Warum Sie bei Reisedurchfall keine Antibiotika nehmen sollten

Rasmus Cloes
Reiseapotheke
Bevor Sie die Antibiotika aus Ihrer Reiseapotheke benutzen, sollten Sie sich mit einem Arzt beraten © Fotolia

Wer auf Fernreisen Antibiotika gegen Durchfall nimmt, der infiziert sich leichter mit multiresistenten Keimen - und verbreitet diese dann im Heimatland. Doch es gibt eine einfache Lösung für das Problem.

Zu diesem Ergebnis kommen finnische Wissenschaftler in einer Studie, die vor Kurzem in der Fachzeitschrift Clinical Infectious Diseases veröffentlicht wurde. „Die große Mehrheit aller Reisedurchfälle sind mild und verschwinden von selbst“, sagt Studienleiter Anu Kantele von der Universität in Helsinki. Trotzdem nehmen viele Menschen dagegen Antibiotika – ohne zu wissen, dass sie sich dadurch sogar einem größeren Risiko, schwer zu erkranken, aussetzen.

Um zu ihren Ergebnissen zu gelangen, sammelten die Forscher Stuhlproben von 430 Finnen bevor und nachdem diese im Ausland Urlaub machten. Das Ziel: Sie wollten herausfinden, ob sich in deren Darm ein Bakterium der Enterobacteriaceae-Familie ansiedelt. Sie können schwere Infektionen auslösen und sind gegen viele Antibiotikaarten resistent. Zusätzlich mussten die Probanden Fragen zu ihrem Urlaub, etwaigen Erkrankungen und dem Gebrauch von Antibiotika beantworten.

 

Anbtibiotika erhöhen das Infektions-Risiko

Das Team um Kantele fand heraus, dass sich insgesamt 21 Prozent der Reisenden mit den Bakterien infizierten. Bei jenen, die Antibiotika gegen Durchfall nahmen, waren es 37 Prozent. Die Wissenschaftler stellten jedoch fest, dass die Bakterien nicht für den Durchfall verantwortlich waren. Sie vermuten, dass die höhere Zahl an Betroffenen auf eine geschwächte Darmflora durch die Antibiotika zurückzuführen ist. So hatten es die gefährlichen Bakterien der Enterobacteriaceae-Familie leichter, sich im Darm anzusiedeln.

„Mehr als 300 Millionen Menschen reisen jährlich in Hochrisikoregionen“, so Kantele. „Wenn sich schätzungsweise 20 Prozent mit solchen Keimen anstecken, dann sind das unglaublich hohe Zahlen. Das ist eine ernste Sache.“

 

Die Wissenschaftler raten Reisenden mit Durchfall:

  • Genug zu trinken, um Dehydration vorzubeugen.
  • Freiverkäufliche Durchfallmittel einzunehmen, um die Symptome zu mildern.
  • In schweren Fällen mit hohem Fieber und blutigem Stuhlgang einen Arzt aufzusuchen.

Hamburg, 27. April 2015

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