Warum Sie am Wochenende ausschlafen sollten

Verena Elson Medizinredakteurin
Ein Paar liegt im Bett und schläft
Wer am Wochenende fehlenden Schlaf der Arbeitswoche nachholt, senkt sein Diabetes-Risiko – darauf weist eine aktuelle US-Studie hin © Fotolia

Gute Nachrichten für alle Langschläfer: Ausschlafen am Wochenende ist gesund – wenn man unter der Woche zu wenig Schlaf bekommt. Konkret dient die Extra-Portion Schlaf dazu, das Diabetes-Risiko zu senken.

Endlich ausschlafen – für viele ist dieser Moment das Schönste am Wochenende. Denn es ist die Gelegenheit, das während der Arbeitswoche angesammelte Schlafdefizit auszugleichen.

In ihrer aktuellen Studie beschäftigten sich Schlafforscher der University of Chicago mit der Frage, ob dieser Schlafrhythmus (wenig Schlaf unter der Woche, viel am Wochenende) gesund ist. Dabei interessierten sie sich speziell dafür, wie er sich auf das Diabetes-Risiko auswirkt. Denn zahlreiche Studien wiesen bereits darauf hin, dass Schlafmangel das Risiko einer Diabetes-Erkrankung erhöht und die Blutzuckerwerte bei Diabetikern verschlechtert. Doch bisher war nicht klar, ob „Nachholschlaf“ am Wochenende dieses Risiko verringert.

Das Forscherteam um Josiane Broussard beobachtete 19 gesunde männliche Probanden im Schlaflabor. Im ersten Teil des Experiments durften die Männer vier Nächte in Folge je 8,5 Stunden schlafen. Im zweiten Teil waren nur 4,5 Stunden Schlaf erlaubt, wieder in vier aufeinanderfolgenden Nächten. Im Anschluss daran durften sie für zwei Nächte ausschlafen – in diesen Nächten schliefen sie im Schnitt 9,7 Stunden.

 

Tests zur Bestimmung des Diabetes-Risikos

Bei allen Studienteilnehmern prüften die Forscher regelmäßig die sogenannte Insulinempfindlichkeit – diese sagt aus, wie stark der Körper auf Insulin reagiert. Das Hormon ist dafür verantwortlich, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Dazu bindet es sich an die Oberfläche der Körperzellen und veranlasst sie, Zucker aus dem Blut herauszufiltern und als „Kraftstoff“ abzuspeichern. So verhindert es, dass der Blutzuckerspiegel zu hoch ansteigt. Bei einer schlechten Insulinempfindlichkeit ist die Wirkung des Insulins abgeschwächt und es wird weniger Zucker aus dem Blut gefiltert – der Blutzuckerspiegel bleibt erhöht.

Zusätzlich führten die Wissenschaftler sogenannte Glukosetoleranztests mit den Probanden durch – diese geben Auskunft über das Diabetes-Risiko. Der Patient trinkt dafür eine Glukoselösung. Der Arzt nimmt ihm vor dem Trinken sowie ein und zwei Stunden danach Blut ab, um seinen Blutzuckerwert zu bestimmen. Überschreitet der Wert im nüchternen Zustand und zwei Stunden nach dem Trinken bestimmte Grenzen, gilt das Diabetesrisiko als erhöht oder es besteht ein Verdacht auf einen vorliegenden Diabetes.

 

Schlafmangel verschlechtert Testergebnisse

Die Analyse zeigte: Nach vier Nächten mit Schlafmangel sank die Insulinempfindlichkeit der Probanden um 23 Prozent und sie schnitten um 16 Prozent schlechter beim Glukosetoleranztests ab. Nach zweimal Ausschlafen normalisierten sich beide Werte jedoch wieder.

Studienautor Dr. Ezra Tasali: „Die metabolische Reaktion auf diesen Extraschlaf war sehr interessant und ermutigend. Das zeigt, dass junge, gesunde Menschen, die in der Arbeitswoche ab und zu nicht genügend Schlaf bekommen, ihr Diabetes-Risiko reduzieren können, wenn sie den Schlaf am Wochenende nachholen.“

Doch die Studie hat auch Schwachpunkte, betonen die Wissenschaftler: So umfasste sie nur eine sehr kleine Probandengruppe und spiegelte lediglich einen Zeitraum von einer Arbeitswoche wider. Zudem bekamen die Teilnehmer während der Dauer der Studie eine festgelegte Ernährung, während Menschen mit chronischem Schlafmangel in der Regel dazu tendieren, sich besonders fett- und zuckerreich zu ernähren, was das Diabetes-Risiko zusätzlich erhöht.

 

Lässt sich Schlaf nachholen?

Versäumten Schlaf kann man nicht nachholen - das ist eine der alten Medizin-Weisheiten, die viele kennen. Dabei stimmt sie gar nicht – nicht nur im Fall von Diabetes, sondern auch generell! Das haben amerikanische Psychologen bereits 2011 in einer großen Studie herausgefunden. Nachschlafen bringt durchaus etwas für unsere Gesundheit.

Um gesund und fit zu bleiben, braucht der Körper 7-8 Stunden Schlaf. Doch was hilft, wenn man durch Schichtdienst oder ähnliches nicht dazu kommt? Kann man seine Energie-Tanks wieder auffüllen? Um das herauszufinden, ließen Forscher der Uni Pennsylvania 159 Teilnehmer zunächst sieben Nächte lang nur vier Stunden schlafen. Die Folgen: Unaufmerksamkeit, Konzentrationsmangel, Nervosität, langsame Reaktionen und erhöhter Blutdruck.

Für den Erholungsschlaf wurden die Teilnehmer dann in verschiedene Gruppen eingeteilt. Die Gruppen durften eine Nacht zwischen null und zehn Stunden schlafen. Das Ergebnis: Die Teilnehmer, die einmal zehn Stunden schliefen, hatten wieder fast die Energie wie vor dem Test. Nach spätestens zwei Nächten mit zehn Stunden waren sie völlig erholt! Beruhigend, wenn man aufgrund seiner Arbeit oder anderer Umstände gelegentlich einfach nicht genug Schlaf bekommt.

 

Nachschlafen: Schon eine Stunde bringt was

Bei den Verhaltenstests und körperlichen Untersuchungen an den Teilnehmern stellten die Wissenschaftler aber auch fest: Nach dem verordneten Schlafmangel brachte schon eine zusätzliche Stunde Schlaf etwas für Geist und Körper. Beispiel für unseren Alltag: Wir sind schon wieder munterer, wenn wir einmal sechs Stunden statt mehrere Nächte nur fünf Stunden geschlafen haben.

 

Noch fitter mit Frischluft

Die Forscher fanden außerdem heraus, dass etwas die Gesund-Wirkung des "Nachschlafens" unterstützen kann: Es ist die sofortige Sauerstoffzufuhr. Sprich: Wenn Sie am Wochenende mal so richtig schön ausgeschlafen haben, empfiehlt es sich, entweder sofort einen kleinen Spaziergang (z. B. mit dem Hund!) zu machen, und zwar vor dem Frühstück. Oder einfach das Fenster weit zu öffnen - und inmitten der frischen Luft einige Dehnübungen zu turnen. Das erhöht die positive Wirkung Ihres "Nachholschlafs".

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