Studie: Blutdrucksenker abends einnehmen

Verena Elson

Nächtlicher Bluthochdruck ist weit gefährlicher als erhöhte Werte am Tag, wie spanische Forscher jetzt in einer großen Studie herausfanden. Sie plädieren darum dafür, Blutdrucksenker immer abends einzunehmen.

Nächtlicher Bluthochdruck erhöht das Herzinfarkt-Risiko stärker als tagsüber erhöhte Werte
Wer Blutdrucksenker abends anstatt morgens einnimmt, senkt damit sein Risiko für einen Herzinfarkt Foto:  Eva-Katalin/iStock

Menschen mit Bluthochdruck haben ein erhöhtes Risiko für Herz- und Gefäßleiden wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Wie hoch dieses Risiko ausfällt, hängt offenbar auch von der Tageszeit ab, zu der der Blutdruck erhöht ist.

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Wann ist Bluthochdruck am gefährlichsten?

Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Ramón Hermida von der Universität im spanischen Vigo in ihrer aktuellen Studie. Sie werteten die Daten von mehr als 18.000 Frauen und Männern mit und ohne Bluthochdruck aus, die im Mittel fünf Jahre, mindestens aber ein Jahr lang begleitet wurden.

15.674 Probanden litten an Bluthochdruck, 9.709 nahmen bisher keine Blutdrucksenker ein, begannen aber zu Studienbeginn mit der Einnahme. Ein Teil der Probanden wurde gebeten, mindestens eine Dosis ihrer Blutdrucksenker vor dem Schlafengehen einzunehmen – die restlichen Teilnehmer schluckten alle Medikamente tagsüber.

In mehrmaligen Nachuntersuchungen wurde der Blutdruck der Probanden jeweils 48 Stunden lang mit einem tragbaren Gerät gemessen (tagsüber alle 20, nachts alle 30 Minuten). In dem Beobachtungszeitraum kam es bei 1.209 Probanden zu schweren sogenannten kardiovaskulären Ereignissen, also etwa Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder durch Herzerkrankungen bedingte Todesfälle. 

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Warum sollte ich Blutdrucksenker abends nehmen?

Als größten Risikofaktor für solche Ereignisse machten die Forscher Bluthochdruck in der Nacht aus. Demnach führen nachts ermittelte erhöhte Werte (über 120/70 mmHg) zu einem um 62 Prozent erhöhten Risiko. Zum Vergleich: Bluthochdruck am Tag (über 135/85 mmHg) erhöht das Risiko um „lediglich“ 34 Prozent. Die Richtwerte für Bluthochdruck unterscheiden sich in Abhängigkeit von der Tageszeit. Das liegt daran, dass der Blutdruck normalerweise in der Nacht deutlich absinkt.

Die Auswertung ergab außerdem: Mit der abendlichen Einnahme der Blutdrucksenker lässt sich das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse deutlich senken. In der Gruppe derjenigen, die ihre Medikamente abends einnahmen, war der Anteil der von einem Herzleiden Betroffenen um mehr als 50 Prozent geringer als in der Gruppe, die die Blutdrucksenker ausschließlich tagsüber einnahm.

 

Können Blutdrucksenker auch vor Diabetes schützen?

Die abendliche Einnahme von Blutdrucksenkern hat einen weiteren Vorteil: Sie schützt vor Diabetes. Das fanden Hermida und sein Team bereits in einer 2016 veröffentlichten Studie heraus. Demnach haben Bluthochdruck-Patienten, die ihre Medikamente vor dem Schlafengehen einnehmen, ein um 57 Prozent geringeres Risiko, Diabetes zu entwickeln, als Betroffene, die ihre Pillen nur tagsüber schlucken.

Quelle:
Hermida, Ramón C., et al. (2018): Asleep blood pressure: significant prognostic marker of vascular risk and therapeutic target for prevention, in: European heart journal.

Hermida, Ramón C., et al. (2016): Sleep-time BP: prognostic marker of type 2 diabetes and therapeutic target for prevention, in: Diabetologia.

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