Warum Schlanksein in den 70ern leichter war

Verena Elson
Jugendliche in den Siebzigern in einem Auto
Bei gleicher Kalorienzahl und körperlicher Aktivität waren Erwachsene in den 1970er und 1980er Jahren schlanker, zeigt eine neue Studie © Fotolia

Heutige Erwachsene haben es schwerer, schlank zu bleiben, als Gleichaltrige in den 1970er und 1980er Jahren – auch, wenn sie dieselbe Kalorienanzahl zu sich nehmen und genauso viel Sport machen, zeigt eine aktuelle Studie.

Haben sich die Kriterien, die unser Gewicht beeinflussen, in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Dieser Frage gingen US-amerikanische Wissenschaftler in ihrer aktuellen Studie auf den Grund.

Dazu analysierten sie, wie der BMI (Body-Mass-Index) eines heutigen Erwachsenen im Vergleich mit dem eines Erwachsenen in den 1970er oder 1980er Jahren ausfällt – bei gleicher Kalorienaufnahme und gleicher körperlicher Aktivität.

Um den BMI-Vergleich bei gleicher Ernährungsweise aufzustellen, werteten die Forscher Daten von rund 36.400 US-Amerikanern aus, die im Rahmen der National Health and Nutrition Survey (NHANES) zwischen 1971 und 2008 erfasst wurden. Zur körperlichen Aktivität der Befragten lagen den Wissenschaftlern zwischen 1988 und 2006 erfasste Daten von etwa 14.400 Erwachsenen vor.

 

Wir werden dicker, ohne mehr zu essen

Die Auswertung ergab: Bei gleicher Aufnahme von Kalorien und Nährstoffen sowie gleicher körperlicher Aktivität war der BMI einer Person 2006 im Schnitt um 2,6 Punkte höher als der eines gleichaltrigen Erwachsenen 1988.

„Unsere Studie legt nahe, dass ein Vierzigjähriger heute weniger essen und mehr Sport machen muss als ein Vierzigjähriger 1971, um nicht zuzunehmen“, sagt Studienautorin Prof. Jennifer Kuk. „Doch sie zeigt auch, dass es andere Faktoren als Ernährung und Bewegung gibt, die zum Anstieg von Fettleibigkeit beitragen.“

 

Welche Faktoren beeinflussen unser Gewicht?

Was genau zu diesen Faktoren gehört, ist noch nicht geklärt. Die Forscher vermuten allerdings, dass drei Aspekte dabei eine Rolle spielen: Erstens sind wir heute mehr Chemikalien – beispielsweise in Verpackungen und Insektenschutzmitteln – ausgesetzt, die in unsere hormonellen Prozesse eingreifen und so Gewichtszunahme fördern könnten. Zweitens ist die Anzahl der verschriebenen Medikamente seit den 1970er und 1980er Jahren stark angestiegen. Einige davon, speziell Antidepressiva, können dazu führen, dass Patienten zunehmen.

Schließlich könnte sich die Darmflora von Menschen in Industrienationen nach Meinung der Wissenschaftler in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben. Dass die Darmflora das Gewicht beeinflusst, haben bereits zahlreiche Studien gezeigt. So finden sich bei Übergewichtigen andere und meist weniger Darmbakterien als bei Normalgewichtigen. Da der Fleischkonsum pro Kopf gestiegen ist und die Massentierhaltung mit dem vorbeugenden Einsatz von Antibiotika ebenfalls zugenommen hat, landen immer mehr Antibiotika im Darm der Konsumenten – und diese können langfristig der Darmflora schaden.

Der Verzicht auf Fleisch aus Massentierhaltung könnte sich demnach positiv auf das Gewicht auswirken. Weitere Studien ergaben kürzlich, dass Lebensmittel wie Gerste und Trockenpflaumen eine gesunde Darmflora fördern. Welche Diäten den meisten Erfolg versprechen, erfahren Sie hier.

Hamburg, 6. Oktober 2015

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