept für eine wirksame Corona-Impfung. Denn es gibt Faktoren, die den Aufbau des Immunschutzes behindern und fördern. Das gilt für alle Arten von Impfungen. Wissenschaftliche Studien zeigen einen weiteren Aspekt auf, der eine entscheidende Rolle spielen könnte: Nach der Impfung sollte man viel schlafen. Denn ein Schlafmangel könnte einen verminderten Impfschutz zur Folge haben.

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Nach Impfung viel schlafen für stärkere Immunantwort

Es ist wissenschaftlich gut belegt, dass ein enger Zusammenhang zwischen Schlaf und dem Immunsystem besteht: Viel Schlaf kann die Genesung beschleunigen. Ein Schlafmangel hingegen erhöht die Infektanfälligkeit. Eine Studie der Universität Tübingen konnte bereits vor einigen Jahren zeigen, dass nicht nur die Abwehrkräfte, sondern auch die Immunantwort nach einer Impfung von der Schlafdauer beeinflusst wird.

In einem Artikel, der in der Fachzeitschrift Trends in Neurosciences erschienen ist, argumentieren die Wissenschaftler, dass der Schlaf die sogenannten T-Zellen beeinflusst. Diese sind für die Immunantwort des Körpers verantwortlich. Tiefschlafphasen scheinen das Gedächtnis der T-Zellen zu verbessern. Sie merken sich in dieser Zeit, auf welche Viren oder Bakterien sie reagieren sollten – und auf welche nicht.

Die Wissenschaftler folgerten daraus, dass wir nach einer Impfung unbedingt genügend schlafen sollten, um die Immunantwort unseres Körpers zu verbessern. „Wenn wir nicht schlafen, dann kann es passieren, dass das Immunsystem sich auf die falschen Aspekte des Pathogens fokussiert“, sagt Professor Jan Born von der Universität Tübingen, einer der Studienautoren. Nicht viel zu schlafen nach einer Impfung, könnte somit die Immunantwort beeinträchtigen.

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Studie: Wenig Schlaf nach der Impfung fördert Impfversagen

Welche Auswirkungen das konkret hat, konnte der US-Psychologe Aric Prather von der Universität Pittsburgh zeigen. Er hat bei 125 Erwachsenen im Alter von 40 bis 60 Jahren die Antikörper-Antwort nach einer Hepatitis-B-Impfung untersucht. Alle Probanden waren, wie im Impfschema vorgesehen, dreimal geimpft worden. Bei 18 Teilnehmern schlug die Impfung nicht an – sie hatten keine schützenden Antikörper gebildet.

Den Grund dafür sieht Prather im Schlafmangel der Probanden. Viele Impfversager hatten im Durchschnitt weniger als sechs Stunden geschlafen. Das ging aus ihren Schlaftagebüchern hervor. Wer nachts weniger als sechs Stunden schlief, erhöhte das Risiko einer mangelnden Immunantwort auf die Impfung um den Faktor 11,5.

Diese fehlende Antikörperreaktion könnte nach Ansicht von Prather auch erklären, warum Menschen mit zu wenig Schlaf anfälliger für Infektionen sind. Möglicherweise kann der Körper in dieser kurzen Zeit nur wenige Antikörper bilden. Zwar beziehen sich die Studienergebnisse auf eine spezielle Impfung, jedoch ist es möglich, dass sie auch für andere Arten von Impfungen gelten – so möglicherweise auch für die Corona-Impfung.

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Wie lange sollte ich schlafen nach der Impfung?

Erwachsenen schlafen im Durchschnitt zwischen sechs und neun Stunden. Die von Schlafmedizinern empfohlene Schlafdauer liegt bei sieben bis acht Stunden. Wie lange man nun nach einer Impfung schlafen sollte, hängt jedoch ganz entscheidend vom individuellen Schlafbedürfnis ab: Wer sich erst nach neun Stunden ausgeschlafen fühlt, sollte auf seinen Körper hören – ganz besonders nach einer Impfung.

Quellen:

Westermann, Jürgen [u.a] (2015): System Consolidation During Sleep – A Common Principle Underlying Psychological and Immunological Memory Formation, in: cell.com

Schlafmangel gefährdet Impfstoffwirkung,in: aerzteblatt.de

Schlaf trägt möglicherweise zur besseren Wirksamkeit einer Impfung und zu einer verbesserten Immunabwehr bei, in: idw-online.de

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