Warum Schwangere und Kinder niemals Paracetamol nehmen sollten

Schwangere nimmt Medikamente
Norwegische Forscher fanden heraus, dass Paracetamol in der Schwangerschaft das Asthma-Risiko bei Babys um 29 Prozent erhöht © Fotolia

Bei Beschwerden in der Schwangerschaft greifen immer mehr Frauen zu Paracetamol. Wie gefährlich das für das Baby werden kann, wissen nur die wenigsten. Praxisvita klärt auf.

Die wenigsten Frauen durchleben die Schwangerschaft, ohne ein einziges Mal Kopf-, Glieder-, Nacken-, Rückenschmerzen oder Fieber zu haben. Wenn die Beschwerden nicht mit Massagen, Entspannungstechniken oder anderen alternativen Therapien behoben werden können, wird häufig ein frei verkäufliches Schmerzmittel eingenommen.

 

Paracetamol – Das Schmerzmittel der Wahl in der Schwangerschaft

Das Mittel der Wahl ist Paracetamol. Paracetamol galt bislang als das sicherste Schmerzmittel. Über den Einsatz streiten Experten allerdings immer wieder. Skandinavische Studien konnten bereits beweisen,  dass die Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft das Risiko für ADHS um 37 Prozent erhöht. Eine weitere Studie hat Zusammenhänge zwischen dem häufigen Gebrauch von Paracetamol in der Schwangerschaft und autistischen Symptomen beim Kind gefunden. Wissenschaftler aus Norwegen haben jetzt entdeckt: Nehmen Frauen während der Schwangerschaft Paracetamol ein, steigt auch das Asthmarisiko des Kindes.

Ein Zusammenhang zwischen Paracetamol und Asthma war bereits bekannt. Bislang war unklar, ob der Risikoanstieg auf der Einnahme von Paracetamol oder anderen Faktoren beruht – z.B. der Erkrankung, für deren Behandlung das Medikament eingesetzt wird. Die norwegische Studie beweist: Der Wirkstoff an sich ist für das erhöhte Asthma-Risiko verantwortlich.

 

Paracetamol in der Schwangerschaft erhöht Asthma-Risiko

Für ihre Analyse hatte das Team um Maria Magnus vom norwegischen Public-Health-Institut in Oslo 114.500 Kinder und Mütter untersucht. Das Ergebnis: Das Asthma-Risiko war bei Kindern, deren Mütter Paracetamol während der Schwangerschaft eingenommen hatten, im Alter von drei bis sieben Jahren um 29 Prozent erhöht. Dabei spielte es keine Rolle, für welche Beschwerden Paracetamol angewendet wurde. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass 5,7 Prozent der Kinder Asthma im Alter von drei Jahren entwickelten und 5,1 Prozent der Kinder im Alter von sieben Jahren.

Die Untersuchung, die im International Journal of Epidemiology veröffentlicht wurde, macht außerdem deutlich: Auch wenn Babys in den ersten sechs Monaten mit Paracetamol behandelt werden, steigt das Asthma-Risiko an.

 

Medikamente in der Schwangerschaft

Die enge Verbindung zwischen einer schwangeren Frau und ihrem noch ungeborenen Kind im Hinblick auf Medikamente kann gefährlich werden, denn alle Arzneien erreichen auch das Baby. Um kein Risiko einzugehen – also um Organmissbildungen, Entwicklungs- und Funktionsstörungen zu vermeiden –  gilt ein Grundsatz daher ganz besonders: Arzneien sind nur dann zu verwenden, wenn es wirklich unumgänglich ist und andere Maßnahmen die Beschwerden nicht gelindert haben. Mit anderen Worten: Größtmögliche Sicherheit schafft, wer alles absetzt, was der Arzt nicht ausdrücklich erlaubt. Das gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel, die im Rahmen der Selbstmedikation zur Erhaltung der Gesundheit eingenommen werden: für Multivitaminpräparate (Vitamin A kann Missbildungen erzeugen), Stärkungs- und Vorbeugemittel.

Andererseits: Falls eine werdende Mutter auf medikamentöse Behandlung angewiesen ist (z.B. weil sie Diabetikerin ist), so darf diese nicht unterbleiben – gerade auch im Interesse des Kindes, da es sonst durch die Erkrankung der Mutter gefährdet würde. In solchen Fällen wählt der Arzt einen Arzneistoff aus, für den möglichst kein Risiko auf die kindliche Entwicklung nachgewiesen wurde.

Hamburg, 11. Februar 2016

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