Warum quengelt mein Kind ständig?

Dr. med. Nadine Heß

Ein quengelndes Kind ist für Eltern immer wieder eine Herausforderung. Soll man nachgeben, es einfach ignorieren oder aktiv dagegen arbeiten? Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, wie Eltern reagieren sollten.

Expertin Dr. Nadine Hess
„Seien Sie in jedem Fall konsequent – nur so lernt Ihr Kind, dass es ein „Nein“ akzeptieren muss.“ © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Es ist eine Situation, die viele Eltern so oder ähnlich kennen dürften: Sie gehen mit Ihrem Kind durch den Supermarkt und kommen am Regal mit den Süßigkeiten vorbei – prompt fängt der Nachwuchs an zu quengeln. Aber wodurch wird das Quengeln eigentlich ausgelöst? Und wie sollten sich Eltern in so einem Fall verhalten?

Der beste Rat für solche Situationen: Zählen Sie erst einmal in Gedanken bis zehn und atmen Sie tief durch, um sich zu beruhigen. Denn Kinder versuchen durch quengeln ihre Bedürfnisse auszudrücken. Wird dieses Bedürfnis nicht befriedigt, steigt das Stresslevel des Kindes an und die Körperspannung erhöht sich. Das führt zu noch mehr Quengelei – und im schlimmsten Fall zu einem Wut- oder Weinanfall. Denn Kinder leben stets in der Gegenwart und sind nur selten in der Lage, zu begreifen, dass man Bedürfnisse auch aufschieben kann.

 

Quengeln ist ansteckend

Besonders unangenehm für Eltern: Quengelt das Kind, sorgt das auch bei den Erwachsenen für Anspannung. Viele sehen dann nur noch zwei Alternativen, um die Situation zu entschärfen: Entweder durch schimpfen und drohen oder durch nachgeben. Doch keine dieser Strategien eignet sich wirklich, um das Problem zu lösen. Quengeln ist für Kinder ein Druckmittel – und es hängt von der Reaktion der Eltern ab, ob sie diese Strategie auch künftig nutzen.

Geben Sie nun also nach und kaufen dem Nachwuchs beispielsweise die geforderten Süßigkeiten, wertet das Kind das als Erfolg für sich und wird künftig in vergleichbaren Situationen immer quengeln. Und wenn Sie sich dafür entscheiden, zu schimpfen oder sogar zu drohen, sorgt das meist nur dafür, dass das Kind sich in seinen Ärger hineinsteigert und eventuell anfängt zu toben.

Mutter spricht mit Tochter
Um das Kind von den Süßigkeiten im Regal abzulenken, hilft es oft, das Lieblingsspielzeug zum Einkauf mitzunehmen© Fotolia
 

Klare Ansagen helfen gegen Quengelei

Es ist nicht leicht, in solchen Situationen entspannt zu bleiben. Aber es lohnt sich: Wenn Sie Ruhe ausstrahlen, zeigen Sie damit, dass Sie sich durch die Quengelei nicht beeinflussen lassen. Wählen Sie bewusst eine ruhige Tonlage und seien Sie konsequent: Wenn Sie „Nein“ sagen, müssen Sie es auch so meinen. Nur so wird das Kind lernen, Ihre Ansagen zu akzeptieren. Um die Situation zu entschärfen, empfiehlt es sich, vom Thema abzulenken. Das funktioniert beispielsweise, indem Sie die Aufmerksamkeit des Kindes auf einen anderen Gegenstand lenken. Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie dem Nachwuchs statt Süßigkeiten einen Teddybär kaufen sollen. Aber Sie können beispielsweise dafür sorgen, dass das Kind beim Einkauf sein Lieblingsspielzeug oder ein Stofftier dabei hat. Dann ist es beschäftigt und in den meisten Situationen leichter zu beruhigen.

Zwar wird das Quengeln nicht von einen Tag auf den anderen aufhören. Wenn Eltern aber konsequent bleiben, wird das Kind lernen, dass es durch sein Verhalten nicht weiterkommt und mit dem Quengeln im Laufe der Zeit aufhören.

 

Was bedeutet quengeln im Krankheitsfall?

Kinder verhalten sich nicht alle gleich, wenn sie krank sind: Während manche von ihnen still vor sich hin leiden, quengeln andere umso lauter. Es ist daher nur anhand des Quengelns schwer zu entscheiden, wie krank ein Kind tatsächlich ist. Achten Sie deshalb auf alle Symptome, die das Kind hat und lassen Sie die Krankheit und geeignete Behandlungsmöglichkeiten im Zweifel vom Kinderarzt abklären.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.