Warum Selfies uns den Urlaub verschönern

Redaktion PraxisVITA
Frau nimmt ein Selfie auf
Durch das Fotografieren erinnern wir uns besser an Erlebnisse und nehmen sie stärker wahr © Fotolia

US-Forscher konnten erstmals nachweisen, dass sich Menschen, die ihre Erlebnisse fotografieren, später intensiver erinnern.

Menschen, die im Urlaub ständig ihre Handys in der Hand haben, um alles zu fotografieren, wird oft der Vorwurf gemacht, sie könnten sich vor lauter Fotografieren gar nicht mehr auf das Erlebte konzentrieren. Amerikanische Forscher behaupten jetzt das Gegenteil: Wer Erlebnisse aktiv mit der Kamera festhält, nimmt sie auch intensiver wahr und kann sich später besser daran erinnern.

Die Wissenschaftler der Universitäten Southern California, Yale und Pennsylvania untersuchten mit Hilfe von mehr als 2000 Probanden neun verschiedene Situationen, in denen üblicherweise fotografiert wird und dokumentierten die Gefühle, die die Versuchsteilnahmer damit verbanden.

 

Fotografieren intensiviert das Erlebnis

So ließen die Forscher die Testpersonen an einer Bustour oder aber einem Ausflug durch einen Food-Court teilnehmen, einige der Probanden sollten dabei Fotos machen. Die Auswertung eines anschließend ausgefüllten Fragebogens ergab, dass die Teilnehmer, die Fotos gemacht hatten, mehr Spaß an der Aktivität hatten und diese intensiver erlebt hatten.

Gruppe von Menschen im Museum
Fotografierende Teilnehmer verbrachten mehr Zeit mit der eingehenden Betrachtung der Objekte als diejenigen, die nur so durch das Museum gingen© istock

Letzteres wurde auch in einem anderen Versuchsaufbau deutlich: Die Probanden besuchten ein Museum, während sie eine Brille trugen, die die Augenbewegungen verfolgte. Ein Teil der Gruppe machte Fotos der ausgestellten Objekte. Die Auswertung der Brillendaten ergab, dass die fotografierenden Teilnehmer mehr Zeit mit der eingehenden Betrachtung der Objekte verbrachten als diejenigen, die nur so durch das Museum gingen.

 

Auch negative Erlebnisse werden intensiver erinnert

Allerdings scheint dieser Effekt nur bei eher passiven Aktivitäten aufzutreten. Bei Erlebnissen, die eine aktive Beteiligung der Teilnehmer – wie etwa ein Handwerkskurs – voraussetzten, wurde das Fotografieren nicht als bereichernd empfunden.

Dass Erlebnisse aktiver und intensiver erinnert werden, hat allerdings nicht nur Vorteile. So zeigt die Studie, dass der „Foto-Effekt“ auch bei negativen Geschehnissen eintritt. Probanden, die an einer virtuellen Foto-Safari teilnahmen, wurde ein Rudel Löwen, das einen Wasserbüffel attackierte, gezeigt. Dieses Erlebnis hinterließ bei den Teilnehmern, die Fotos machen sollten, eine als deutlicher negativer empfundene Erinnerung im Vergleich zu den Nicht-Fotografen.

Allgemein gilt demnach: Wer seinen Urlaub oder einen Ausflug, bei dem es viel zu sehen gibt, intensiver erleben möchte, der sollte fotografieren – nicht einfach so viel wie möglich, sondern gezielt und aufmerksam – für schönere Erinnerungen und einfach tolle Fotos!

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