Warum Schwangere auf ihr Zahnfleisch achten sollten

Verena Elson Medizinredakteurin
Frau putzt Zähne
Wenn zum ersten Mal Zahnfleischbluten auftritt, sollten Schwangere umgehend einen Termin beim Zahnarzt vereinbaren © istock/Wavebreakmedia

„Pro Kind ein Zahn“ lautet ein altes Sprichwort. Es besagt, dass Frauen pro Schwangerschaft einen Zahn verlieren. Ganz so schlimm ist es heute nicht mehr – doch das Zahnfleisch und damit der gesamte Zahnhalteapparat sind in der Schwangerschaft tatsächlich empfindlicher. Warum eine Zahnfleischentzündung in der Schwangerschaft auch für das Baby gefährlich werden kann und wie Sie am besten vorbeugen.

Während der Schwangerschaft stellt sich der Hormonhaushalt der Frau um – das hat Auswirkungen auf viele verschiedene Bereiche des Körpers. Auch das Zahnfleisch verändert sich in der Schwangerschaft: Das Bindegewebe wird lockerer und das Zahnfleisch wird stärker durchblutet. In der Folge kommt es schneller zu Schwellungen und Zahnfleischbluten. Bakterien können jetzt leichter in das Zahnfleisch eindringen und eine Zahnfleischentzündung auslösen – eine sogenannte Schwangerschaftsgingivitis.

Studien haben gezeigt, dass eine unbehandelte Zahnfleischentzündung in der Schwangerschaft das Risiko einer Frühgeburt (Geburt vor Ende der 35. Schwangerschaftswoche) verdreifacht. Die Gründe dafür sind noch nicht vollständig geklärt, doch Mediziner vermuten, dass Giftstoffe aus den Bakterien, die in den Blutkreislauf der Mutter gelangen, vorzeitige Wehen auslösen. Doch Schwangere können viel tun, damit ihr Zahnfleisch auch in der Schwangerschaft gesund bleibt.

 

Zahnfleischentzündung in der Schwangerschaft vorbeugen

Kontrolle beim Zahnarzt: Gehen Sie während ihrer Schwangerschaft mindestens zweimal zur Kontrolluntersuchung, am besten im ersten und zweiten Drittel. Bemerken Sie Zahnfleischbluten, vereinbaren Sie zeitnah einen zusätzlichen Termin.

Professionelle Zahnreinigung: Mediziner empfehlen zwei professionelle Zahnreinigungen in der Schwangerschaft. Dabei werden die Zahnfleischtaschen gereinigt und Bakterienherde entfernt. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Zahnprophylaxe in der Schwangerschaft.

Gründliche Mundhygiene: Putzen Sie sich nach jeder Mahlzeit die Zähne oder spülen Ihren Mund mit einer alkoholfreien, antibakteriellen Mundspüllösung aus. Reinigen Sie Ihre Zahnzwischenräume mindestens einmal am Tag – am besten abends – mit Zahnseide und Interdentalbürsten. Falls Sie erbrechen müssen, warten Sie danach eine halbe Stunde mit dem Zähneputzen, da der Zahnschmelz unmittelbar nach dem Erbrechen durch den Kontakt mit der Magensäure besonders empfindlich ist. Ist Ihnen das Putzen mit einer normalen Zahnbürste wegen des starken Brechreizes unangenehm, können eine Kinderzahnbürste, ein Wattestäbchen oder auch der eigene Finger Alternativen sein. Eine ergänzende Mundraumpflege mit probiotischen Bakterien wie Lactobazillus reuteri kann ebenfalls zu einer verbesserten Mundflora beitragen.

 

Umgehende Therapie ist wichtig

Kommt es dennoch zu einer Zahnfleischentzündung in der Schwangerschaft, ist eine umgehende Behandlung wichtig. Denn neben dem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt besteht auch die Gefahr, dass die Schwangerschaftsgingivitis in eine Parodontitis übergeht. Dabei ist der gesamte Zahnhalteapparat entzündet, also die Struktur, die die Zähne im Kiefer hält. Das Risiko für Zahnverlust steigt. Als Behandlung reichen meist die gründliche Reinigung beim Zahnarzt und eine sorgfältige Mundhygiene zu Hause aus.

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