Warum Sex fruchtbar macht

Häufiger Geschlechtsverkehr stellt das Immunsystem auf eine Schwangerschaft ein – das zeigt eine aktuelle Studie US-amerikanischer Wissenschaftler. Ihr Rat an Paare mit Kinderwunsch: Häufig Sex haben – nicht nur in den fruchtbaren Tagen.

Mediziner beobachten seit Längerem, dass häufiger Sex auch außerhalb der fruchtbaren Tage im weiblichen Zyklus die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erhöht. Warum das so ist, war der Wissenschaft bisher jedoch nicht klar.

Einem Forscherteam der Indiana University gelang jetzt die Lösung dieses Rätsels in einer aktuellen Studie – die beiden Ergebnisse der Untersuchung wurden separat in den Wissenschaftsmagazinen „Fertility and Sterility“ und “Physiology and Behavior“ veröffentlicht.

 

Immunsystem wird durch häufigen Sex „umprogrammiert“

Die Wissenschaftler werteten Daten von 30 gesunden Frauen aus – von diesen waren 14 sexuell aktiv, 16 waren abstinent. Die Forscher analysierten, mit welcher Häufigkeit spezielle T-Helferzellen (Immunzellen) und Antikörper im Blut der Probandinnen vorkamen.

Bei den T-Helferzellen interessierten sie sich speziell für Typ-1- und Typ-2-Helferzellen. Typ-1-Helferzellen haben die Aufgabe, den Organismus gegen Bedrohungen von außen zu verteidigen. Typ-2-Helferzellen unterstützen den Körper dabei, Bedingungen einer Schwangerschaft zu akzeptieren, die er normalerweise als Bedrohung interpretieren würde – beispielsweise Spermien oder einen Embryo.

 

Antikörper verändern sich mit den Zyklusphasen

Bei der Analyse der Antikörper galt das Interesse der Forscher dem sogenannten „Immunglobulin A“ und „Immunglobulin G“. Immunglobulin A kann den Spermienfluss hemmen und die allgemeine Fruchtbarkeit einschränken. Immunglobulin G bekämpft Krankheitserreger, ohne die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.

Die Analysen zeigten, dass sexuell aktive Frauen in der sogenannten Lutealphase des Zyklus – der Phase nach dem Eisprung – mehr Typ-2-Helferzellen hatten. In diesem Zyklus-Abschnitt kommt es im Fall einer Schwangerschaft zur Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter – es ist also entscheidend, ob das Immunsystem den „Eindringling“ akzeptiert oder nicht.

Das Level der Typ-1-Helferzellen stieg bei diesen Frauen in der Follikelphase an – der ersten Phase des Zyklus, in der die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird (Menstruation), weil keine Schwangerschaft zustande gekommen ist.

Auch das Vorkommen der beiden Antikörper veränderte sich bei den sexuell aktiven Frauen im Verlauf des Zyklus. Während das Immunglobulin-G-Level in der Lutealphase anstieg, zeigte sich in der Follikelphase bei ihnen ein höherer Immunglobulin-A-Spiegel.

 

Sex macht fruchtbar!

In der Gruppe der abstinenten Frauen trat keine dieser Veränderungen ein. Diese Prozesse deuten laut den Studienleitern darauf hin, dass häufiger Geschlechtsverkehr das Immunsystem auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Und das klappt nicht nur, wenn sie besonders fruchtbar sind.

Studienleiterin Tierneey Lorenz: „Der weibliche Körper muss ein schwieriges Dilemma umschiffen. Um sich selbst zu schützen, muss der Körper sich gegen feindliche Eindringlinge wehren. Aber wenn es diese Regel auf Spermien und einen Fötus anwendet, kann keine Schwangerschaft entstehen. Die Immun-Veränderungen, die bei (sexuell aktiven) Frauen auftreten, könnten eine Reaktion auf dieses Problem sein.“

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